Altkanzler will Buch stoppen

Gesprächsprotokolle: Kohl beleidigt Parteifreunde

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Altkanzler Helmut Kohl.

München/Hamburg - Weil er seine Aussagen wie "Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen" nicht veröffentlicht haben will, hat Altkanzler Helmut Kohl seine Anwälte eingeschaltet.

Kohl-Biograf Heribert Schwan.

Wie der "Focus" berichtet, beauftragte Kohl seine Anwälte, die Veröffentlichung eines neuen Buches seines früheren Biografen Heribert Schwan beim Heyne Verlag zu stoppen. Grund des Streits sei der Verdacht, Schwan habe für die Publikation jene 200 Tonbänder aus Gesprächen mit Kohl aus den Jahren 2001/2002 verwertet, deren Nutzung ihm nach seinem Bruch mit dem Altkanzler vom Oberlandesgericht Köln im August untersagt wurde. Sie dienten Schwan bei der Abfassung der Kohl-Memoiren.

"Frau Merkel konnte ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen"

Wie „Der Spiegel“ schreibt, hat Kohl in den Schwan-Interviews teils drastisch mit Parteifreunden abgerechnet. So sagt er unter anderem über die jetzige Kanzlerin Angela Merkel, sie habe "ja nicht richtig mit Messer und Gabel essen" können. Den späteren Bundespräsidenten Christian Wulff nennt er einen "ganz großen Verräter", der "gleichzeitig auch eine Null" sei. Auch mit seinem früheren Arbeitsminister Norbert Blüm geht der Altkanzler hart ins Gericht.

In den Interviews äußerte sich Kohl laut „Spiegel“ auch zur friedlichen Revolution in der DDR. Nach Auffassung des Altkanzlers trug nicht in erster Linie die ostdeutsche Bürgerrechtsbewegung zum Zusammenbruch des Regimes bei - vielmehr sei dafür die wirtschaftliche Schwäche der Sowjetunion ursächlich gewesen.

BGH muss entscheiden

Über den Streit zwischen Kohl und Schwan muss wohl der Bundesgerichtshof entscheiden. Der Journalist hat in Karlsruhe Revision gegen das Kölner Urteil eingelegt. Danach darf Kohl die 200 Tonbänder behalten. Schwan erhebt als Ghostwriter ebenfalls Anspruch darauf.

Der langjährige CDU-Vorsitzende stellt laut „Focus“ am Mittwoch persönlich die Neuausgabe seiner Erinnerungen auf der Frankfurter Buchmesse vor. Am 3. November folge dann die Präsentation seines neuen Buches „Aus Sorge um Europa - ein Appell“.

dpa

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