Kuczynski gewinnt Stichwahl gegen Keiko Fujimori in Peru

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Ist der neue Präsident Perus: Der deutschstämmige Wirtschaftsexperte Pedro Pablo Kuczynski. Foto: Ernesto Arias

Der deutschstämmige Wirtschaftsexperte erreichte das Präsidentenamt mit dem kürzesten Vorsprung der Geschichte Perus. Ausgerechnet die Linke verhalf dem Neoliberalen zum Wahlsieg. Doch im Parlament steht Kuczynski eine breite Mehrheit seiner Widersacherin Fujimori entgegen.

Lima (dpa) - Der neoliberale Wirtschaftsexperte Pedro Pablo Kuczynski ist in Peru zum Nachfolger des Staatschefs Ollanta Humala gewählt worden.

Der 77-Jährige gewann mit 50,1 Prozent der Stimmen denkbar knapp ein Kopf-an-Kopf-Rennen in der Stichwahl gegen die Rechtspopulistin Keiko Fujimori (41), die auf 49,9 Prozent kam. Dies teilte der Leiter der Wahlbehörde, Mariano Cucho, am Donnerstag auf einer Pressekonferenz in Lima mit. Kuczynski rief nach Bekanntgabe des Wahlergebnisses zu Einheit und Dialog auf.

"Lasst uns nicht den Dialog mit Schwäche verwechseln", sagte der Sohn eines vor den Nazis ins Exil geflohenen deutschen Arztes. Viele Peruaner hätten den Eindruck gewonnen, sie hätten den Zug verpasst. Er wolle, dass alle mitfahren könnten, und wünsche sich, 2021 zum Schluss seiner Amtsperiode ein renoviertes Land übergeben zu können.

Der Vorsprung Kuczynskis belief sich nach dem vorläufigen Endergebnis auf 41 000 Stimmen - bei über 18 Millionen Wählern bei der Stichwahl vom Sonntag. Es ist das engste Wahlergebnis der Geschichte Perus. Der frühere Konzern- und Finanzmanager hatte im Endspurt der Wahlkampagne aufgeholt, nachdem die Umfragen ihm noch eine Woche vor der Stichwahl eine Niederlage um fünf Prozentpunkte vorausgesagt hatten.

Die Tochter des inhaftierten Ex-Präsidenten Alberto Fujimori hatte die erste Wahlrunde am 10. April mit 40 Prozent der Stimmen gewonnen. Kuczynski kam damals auf 21 Prozent. Für die Stichwahl bekam er die kritische Unterstützung der Linken, die mit 18 Prozent auf Platz drei gekommen war.

Kuczynski profitierte von der starken Abneigung breiter Bevölkerungsschichten gegen Keiko Fujimori, die als politische Erbin ihres Vaters angesehen wird. Alberto Fujimori ist wegen schwerer Menschenrechtsverletzungen während seiner Amtszeit (1990-2000) zu 25 Jahre Haftstrafe verurteilt worden. Außerdem wurde er wegen Korruption verurteilt.

Keiko Fujimori hatte bereits vor fünf Jahren eine Stichwahl gegen Humala verloren. Damals war sie in der ersten Wahlrunde auf knapp 24 Prozent und in der Stichwahl auf 48,6 Prozent der Stimmen gekommen. Kuczynski, der 2011 an dritter Stelle geblieben war, unterstützte damals Fujimori in der Stichwahl.

Im 130 Mandate zählenden Parlament wird Kuczynski mit der absoluten Mehrheit der 73 Abgeordneten von Fujimoris Partei Fuerza Popular (Volkskraft) auskommen müssen. Der gewählte Präsident kann sich mit seiner Partei nur auf eine Fraktion von 18 Abgeordneten stützen. Sie ist damit sogar noch kleiner als die Fraktion der linken Koalition Frente Amplio (Breite Front) mit 20 Parlamentariern. Die Linke hat bereits klar gestellt, dass sie Kuczynski zwar zum Sieg in der Stichwahl verholfen habe, aber im Parlament in der Opposition stehen werde.

Die Beteiligung der knapp 23 Millionen Wahlberechtigten lag bei 80 Prozent. Knapp 400 000 Peruaner gaben ihre Stimmen im Ausland ab. Die Amtsübernahme für die Periode 2016-2021 ist für den 28. Juli angesetzt.

Wahlauszählung, Span.

Webseite Kuczynski, Span.

Webseite Keiko Fujimori, Span.

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