Von der Leyen will Frauenquote rasch durchsetzen

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Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) will eine Frauenquote in der deutschen Wirtschaft schnell durchsetzen.

Berlin - Die Bundesregierung will rasch eine Frauenquote für Führungsgremien der deutschen Wirtschaft durchsetzen. Noch in diesem Jahr soll ein Vorschlag vorgelegt werden.

Die Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) plädierte allerdings dafür, keine reine Frauenquote, sondern einen 30-Prozent-Schlüssel festzuschreiben, der als Mindest-Marge für Männer und Frauen gelten solle. Dieser Schlüssel müsse sowohl für Vorstände als auch für Aufsichtsräte vor allem von börsennotierten Unternehmen gelten.

Die DIHK lehnt eine Quote weiter vehement ab. Von der Leyen sagte dem “Spiegel“, an eine Quote müssten auch Sanktionen gekoppelt werden, “sonst ist es weiße Salbe“. Denkbar sei, dass Mitglieder von Aufsichtsräten, die die Quote nicht erfüllten, kein Sitzungsgeld erhielten. Zudem könnten deren Beschlüsse zwar gelten, aber die Wahl des Gremiums für ungültig erklärt werden.

“Das tut den Aufsichtsräten, die sich abschotten, richtig weh, bestraft aber nicht das Unternehmen.“ Das Thema müsse jetzt entschieden werden, weil die Zeit reif sei: Seit zehn Jahren gebe es eine freiwillige Vereinbarung mit der Privatwirtschaft, den Anteil der Frauen in Führungspositionen von Unternehmen zu steigern: “Diese Vereinbarung ist krachend gescheitert, für die Frauen hat sich kaum etwas bewegt“, kritisierte die Ministerin.

Chefetagen fest in Männerhand

In den deutschen Top-Unternehmen sind die Chefetagen weiter fest in Männerhand: Einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zufolge haben mehr als 90 Prozent der 100 größten Unternehmen nicht eine einzige Frau im Vorstand. Erst am Freitag hatte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder in einem “Handelsblatt“-Gastbeitrag einen Stufenplan zur Frauenquote für das Frühjahr angekündigt. Kern des Plans sei eine gesetzliche Pflicht zur Selbstverpflichtung. Unternehmen ab einer gewissen Größe würden dazu verpflichtet, individuell eine selbst bestimmte Frauenquote festzulegen, die innerhalb von zwei Jahren erreicht werden solle, erklärte Schröder. Diese Quote gelte sowohl für den Vorstand als auch für den Aufsichtsrat.

Dieser Vorschlag stieß in der Wirtschaft auf Ablehnung: Es sei richtig, dass die Bundesfamilienministerin eine starre Quote ablehne, denn dieser Weg sei verfehlt. Doch auch eine flexible Quote schränke die Betriebe “in ihrer Handlungsfreiheit ein“, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Hans Heinrich Driftmann, “Handelsblatt Online“. “Unternehmen müssen wie bisher auch ihre Positionen mit der jeweils am besten geeigneten Person - unabhängig von deren Geschlecht - besetzen können“, forderte er.

Zudem steige die Anzahl der Frauen in Führungspositionen bereits - wenn auch nicht so schnell wie vielleicht gewünscht. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig kritisierte das Gesetzesvorhaben Schröders als “naiv“ und forderte die Einführung einer allgemeingültigen Quote. “Frau Schröder ist doch selbst eine Quotenfrau, will die gesetzliche Quote zugunsten aller Frauen aber nicht. Sie setzt weiter auf die Freiwilligkeit von Unternehmen, die bisher nichts getan haben. Das ist naiv“, sagte Schwesig.

Die SPD-Politikerin will die Untätigkeit der Wirtschaft nicht länger hinnehmen: “Eine gesetzliche Frauenquote ist überfällig. Seit zehn Jahren haben wir eine freiwillige Vereinbarung zwischen Wirtschaft und Politik, um Frauen mehr Führungspositionen zu geben. Seitdem ist nichts passiert.“ Nach Ansicht der Personalberaterin Yvonne Beiertz würde eine gesetzliche Frauenquote für die Besetzung von Führungspositionen in deutschen Unternehmen nichts bringen. “Wo sollen die vielen Frauen herkommen, die plötzlich in den Aufsichtsräten und in den Vorstandsetagen sitzen sollen? Das ist ein längerfristiges Programm, das bereits bei der Einstellung von geeigneten Kandidatinnen auf den unteren Ebenen ansetzen muss.

Da sprechen wir von einem Zeitraum von mehreren Jahren“, sagte Beiertz der Nachrichtenagentur dpa. Beiertz leitet bei Spencer Stuart, einem der führenden Personalberatungsunternehmen, die Suche nach Führungskräften für die Finanzbranche. “Wir sehen in unserer Praxis, dass die Unternehmen seit etwa einem halben Jahr stärker auf die Balance zwischen den Geschlechtern achten und verstärkt nach qualifizierten Managerinnen für offene Führungspositionen suchen“, berichtete Beiertz aus ihrer Erfahrung. “Allein die Diskussion über das Thema erhöht den Druck auf die Unternehmen, so dass eine Quote eigentlich nicht nötig ist.“

dpa

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