Frankreich schließt Botschaften

Mohammed-Karikaturen: Magazin druckt Sonderauflage

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Ein Redakteur hält eine Ausgabe des Magazins "Charlie Hebdo" vor eine Kamera (Archivbild).

Paris - Das französische Satiremagazin „Charlie Hebdo“ druckt die aktuelle Ausgabe mit provokanten Mohammed-Karikaturen in einer Sonderauflage nach. Jetzt wappnet sich Frankreich für Angriffe durch Muslime.

Nach der Veröffentlichung von Mohammed-Karikaturen in einem Satiremagazin wappnet sich auch Frankreich für Angriffe durch aufgebrachte Muslime. Als Vorsichtsmaßnahme schließt das Land weltweit rund 20 Botschaften, Konsulate und Schulen. Die diplomatischen Vertretungen sollten am kommenden Freitag geschlossen bleiben, kündigte Außenminister Laurent Fabius am Mittwoch im Radiosender France Info an. Er sei besorgt über die Sicherheitslage und habe angeordnet, „in all jenen Ländern, in denen es zu Problemen kommen könnte, die Sicherheitsmaßnahmen zu verschärfen“.

Auch Deutschland verschärfte die Sicherheitsvorkehrungen an seinen Botschaften in der arabischen Welt. Zu einzelnen Vertretungen werde zusätzliches Personal geschickt, sagte Außenamtssprecher Andreas Peschke am Mittwoch in Berlin. Ob am Freitag die deutschen Botschaften in muslimischen Ländern ebenfalls geschlossen werden, ließ er allerdings offen. An Freitagen, Feiertagen in der islamischen Welt, war es in der Vergangenheit nach den traditionellen Gebeten in den Moscheen häufig zu Demonstrationen und Ausschreitungen gekommen.

Auch am Mittwoch protestierten aufgebrachte Gläubige wieder in mehreren Ländern gegen den islamfeindlichen Schmähfilm „The Innocence of Muslims“ (Unschuld der Muslime). In Pakistan demonstrierten Hunderte wütende Anwälte gegen das in den USA produzierte Video. Sie durchbrachen dabei ein Tor, das auf ein Gelände in der Hauptstadt Islamabad führt, auf dem die Botschaft der USA sowie die Vertretungen anderer Staaten untergebracht sind. Die Polizei stoppte die Menge, bevor sie die noch einmal besonders geschützte US-Vertretung erreichen konnte. Auch in Indonesien, Sri Lanka und Afghanistan gingen Demonstranten erneut gegen den Film auf die Straße.

„Man darf sich nicht lustig machen“

Die französische Satirezeitung „Charlie Hebdo“ druckte am Mittwoch eine Reihe von Zeichnungen, die sich auf „The Innocence of Muslims“ beziehen. Auf dem Titel war die Karikatur eines Muslims mit Turban im Rollstuhl zu sehen, der von einem orthodoxen Juden geschoben wird. „Man darf sich nicht lustig machen“, wird den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber prangt der Titel „Intouchables 2“ in Anlehnung an den beliebten Film „Intouchables“ (Die Unantastbaren), der in Deutschland als „Ziemlich beste Freunde“ in die Kinos kam. Auf den Innenseiten ist ein Muslim zu sehen, der ähnlich wie beim Oscar verkündet: „Die Nominierten für den besten anti-islamischen Film sind...“.

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Aus Angst vor Ausschreitungen sei die französische Botschaft in der indonesischen Hauptstadt Jakarta bereits geschlossen worden, berichtete die Tageszeitung „Le Monde“ am Mittwoch auf ihrer Internetseite. Auch die Botschaft in Tunis sowie zehn französische Schulen in Tunesien blieben von Mittwochnachmittag bis Montagmorgen geschlossen. „Das ist eine Vorsichtsmaßnahme. Wir haben keine direkte Drohung erhalten“, zitierte „Le Monde“ aus einer Stellungnahme der Botschaft. Außerdem sprach das französische Außenministerium eine Reisewarnung für muslimische Staaten aus und forderte Franzosen in diesen Ländern zu „erhöhter Wachsamkeit“ auf.

Premierminister Jean-Marc Ayrault sagte, die Meinungsfreiheit werde garantiert, forderte allerdings, sie „sollte verantwortungsvoll und respektvoll wahrgenommen werden“. Auch Außenminister Fabius mahnte Zurückhaltung an. „Ist es klug, in diesem Zusammenhang Öl ins Feuer zu gießen? Die Antwort ist nein“, sagte er im Radiosender France Info. Der Leiter der Großen Moschee von Paris, Dalil Boubakeur, rief ebenfalls zur Ruhe auf. „Das ist erbärmlich und hasserfüllt, eine nutzlose und dumme Provokation. Aber wir sind keine Pawlow'schen Hunde, die auf jede Beleidigung reagieren“, sagte er.

Chefredakteur verteidigt Veröffentlichung der Mohammed-Karikaturen

Der Chefredakteur von „Charlie Hebdo“, der unter dem Künstlernamen Charb firmiert, verteidigte die Karikaturen. „Mohammed ist mir nicht heilig“, sagte er am Mittwoch in einem Interview in der Redaktion des Satiremagazins in Paris. „Ich werfe den Muslimen nicht vor, dass sie über unsere Bilder nicht lachen. Aber für mich gilt das französische Recht, nicht das Recht des Korans.“

Er bereue die Veröffentlichung der Karikaturen nicht und fühle sich für mögliche Gewalttaten nicht verantwortlich, sagte Charb. „Ich gehe nicht mit Steinen und Kalaschnikows auf die Straße“, sagte der Chefredakteur. „Wir hatten 1.000 Ausgaben und nur dreimal Probleme - immer, wenn wir Titelgeschichten über den radikalen Islam hatten.“

Nach den schweren Ausschreitungen in Ägypten verurteilte der Minister für islamische Angelegenheiten, Scheich Talaat Afifi, die Gewalt gegen westliche Botschaften. „Wir sollten unsere Religion verteidigen, aber ohne Mord, ohne Gewalt. Ich frage mich, was es bringt, einen Botschafter zu töten? Ein Gebäude in Brand zu setzen? Eine Fahne zu verbrennen?“, sagte der Minister in der „Zeit“ (Donnerstagausgabe).

US-Präsident Barack Obama bezeichnete indessen den Macher des Schmähfilms am Dienstagabend bei einem Fernsehauftritt als „dubiosen Typen“. Die ägyptische Generalstaatsanwaltschaft ging weiter und erließ Haftbefehle gegen den mutmaßlichen Regisseur Nakoula Basseley Nakoula, den US-Prediger Terry Jones und sechs ägyptische Kopten. Den Angeklagten werde vorgeworfen, der nationalen Einheit geschadet, den Islam beleidigt und öffentlich angegriffen sowie falsche Informationen verbreitet zu haben, hieß es in einer Mitteilung. Ihnen drohe die Todesstrafe.

dapd

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