"Schnapsidee"

Linke wollen Martinstag abschaffen

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Der Laternenzug ist ein fester Bestandteil des Martinstages.

Düsseldorf - Der Sprecher der Linkspartei in NRW, Rüdiger Sagel, hat sich für eine Umbenennung des Martins-Fests in ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ ausgesprochen. Seine Begründung klingt abenteuerlich.

Martinsgans, Martinsumzüge, Martinssingen - wohl um keinen Heiligen hat sich ein bis heute in Europa so lebendiges Brauchtum entwickelt wie um Martin von Tours. Kurz vor dem Fest des Heiligen am 11. November gerät der heilige St. Martin aber in die Schlagzeilen: In den Kindertagesstätten von Nordrhein-Westfalen sollen muslimischen Kindern nicht länger christliche Traditionen aufgedrängt werden, fordert die dortige Linkspartei nach einem Bericht der „Rheinischen Post“ vom Dienstag. Wenn man statt Sankt Martin ein „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ feiern würde, fühlten sich mehr Kinder angesprochen, argumentiert der Vorsitzende Rüdiger Sagel. „Dazu braucht man keinen Sankt Martin, der dem Lichterzug auf dem Pferd voranreitet.“

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Zuvor hat auch die Umbenennung des Sankt-Martins-Zugs in Bad Homburg in Hessen zu einer Kontroverse geführt. Dort soll den Eltern von einer städtischen Kita mitgeteilt worden sein, der Begriff „Sonne-Mond-und-Sterne-Fest“ sei politisch korrekter, weil andere Religionsgemeinschaften nicht ausgeschlossen würden.

Der Witz nur: Für Muslime ist der Bezug auf den populären Heiligen gar kein Problem: Das meint jedenfalls Aiman A. Mazyek, der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime in Deutschland. Dass Sankt Martin ein katholischer Heiliger sei, stelle für Muslime keinen Hinderungsgrund dar, sagte er der Tageszeitung „Die Welt“. „Das Leben des heiligen Martin ist doch geradezu vorbildlich, auch für Muslime.“

Das war der heilige Martin

Geboren wurde Martin 316/317 im heute ungarischen Szombathely. Als Jugendlicher trat der Sohn eines Offiziers der römischen Armee bei. Er wurde Christ und errichtete im heutigen Frankreich eines der ersten Klöster des Abendlandes. Später wählte ihn das Volk zum Bischof von Tours.

Schon zu Lebzeiten wurden Martin, der am 11. November 397 starb, viele Wunder bis hin zur Wiedererweckung von Toten nachgesagt. Im Gedächtnis bis heute am meisten verhaftet ist jedoch eine Szene, die am Stadttor von Amiens stattgefunden haben soll: Martin sah am Straßenrand einen frierenden Armen, teilte mit einem Schwert seinen Mantel und schenkte dem Bettler die Hälfte.

Martin ist der erste Heilige der Kirche überhaupt, der kein Märtyrer ist. Er ist Schutzpatron Frankreichs und der Slowakei, Landespatron des Burgenlandes in Österreich, Patron der Bistümer Mainz und Rottenburg-Stuttgart sowie tausendfacher Namensgeber für Kirchen und Klöster weltweit. Katholiken verehren ihn ebenso wie Protestanten, Orthodoxe, Anglikaner und armenische Christen.

Abschaffung des Martinstags ist "Schnapsidee"

Auch Thomas Sternberg, kulturpolitischer Sprecher der CDU im NRW-Landtag, spricht von einer „Schnapsidee“ und wirft der Linken „Kultur- und Geschichtsvergessenheit“ vor. Martin sei eine große historische Gestalt mit sehr wichtigen Impulsen für die Sozialgeschichte Europas.

Die Düsseldorfer Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann (FDP) hofft, dass die Debatte um die Martinsumzüge an städtischen Schulen und Kindergärten „höchstens in die Geschichte der Skurrilitäten“ eingeht. In zahlreichen Düsseldorfer Schulen werde an das Wirken des Heiligen und an den Wert der Nächstenliebe erinnert, sagte die katholische Politikerin am Donnerstag in Düsseldorf vor der Synode der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD).

„Wenn man das morgens in der Zeitung liest, kann man sich fragen, ob der Tee nicht gut war“, so Strack-Zimmermann. Sie fügte hinzu: „Man kann keinen zwingen, an Gott zu glauben - aber das ist kein Grund, aus einer Gesellschaft eine gottlose Gesellschaft zu machen.“

"St. Martin wäre heute ein Linker"

Unterdessen meldeten sich aus der Linken-Partei Anhänger des heiligen Martin zu Wort. Martin sei Kriegsdienstgegner gewesen und wäre heute mit Sicherheit Anhänger einer Millionärssteuer, erklärte der Landesgeschäftsführer der Linken in Baden-Württemberg, Bernhard Strasdeit, in Stuttgart. Er bezeichnete den Glaubenszeugen als „historisches Vorbild des fairen Teilens zwischen Arm und Reich“.

Die CSU-Politikerin Dorothee Bär nannte die Martins-Debatte im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) „skandalös“. Zugleich bedauerte die bisherige familienpolitische Sprecherin der Unionsfraktion, aufgrund terminlicher Engpässe auf eine Teilnahme am Martinsumzug verzichten zu müssen: „Leider kann ich dieses Jahr wegen der Koalitionsverhandlungen nicht dabei sein.“

KNA

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