Moskauer Patriarch ruft Regierung zum Dialog auf

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Patriarch Kirill fordert von der russischen Regierung eine Kursänderung.

Moskau - Angesichts der Massenproteste gegen Wahlbetrug hat das Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche die Regierung in Moskau am Samstag zum Dialog mit den Demonstranten aufgerufen.

Russland könne sich keine weitere Revolution leisten, sagte der Patriarch Kirill in einem im Fernsehen übertragenen Interview am Tag der Weihnachtsfeierlichkeiten der orthodoxen Christen. Die “Regierung sollte daher in den Dialog mit der Gesellschaft eintreten, ihr zuhören und den Kurs ändern“, dann werde alles gut.

Zehntausende Menschen beteiligten sich in Moskau bereits an zwei Protestveranstaltungen, bei denen gegen Wahlbetrug bei den Parlamentswahlen im vergangenen Monat und für ein Ende der Herrschaft von Ministerpräsident Putin demonstriert wurde. Eine dritte Kundgebung ist für den 4. Februar geplant - ein Monat vor den Präsidentschaftswahlen, von denen Putin sich die Zementierung seiner Macht für mindestens sechs weitere Jahre erhofft.

Der Moskauer Patriarch, dessen Kirche enge Verbindungen zum Kreml unterhält, nannte einen starken Staat eine Notwendigkeit. Er mahnte die Demonstrationsteilnehmer dazu, sich nicht für den politischen Machtkampf vereinnahmen zu lassen. Die Oppositionsführer verglich er mit den Bolschewiki, die 1917 die Macht an sich rissen.

Zwtl.: Fundamente des Staats sollen nicht erschüttert werden

“Wir haben das Land zerstört. Und warum passierte das? Weil die gerechtfertigten Proteste des Volks von politischen Kräften im Kampf um Macht ausgenutzt wurden“, sagte Kirill. Dasselbe sei bei den Protesten passiert, die zur Auflösung der Sowjetunion 1991 führten. Die Herausforderung für das heutige Russland sei, die Proteste in politische Veränderungen zu überführen, ohne die Fundamente des Staates zu erschüttern, sagte Kirill.

Die Demonstranten verlangten bei ihren Protesten eine Wiederholung der Parlamentswahlen und die Entlassung des Vorsitzenden der Zentralen Wahlkommission. Putin versprach mehr Wettbewerb in der Politik und mehr Transparenz bei den Präsidentenwahlen am 4. März. Allerdings machte er bislang keine Anstalten, der Forderung der Demonstranten nachzukommen und die strikte, zentrale Kontrolle des politischen Systems zu lockern.

dapd

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