Neues Gauck-Buch: Plädoyer für Menschenrechte

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Joachim Gauck las 2010 in seiner früheren Pfarrgemeinde aus seinen Erinnerungen "Winter im Sommer - Frühling im Herbst".

München - Joachim Gauck ist ein Mann der starken Worte. Die findet er auch in seinem neuen Büchlein, das am Tag nach seiner Nominierung zum Kandidaten für das höchste Staatsamt erscheint.

Präsidentschaftskandidat Joachim Gauck hat in einem neuen Buch zur entschlossenen Verteidigung der Menschenrechte aufgerufen. Die universellen Menschenrechte seien ein gemeinsames Gut der Menschheit. “Und wir dürfen und müssen gegenüber kommunistischen, fanatisch-islamistischen oder despotischen Staaten über ihre Verletzung sprechen; denn als Menschen sind wir verpflichtet, die Menschenrechte unserer Mitmenschen zu verteidigen.“

Wer ist eigentlich Joachim Gauck?

Präsidenten-Kandidat Joachim Gauck im Porträt

Gauck warnt in dem am Montag erschienenen Buch “Freiheit. Ein Plädoyer“ vor Defätismus, also davor, die Errungenschaften der Freiheit schlechtzureden. “Sind wir zu vornehm und satt geworden, um für die Werte zu streiten, die für den Westen Deutschlands seit 60 Jahren selbstverständlich geworden sind?“ In dem 64 Seiten starken Text, der auf einer Rede Gaucks vom Januar 2011 basiert, schreibt er weiter: “Wenn wir Freiheit gestalten wollen, gibt es nicht allzu viele Varianten. Ich jedenfalls kenne keine, die der westlichen Variante von Eigenverantwortung vorzuziehen wäre.“

Der ehemalige DDR-Bürgerrechtler und evangelische Pastor fordert eine offensives Eintreten für die Demokratie. “Gerade bei meinen evangelischen Brüdern und Schwestern und einigen Grünen und sozialdemokratischen Christen sind Güte und Großmut teilweise so unendlich groß, dass sie fortwährend alle Schuld der Welt einräumen ...“

Natürlich gebe es Mängel in unserer Demokratie und in der Marktwirtschaft. Aber das System sei lernfähig und habe Vorbildcharakter. “Sogar die Ostdeutschen und die linken Professoren sind darauf gekommen, dass wir keinen neuen, dritten Weg ersinnen konnten.“

Gauck, der sich als “Liebhaber der Freiheit“ bezeichnet, argumentiert weiter, es gebe keinen Grund, eine neue Variante von Antikapitalismus in die politische Debatte zu bringen. Allerdings müssten kapitalistische Wirtschaftssysteme ebenso kritisch beurteilt werden wie verschiedene politische Richtungen. “Es soll und muss debattiert werden, ob konservative, liberale oder linke Vorstellungen einer sozialen Marktwirtschaft eher gerecht werden oder bessere Lösungen für künftige Krisen anbieten.“

Toleranz dürfe nicht mit Gleichgültigkeit verwechselt werden, schreibt Gauck. “Ich glaube nicht, wie es in einigen Teilen meiner neuen Berliner Heimat inzwischen üblich ist, dass derjenige, dem alles egal ist, den Preis für Toleranz verdient.“ Stattdessen seien eher diejenigen, die sich ihrer eigenen Werte und ihres Glaubens sicher sind, bereit, die Werte von Fremden zu würdigen. “Es ist wichtig zu begreifen, dass wir der Toleranz nicht dienen, wenn wir unser Profil verwässern.“

Der Münchner Kösel Verlag hat die Veröffentlichung des neuen Gauck-Buches um zwei Wochen vorgezogen. Grund ist nach Angaben einer Verlagssprecherin die große Nachfrage. Mit der Entscheidung von Union, FDP, SPD und Grünen, Gauck zum gemeinsamen Kandidaten für das Präsidentenamt zu machen, habe die vorgezogene Veröffentlichung nichts zu tun. Die Entscheidung sei vor anderthalb Wochen gefallen.

dpa

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