War früherer Neonazi-Anführer ein V-Mann?

NSU-Prozess: Juristischer Streit um Zeugenaussage

+
Died Hauptangeklagte Beate Zschäpe im NSU-Prozess in München.

München - Das Oberlandesgericht München hat am Mittwoch im NSU-Prozess die Vernehmung des ehemaligen Neonazi-Anführers Marcel D. nach juristischem Streit vorzeitig unterbrochen.

Dabei ging es um die Frage, ob der ehemalige Schatzmeister der rechtsextremen Organisation „Blood & Honour“ als Zeuge Aussagen über eine mutmaßliche Tätigkeit als V-Mann verweigern darf. Die Vernehmung von D. soll am 20. Juli fortgesetzt werden.

Bereits im vergangenen Jahr hatte D. im Zeugenstand behauptet, er sei nicht als Informant eines Geheimdienstes tätig gewesen. Ein V-Mann-Führer des Thüringer Verfassungsschutzes sagte dagegen, er selber habe D. als V-Mann geführt. Die Bundesanwaltschaft erstattete wegen Verdachts der Falschaussage Anzeige gegen D. bei der Staatsanwaltschaft München I.

Umstritten ist, ob D. bereits formell aus dem Zeugenstand entlassen worden war oder nicht. Sollte das der Fall sein, wäre die mutmaßliche Falschaussage für ihn nicht mehr zu korrigieren. Sollte er nicht entlassen sein, könnte er sie korrigieren und bliebe straffrei.

D. war einer der ranghöchsten Funktionäre von „Blood & Honour“. Diese Organisation wurde 2000 verboten. Mehrere Mitglieder hatten eingeräumt, dem 1998 abgetauchten NSU-Trio in ihren Wohnungen Zuflucht gewährt zu haben. Weitere Führungsleute von „Blood & Honour“ sollen außerdem Geld und Waffen für das Trio organisiert und eine Flucht der drei ins Ausland geplant haben. In den Folgejahren sollen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt zehn Menschen aus überwiegend rassistischen Motiven ermordet und zwei Sprengstoffanschläge verübt haben. Beate Zschäpe ist dafür als einzig überlebendes Mitglied des NSU angeklagt.

dpa

Meistgelesene Artikel

Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Washington - Proteste in aller Welt haben den ersten vollen Amtstag von Donald Trump begleitet. Er selbst ignoriert sie erst einmal - und feuert …
Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Im Wortlaut: Was Trump mit erhobener Faust sagte

Washington - In seiner Antrittsrede am Freitag hat der neue US-Präsident Donald Trump das amerikanische Volk in den Mittelpunkt gestellt. Hier Trumps …
Im Wortlaut: Was Trump mit erhobener Faust sagte

Anbiedern oder Attacke? Mexiko zittert vor Trump

Mexiko-Stadt - Donald Trump regiert, die ersten Aktionen könnten sich gegen Mexiko richten - kein Land hat er mehr attackiert. Dort schwillt bereits …
Anbiedern oder Attacke? Mexiko zittert vor Trump

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion