Fünfter Verhandlungstag

NSU-Prozess: Carsten S. gibt Waffenkauf zu

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Der Angeklagte Carsten S. (l.) hat angekündigt, vor Gericht auszusagen.

München - Heute wurde der NSU-Prozess fortgesetzt. Neonazi-Aussteiger Carsten S. hat ausgesagt. Er soll die mutmaßlichen Rechts-Terroristen Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe mit der Mordwaffe versorgt haben.

+++ AKTUALISIEREN+++

18.56 Uhr: Die Verhandlung wird für heute geschlossen! Am Mittwoch um 9.30 Uhr geht es weiter!

18.50 Uhr: Dass die Pistole für Morde benutzt werden könnte, habe er nie geglaubt, betonte der 33-Jährige. Er sei davon ausgegangen, dass damit „nichts Schlimmes passiert“, sagte er. „Ich hatte so ein positives Gefühl, was die drei anging, dass die in Ordnung wären, so in die Richtung“, sagte er mit Blick auf das mutmaßliche NSU-Terrortrio.

18.35 Uhr: Nun geht es um die Waffe, die S. für den NSU besorgt haben soll. Er sagt: "Es gab den Wunsch nach einer Handfeuerwaffe mit Munition, möglichst ein deutsches Fabrikat." Er habe allerdings nur ein osteuropäisches Modell mit Schalldämpfer besorgen können - und bekam dafür das Okay von Ralf Wohlleben. Der habe ihm auch das Geld für die Waffe gegeben.

18.29 Uhr: S. verrät seinen NSU-Spitznamen: Das Terror-Trio nannte ihn "Kleener". Die Angeklagten nehmen die Anschuldigungen gelassen bis gar nicht zur Kenntnis: Ralf Wohlleben hängt an seinem Laptop, Beate Zschäpe fixiert S. immer wieder, zeigt aber sonst keine Regung. 

18.20 Uhr: Carsten S. geht ins Detail : Bei dem Material handelte es sich um Ausweise und Akten. S. und Wohlleben vergruben die Ausweise hinter einer Fliegerscheune und verbrannten die Akten.

18.15 Uhr: Offenbar haben Aussteiger S. und Ralf Wohlleben Beweismaterial verschwinden lassen: S. sagt aus, dass sie SIM-Karten von Handys vernichtet hätten - und Beweismaterial aus Beate Zschäpes Wohnung verschwinden ließen.

18 Uhr: Carsten S. berichtet, wie er die Mitglieder der Zwickauer Terrorzelle kennenlernte - 1997 in der Wohnung von Beate Zschäpe. Außerdem belastet er Ralf Wohlleben: Der soll ihn gefragt haben, ob er "den Dreien" helfen könne - und ihm gezeigt haben, wie man über Telefonzellen Kontakt zu den Untergetauchten aufnehmen konnte.

17:15 Uhr: Kurze Pause

16:43 Uhr: Carsten S. schildert dem Gericht ausführlich seinen Werdegang: Geburt in Neu Dehli, Lehre zum Kfz-Lackierer, Studium zum Sozialpädagogen. S. erzählt offen über seine homosexuellen Gefühle, den ersten Begegenungen mit Rechten und dem Ausstieg aus der Szene. Mit 13 habe er bemerkt, dass er sich zu Jungen hingezogen fühlt. In einem Lehrlingswohnheim in Eisenach lernte er einen Rechtsradikalen kennen. So sei er auf der Suche nach Anerkennung in die Szene gekommen. Er nahm an Demos der NPD teil. Irgendwann habe er gemerkt, dass er da wieder raus müsse. S. ging nach Düsseldorf und engagierte sich ehrenamtlich. Zu den Anklagevorwürfen äußerte er sich bisher vor Gericht noch nicht, er hatte jedoch bereits im Ermittlungsverfahren umfangreiche Angaben gemacht. Er soll die Pistole der Marke „Ceska“ besorgt haben, mit der die Rechtsterroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet haben sollen. Die Anklage wirft ihm Beihilfe zum Mord vor.

15.50 Uhr. Es ist soweit: Carsten S. sagt aus.

S. soll dem NSU die Waffe vom Typ "Ceska" beschafft haben, mit der neun Opfer der Mordserie getötet wurden. Er hatte sich schon länger von der rechten Szene losgesagt und bei den Ermittlungsbehörden Angaben gemacht.

15.35 Uhr: Philipp Vetter twittert: Es sieht so aus, als würde die Vernehmung des Kronzeugen und Angeklagten Carsten S. gleich doch noch beginnen.

15.22 Uhr: Die Frage, die sich viele Prozessbeobachter stellen: Kommt es heute überhaupt noch zur Aussage von Carsten S.?

15.13 Uhr: Philipp Vetter - für den Münchner Merkur im Gerichtssaal - twittert: Familie des NSU-Opfers Yozgat aus Kassel fürchtet, Verfassungsschütze, der am Tatort war, könnte vor Aussage von Kollegen informiert werden.

15.10 Uhr: Das Gericht verfügt, dass Beobachter von Verfassungsschutz und Polizei nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.  Senat weist Anträge zurück, Beobachter von Behörden und dem BKA auszuschließen.

14.25 Uhr: Wieder Pause - Götzl will über den Antrag zum Ausschluss von behördlichen Prozessbeobachter beraten. Der Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe, Wolfgang Heer, beantragte, anhand der festgestellten Personalien der Besucher zu überprüfen, ob behördliche Beobachter im Saal seien.

14.24 Uhr: Richter Götzl reagiert laut Philipp Vetter auf den jüngsten Antrag pragmatisch und fragt: "Sind denn Beobachter dieser Behörden da?" Niemand meldet sich.

14.14 Uhr: Die Antragsflut geht weiter. Philipp Vetter schreibt auf Twitter: "Nebenklage fordert Beobachter von Polizei und Verfassungsschutz auszuschließen."

13.35 Uhr: Nach der Pause haben sich alle wieder im Gerichtssaal eingefunden. Alle warten gespannt darauf, ob Carsten S. heute noch vernommen wird.

13.25 Uhr: Das Interesse der Öffentlichkeit am Prozess schwindet. Nur mehr wenige Menschen stehen vor dem Haupteingangs des Oberlandesgerichts.

13.07 Uhr: In wenigen Minuten soll der NSU-Prozess weitergehen.

12.39 Uhr:  Nach der Mittagspause sollen die Beteiligten zunächst Gelegenheit zur Stellungnahme bekommen. Falls dann noch Zeit bleibt, könnten die Angeklagten aussagen. Sowohl Carsten S. als auch Holger G. signalisierten dem Gericht nochmals, dass sie Aussagen machen wollen.

12.17 Uhr: Der NSU-Prozess könnte durch den Antrag auf Einstellung erneut ins Stocken geraten.

11.45 Uhr: Mittagspause bis 13:10 Uhr.

11.45 Uhr: Im Antrag heißt es: „Aufgrund der gezielten, von den Strafverfolgungsbehörden selbst gesteuerten und betriebenen Vorverurteilung unserer Mandantin“ sei ein rechtsstaatlicher, fairer Prozess nicht mehr durchführbar. Es sei zu befürchten, dass Zeugen beeinflusst werden. Auch in den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen sei „eine manifeste Vorverurteilung“ vorgenommen worden.

11.39 Uhr: Die Verteidiger der Hauptangeklagten Beate Zschäpe haben eine Einstellung des Verfahrens wegen angeblicher Vorverurteilung gefordert. Zschäpe sei von Vertretern staatlicher Stellen unter anderem als „Mitglied einer Mörderbande“ bezeichnet worden, „ohne dass in den Äußerungen überhaupt zum Ausdruck kam, dass es sich um einen Tatverdacht handelt“, sagte Verteidigerin Anja Sturm am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München.

Bilder vom fünften Verhandlungstag

NSU-Prozess: Bilder vom fünften Verhandlungstag

10.45 Uhr: Beate Zschäpe trägt am fünften Verhandlungstag einen schwarzen Pullover, ein rotes Poloshirt und die Haare offen.  

10.30 Uhr: Philipp Vetter - für den Münchner Merkur im Gerichtssaal - twittert: Interesse am NSU-Prozess lässt bereits nach, nur wenige Wartende vor dem Gericht.

10.21 Uhr:  Der fünfte Prozesstag ist eröffnet. Vier Verhandlungstage fanden bereits im Mai statt.

10 Uhr: Mit Spannung wird am heutigen Prozesstag die Aussage von Carsten S. erwartet. Seine Anwälte haben bereits angekündigt, dass ihr Mandant Angaben machen will. Der 33-Jährige soll den untergetauchten Terroristen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ die Pistole der Marke „Ceska“ besorgt haben, mit der neun Geschäftsleute ausländischer Herkunft ermordet wurden. Er ist seit langem aus der Neonazi-Szene ausgestiegen und hatte im Ermittlungsverfahren umfangreich ausgesagt. 

Zentrale Fragen rund um das Verfahren

Der NSU-Prozess: Zentrale Fragen rund um das Verfahren

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