Wahlen in Indonesien

Dieses Nackt-Model will ins Parlament

+
Destiara Talita, deren Bilder in verschiedenen Herren-Magazinen erschienen, tritt bei den Wahlen am 09.04.2014 als Kandidatin für die Gerechtigkeits und Einheits Partei an.

Jakarta - Indonesien wählt. Nicht Parteien, sondern Gesichter zählen. Ins Parlament wollen eine Softporno-Darstellerin und ein Model für Männermagazine. Fürs Präsidentenamt populär: ein ehemaliger Möbelverkäufer.

Bisher hat Destiara Talita die Hüllen fallen lassen, um populär zu werden. Jetzt bastelt die Indonesierin (25) an einem Karrierewechsel: das Männermagazin-Model will ins Parlament. Am 9. April wählt das Land mit der größten muslimischen Bevölkerung der Welt. Vom Ruhm zu Regieren haben es vor dem Model schon andere Stars und Sternchen geschafft. Eine frühere Miss Indonesien zum Beispiel. Angelina Sondakh brachte es in der Regierungspartei zu Prominenz. Jetzt ist sie im Knast. Zwölf Jahre wegen Korruption.

Parteien mit klarem Profil, das steckt 16 Jahre nach dem Abgang von Diktator Suharto noch in den Kinderschuhen. Es geht in Indonesien mehr um Gesichter. „Die Regierungskoalition hat zum Beispiel mehr als ein Dutzend Parteien - wie sollen die Leute da große Unterschiede ausmachen?“ sagt Sandra Hamid, Leiterin des Jakarta-Büros der Asia-Stiftung aus San Francisco. „Die Leute sehnen sich nach etwas Neuem: Sie wollen neue Gesichter, einen neuen Regierungsstil, und endlich ein Ende der Korruption.“ Auf dem Korruptionsindex von Transparency International steht das Land auf Platz 114 von 177.

"Ich kämpfe für Gerechtigkeit"

Talita ist so ein neues Gesicht. „Leute meinen, ich hätte als Politikerin nichts zu bieten, weil ich für sexy Zeitschriften gemodelt habe“, sagt die junge Frau im engen Leopardenmusterrock und endlos hochhackigen Plateau-Schuhen. „Aber ich kämpfe für Gerechtigkeit, mehr Bildung für die Armen und mehr Macht für Frauen.“ Sie tritt für die kleine Gerechtigkeits- und Einigkeitspartei an.

Angel Lelga, bekannt aus billig produzierten Horrorfilmen, die Kritiker als Softporno abtun, will einen Sitz für die muslimische Vereinigte Entwicklungspartei holen. Sie trägt statt knappen Höschen jetzt Kopftuch. Bilder aus ihrem früheren Leben machen in sozialen Netzwerken die Runde. Ihre Strategie? „Smarte Leute können auch nicht unbedingt das Leben der einfachen Leute verbessern“, sagte sie in einem Fernsehinterview. „Wenn Du groß rauskommen willst, sind gar nicht viele Versprechungen nötig. Einfach schauspielern.“

Politikwissenschaftlerin Siti Zuhro findet das nicht gut. „Kandidaten sollten ein Mindestmaß an Kompetenz haben“, sagt sie, gar nicht direkt auf Lelga bezogen. „Promis zu nominieren wirft ein schlechtes Licht auf Parteien.“ Laut Gesetz müssen alle Parteien 30 Prozent Frauen nominieren. „Das zeigt doch nur, dass sie nicht in der Lage sind, kompetente und wählbare Politikerinnen heranzuziehen.“

Einer, der nicht mit sexy Fotos oder seiner Vergangenheit von sich reden macht, ist Joko Widodo. Er ist Gouverneur, das heißt Bürgermeister, der Hauptstadt Jakarta. Jokowi (51), wie ihn alle nennen, tritt erst im Juli an, zur Präsidentenwahl. Die Demokratische Partei des Kampfes, die ihn nominiert hat, profitiert aber mit einem Popularitätssprung. Sie dürfte nach Umfragen größte Partei werden.

Möbelverkäufer kommt als „einer aus dem Volk“

Widodo ist oft in Jakartas Slums unterwegs und fragt die Leute nach ihren Nöten. Er hat eine günstige Krankenversicherung eingeführt. Er hat in dem Verkehrsmoloch den Start des U-Bahnbaus betrieben. Er gilt als unbestechlich. Der ehemalige Möbelverkäufer kommt als „einer aus dem Volk“ an.

In dem größten Archipel der Welt mit 17 000 Inseln sind 189 der 250 Millionen Menschen wahlberechtigt. Präsident Susilo Bambang Yudhoyono darf nach zehn Amtsjahren nicht mehr antreten. 15 Parteien bewerben sich um 560 Sitze. Indonesien gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt (G20). Es hat viele Rohstoffe und wächst mit etwa sechs Prozent jährlich so dynamisch wie kaum ein anderes Land. Mit einer rasant wachsenden Mittelklasse wird es zum Wirtschaftskoloss. Die Unternehmensberatung McKinsey glaubt, dass das Land bis 2030 zu den sieben größten Volkswirtschaften der Welt zählt.

Es vertritt einen moderaten Islam. Nach Terroranschlägen auf Bali 2001 mit 201 Toten, darunter Dutzende australische Touristen, hat es die heimische Terrorszene durch hartes Durchgreifen ausgetrocknet.

dpa

Meistgelesene Artikel

Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Washington - Proteste in aller Welt haben den ersten vollen Amtstag von Donald Trump begleitet. Er selbst ignoriert sie erst einmal - und feuert …
Millionen protestieren gegen Trump - Präsident greift Medien an

Im Wortlaut: Was Trump mit erhobener Faust sagte

Washington - In seiner Antrittsrede am Freitag hat der neue US-Präsident Donald Trump das amerikanische Volk in den Mittelpunkt gestellt. Hier Trumps …
Im Wortlaut: Was Trump mit erhobener Faust sagte

Anbiedern oder Attacke? Mexiko zittert vor Trump

Mexiko-Stadt - Donald Trump regiert, die ersten Aktionen könnten sich gegen Mexiko richten - kein Land hat er mehr attackiert. Dort schwillt bereits …
Anbiedern oder Attacke? Mexiko zittert vor Trump

Kommentare