Festakt wird zum Desaster

Einheitsfeier in Dresden von Protesten überschattet

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Anhänger von Pegida beschimpften die anwesenden Politiker, wie Kanzlerin Angela Merkel.

Dresden - Zum Tag der deutschen Einheit kommen auch Kanzlerin Merkel und Bundespräsident Gauck nach Dresden. Der Empfang für Politiker und Gäste ist aggressiv - Pegida-Anhänger beschimpfen sie lautstark. Es fließen Tränen.

Nach dem Ende des Festgottesdienstes in der Dresdner Frauenkirche sind Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erneut von Pegida-Demonstranten beschimpft worden. Mehrere hundert Menschen hatten während des rund einstündigen Gottesdienstes zum Tag der deutschen Einheit bei Regenwetter vor der Kirche ausgeharrt. Das Gelände war weiträumig abgesperrt.

In Bussen und Staatskarossen machten sich die Gäste nach dem Gottesdienst auf den Weg in die Semperoper, wo am Mittag der offizielle Festakt zum Tag der Einheit gefeiert wird. Schon vor dem Gottesdienst waren die geladenen Gäste von Anhängern des islam- und fremdenfeindlichen Pegida-Bündnisses angepöbelt worden.

Demonstration war nicht angemeldet

Nach Angaben der Polizei war die Demonstration auf dem Dresdner Neumarkt nicht angemeldet. Sie werde mittlerweile als Versammlung gewertet, erklärte die Polizei. Eine solche Versammlung ist eigentlich am Tag der deutschen Einheit in der Innenstadt nicht zugelassen. Diese werde aber geduldet, da sie keine Auswirkung auf den Sicherheitsbereich oder das Protokoll habe, hieß es.

Zu den Demonstranten gehörte auch der Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann. Augenzeugen sprachen von einem Spießrutenlauf für die Gäste und Politiker, die auf dem Weg zu den Feierlichkeiten waren. Die Frau des sächsischen Wirtschaftsministers Martin Dulig (SPD) brach in Tränen aus, als sie durch die aufgebrachte Menge ging. Ein dunkelhäutiger Mann, der zum Gottesdienst wollte, wurde mit „Abschieben“-Rufen empfangen.

Rund 2600 Polizisten sichern die Feier ab

Die Feiern finden unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen statt. Mit rund 2600 Beamten sichert die Polizei die Veranstaltungen ab. „Um Zugang der Ehrengäste zu den Protokollveranstaltungen am Neumarkt zu gewährleisten, mussten Personen zurückgedrängt werden“, teilte die Polizei am Montag via Twitter mit.

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) als Bundesratspräsident empfing die hochrangigen Gäste am Morgen vor dem Verkehrsmuseum mitten in der historischen Altstadt, wo sie sich in das Goldene Buch der Stadt eintrugen. Anschließend gingen sie in die Frauenkirche, wo um 10.00 Uhr der Ökumenische Gottesdienst begann. Am Mittag steht dann der offizielle Festakt in der Semperoper an.

Pegida-Anhänger hatten bereits im Vorfeld angekündigt, während des Festes sicht- und hörbar sein. Zudem wollen sie am Nachmittag demonstrieren. Auch das mittlerweile mit ihnen verfeindete rechte Bündnis „Festung Europa“ will gegen die Flüchtlingspolitik protestieren.

Roth entsetzt über "brutalen Hass" bei Einheitsfeier in Dresden

Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth hat die fremden- und demokratiefeindlichen Proteste zum Tag der Deutschen Einheit in Dresden scharf verurteilt. "Dieser offen gezeigte, organisierte und brutale Hass machte vor keiner Obszönität mehr Halt, und es war nur ein kleiner Schritt bis hin zur physischen Gewalt", sagte die Grünen-Politikerin am Montag dem "Spiegel". "Heute in Dresden konnten alle sehen, dass wir ein echtes Demokratie-Problem in diesem Land haben. Es rächt sich nun, dass viele das jahrelang nicht wahrhaben wollten und immer wieder beschönigten."

Die Einheitsfeiern in der sächsischen Hauptstadt waren am Montag von pöbelnden Demonstranten überschattet worden, die unter anderem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beschimpften. Roth selbst geriet nach eigenen Angaben mit einer Gruppe aneinander, die der Grünen-Politikerin die "Vernichtung Deutschlands" vorwarf. Auch die antiislamische Pegida-Bewegung hatte in Dresden Proteste organisiert.

"In Teilen unseres Landes kippt gerade etwas weg", sagte Roth. "Wenn die Politik das nicht endlich begreift, dann müssen wir um unser friedliches Zusammenleben ernsthaft fürchten." Sie forderte "eine ernst gemeinte, dauerhaft finanzierte und massiv organisierte Demokratie-Offensive in Sachsen und an allen anderen Orten, an denen sich dieser Hass zeigt oder ankündigt. Es ist 5 vor 12", sagte Roth.

Bilder: Proteste und Tränen zur Einheitsfeier in Dresden

dpa

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