Rebellische Priester verweigern Gehorsam 

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Der Freiburger Erzbischof und Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch.

Freiburg - Katholische Priester verweigern ihrer Kirche den Gehorsam. Sie bringen damit Deutschlands obersten Bischof in Bedrängnis.

Die Rebellen in den eigenen Reihen finden großen Zuspruch - die Liste der Unterschriften wird täglich länger. Immer mehr Priester und Diakone aus der zweitgrößten Diözese Deutschlands unterstützen die „Freiburger Erklärung“. Sie fordern, dass wiederverheiratete Geschiedene in der katholischen Kirche nicht länger ausgeschlossen werden. Sie kratzen am Kirchenrecht und am Grundverständnis der katholischen Kirche. Der Konflikt ist brisant, er strahlt weit über die Grenzen der Erzdiözese Freiburg hinaus.

Es ist das erste Mal in Deutschland, dass eine aus aktiven Priestern bestehende Initiative gemeinsam und derart öffentlichkeitswirksam zum Ungehorsam aufruft - und innerhalb kurzer Zeit so viele Unterstützer findet. Ein Fünftel der Priester und Diakone im Erzbistum haben bereits unterschrieben.

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„Wir wollen einen jahrzehntelangen Stillstand beenden und wünschen uns Barmherzigkeit“, sagt der Freiburger Pfarrer Hansjörg Rasch. Sein Kollege Konrad Irslinger aus der Nachbargemeinde ergänzt: „Das Gebot der Nächstenliebe muss auch für jene gelten, die mit ihrer ersten Ehe gescheitert sind und es nun noch einmal versuchen.“

Rasch und Irslinger sind zwei von rund 200 Priestern und Diakonen, die in den vergangenen Tagen unterschrieben haben. Sie gewähren Mitgliedern ihrer Gemeinde das Abendmahl, auch wenn diese geschieden sind und erneut geheiratet haben. Das ist vielerorts Praxis und wird stillschweigend geduldet, nun aber rufen die Pfarrer erstmals offensiv dazu auf.

Rom hält an "unauflöslicher Ehe" fest

Laut Kirchenrecht dürfen geschiedene Wiederverheiratete keine Sakramente erhalten und keine kirchlichen Ämter - etwa im Pfarrgemeinderat - übernehmen. Viele Katholiken finden dies nicht mehr zeitgemäß. Doch Rom hält unbeirrt am Gebot der „unauflöslichen Ehe“ fest: Wer kirchlich heiratet, der bindet sich vor Gott. Die eheliche Treue soll ein Bild der unverbrüchlichen Treue Gottes zu den Menschen sein. Die Kirche beruft sich dabei auf Aussagen Jesu in der Bibel, zum Beispiel im Matthäus-Evangelium (19,6): „Was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“

Dem Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch kommt der öffentlich ausgetragene Streit ungelegen. Er ist Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und hatte das Thema im vergangenen Jahr selbst in einem Interview angesprochen. Dabei äußerte Zollitsch die Hoffnung, dass eine Änderung der Regeln in den nächsten Jahren möglich wird. Damit war er bei Bischofskollegen und im Vatikan auf Widerstand gestoßen, seither hat er sich Zurückhaltung auferlegt. Er will das Problem im Konsens lösen und eine Konfrontation vermeiden.

Kaum Aussichten auf Erfolg

Am Donnerstag (21. Juni) trifft sich Zollitsch mit der Initiative erstmals zum Gespräch. Dem Aufruf seiner Diözese an alle Geistlichen, nicht zu unterschreiben oder die Unterschrift wieder zurückzuziehen, ist bislang kaum jemand gefolgt. Disziplinarische Schritte gegen Priester und Diakone sind laut Bistum derzeit kein Thema.

Die Reformbewegung „Wir sind Kirche“ ruft die Bischöfe auf, den Freiburger Thesen zu folgen. Sie sieht die österreichische „Pfarrer- Initiative“ mit ihrem „Aufruf zum Ungehorsam“ ebenso als Vorbild an wie eine aus Priestern bestehende Aktionsgemeinschaft im Nachbarbistum Rottenburg-Stuttgart. Sie alle wollen Reformen und hoffen durch die „Freiburger Erklärung“ auf den Durchbruch. Alle bisherigen Versuche, die Regeln zu ändern, sind aber gescheitert.

dpa

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