Rote Rosen für Ahmadinedschad

+
Der erste Auftritt von Mahmud Ahmadinedschad im Libanon war eine perfekte Inszenierung.

Beirut/Istanbul - Der erste Auftritt von Mahmud Ahmadinedschad im Libanon war eine perfekte Inszenierung. Auch diejenigen Libanesen machten gute Miene zum bösen Spiel, die den Gast aus tiefster Seele hassen.

Rote Rosenblätter und weiße Reiskörner regnen an diesem warmen Herbsttag auf Mahmud Ahmadinedschad nieder, der aus seinem offenen Auto huldvoll in die Menge winkt. So eine überschwängliche Begrüßung hat es in Beirut zuletzt vor 13 Jahren für Papst Johannes Paul II. gegeben.

Ahmadinedschad, der als polternder Volkstribun meist authentischer wirkt als in der Rolle des weisen Staatsmannes, bringt zuerst den offiziellen Teil seiner Reise hinter sich. Im Präsidentenpalast oberhalb von Beirut unterzeichnet er mehrere Abkommen und schüttelt viele Hände. Er weiß, dass ein Großteil der Anwesenden ihn nicht ausstehen kann. Und er ahnt wohl auch, dass sie ihm nur die Hand schütteln, weil er den Kurs der Schiiten-Bewegung Hisbollah mitbestimmen kann, deren militärische Stärke größer ist als die der staatlichen libanesischen Armee.

Unter den Politikern, die den iranischen Präsidenten willkommen heißen, ist sogar Samir Geagea, der Vorsitzende der Christen-Partei Forces Libanaises. Geagea hatte noch wenige Stunden vor der Ankunft des religiösen Eiferers aus Teheran lauthals über dessen Finanz- und Waffenhilfe für die schiitische Hisbollah geschimpft: “Ahmadinedschad wäre im Libanon willkommen, wenn er als Präsident des Irans käme und nicht als Präsident von Teilen Libanons.“

Auch der sunnitische Ministerpräsident Saad Hariri ist erschienen, um den Gast aus Teheran zu begrüßen. Unglücklich starrt der Sohn eines Selfmade-Milliardärs vor sich hin, während ihn Ahmadinedschad lachend am Ärmel seines Anzugs zupft, um ihn zu einem gemeinsamen Foto zu bewegen. Doch Hariri entkommt der Umklammerung des iranischen Präsidenten nicht, der ihn zudem noch lobt als “Bewahrer der libanesischen Souveränität“. Später fährt Ahmadinedschad sogar in die Beiruter Innenstadt, um Blumen am Grab von Saad Hariris Vater Rafik Hariri niederzulegen - eine Geste der Versöhnung. Der frühere Regierungschef Rafik Hariri war 2005 durch einen Terroranschlag in Beirut ums Leben gekommen, an dessen Planung Verschwörer mit Beziehungen zu Teheran beteiligt gewesen sein sollen.

Hinter den Kulissen ist am Mittwoch von einem Kurswechsel der iranischen Politik die Rede. Angeblich hatten der syrische Präsident Baschar al-Assad und der saudische König Abdullah Ahmadinedschad vor seiner Reise davor gewarnt, die Spannungen zwischen der Hisbollah und dem pro-westlichen Lager von Hariri zusätzlich anzuheizen.

Deshalb schießt der iranische Präsident im Präsidentenpalast von Baabda nur einige Giftpfeile auf das benachbarte Israel ab. Die kämpferischen Posen und wütenden Hasstiraden spart er sich lieber für den inoffiziellen Teil der Reise auf. Dann will er in Begleitung der Hisbollah-Führung Dörfer und Stadtteile besuchen, die von Israel im Krieg 2006 zerstört und später mit iranischer Hilfe wieder aufgebaut wurden. Über die iranischen Raketen, mit denen sein Regime die Hisbollah damals wie heute versorgt, verliert der kleine Mann im grauen Zwirn dagegen kein Wort, so lange die bunten Ballons mit seinem Foto über Beirut schweben.

dpa

Meistgelesene Artikel

Altbundespräsident Roman Herzog gestorben

Berlin -  Seine „Ruck-Rede“ bleibt in Erinnerung. Unermüdlich forderte Roman Herzog die Bürger zu Reformen auf. Nun ist der Altbundespräsident im …
Altbundespräsident Roman Herzog gestorben

Künftiger Pentagon-Chef warnt Trump vor Putin

Washington - Was Donald Trump über Russland und die Nato gesagt hat, ließ in Europa Alarmglocken schrillen. Sein künftiger Verteidigungsminister …
Künftiger Pentagon-Chef warnt Trump vor Putin

Obamas Abschied: Liebeserklärung an Michelle

Chicago - Obama geht - mit emotionalen, aber eher stillen Tönen. Der scheidende Präsident erinnert seine Landsleute noch einmal an das, was ihm …
Obamas Abschied: Liebeserklärung an Michelle

Kommentare