Serbien und Kosovo wollen Streit beilegen

Belgrad/Pristina - Serbien und die Kosovo-Regierung unternehmen an diesem Freitag in Brüssel unter Vermittlung der EU einen neuen Anlauf zur Lösung ihrer Streitigkeiten.

Nach den neuen Gewaltausbrüchen Ende Juli soll versucht werden, den Handel zwischen den beiden Ländern wieder in Gang zu bringen. Belgrad und Pristina hatten sich gegenseitig mit einem Importverbot belegt.

Als zweiter Schritt soll über die Zukunft von Nordkosovo verhandelt werden, wo die Serben, die im ganzen Land nur noch zehn Prozent der Bevölkerung stellen, eine satte Mehrheit besitzen. Die albanisch dominierte Kosovo-Regierung will ihre Macht auch dort ausdehnen, die Serben sind strikt dagegen. Sie beharren auf ihren engen Beziehungen zur “Mutterrepublik“ Serbien.

Zunächst wollen sich beide Seiten auf das Aussehen der Kosovo-Zollstempel einigen. Die EU-Vermittler haben dafür einen Kompromiss vorgelegt, berichteten serbische Medien am Donnerstag in Belgrad. Danach soll auf ihnen lediglich “Kosovo-Zoll“ ohne Staatswappen oder Nationalfahne stehen. Serbien befürchtet, durch die Anerkennung von Zollstempeln mit der Aufschrift “Republik Kosovo“ seine frühere Provinz indirekt staatsrechtlich anzuerkennen.

Ende Juli waren zwei Grenzübergänge im Norden des Kosovos von der internationalen Schutztruppe KFOR übernommen und für den kommerziellen Warenverkehr gesperrt werden. Sowohl Serben als auch die Zentralregierung in Pristina beanspruchen die Kontrolle dieser Grenzposten. Einer von ihnen war von einer wütenden serbischen Menge niedergebrannt worden.

Die Verhandlungen in Brüssel erhalten zusätzliche Bedeutung durch die bevorstehende Entscheidung der EU-Kommission, Serbien eventuell den Status eines EU-Beitrittskandidaten zuzusprechen. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte erst im August bei einem Besuch Belgrads verlangt, vor einer weiteren Annäherung an die EU müsse Serbien seine “Parallelinstitutionen“ in Nordkosovo auflösen. Das hatte die serbische Staats- und Regierungsspitze glatt abgelehnt. Eher wolle man auf den EU-Kandidatenstatus verzichten, hatte es geheißen.

dpa

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