Silvio im Glück - Wahlcoup auf Italienisch

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Silvio Berlusconi in Siegerpose.

Rom - Tausendsassa? Silvio im Glück? Genialer Wahlkämpfer? Dem umstrittenen italienischen Regierungschef ist es einmal mehr gelungen, das Ruder bei den Regionalwahlen herumzureißen.

Trotz aller Berichte über private Skandale und der juristischen Geplänkel um Korruptionsaffären hat Silvio Berlusconi die Regionalwahlen überraschend gewonnen - vor allem auch dank des Triumphs seines ausländerfeindlich-populistischen Koalitionspartners Lega Nord. Nach zwei glanzlosen Regierungsjahren erklärte er den regionalen Urnengang schlichtweg zu einem nationalen Referendum über seine Person. Mit Erfolg, wie selbst die Speerspitze des Anti-Berlusconi-Lagers, die römische Tageszeitung “La Repubblica“ einräumte. Und welcher Regierungschef schafft das bei Zwischenwahlen?

Berlusconi: Kleiner Mann ganz groß

Silvio Berlusconi: Seine Affären und Skandale

Der “Sarkozy-Effekt“, von dem die Linke im Stiefelstaat geträumt hatte, blieb also aus. Der 73-jährige Milliardär und Medienmogul aus Mailand wurde nicht von frustrierten Italienern abgestraft, wie vor kurzem der französische Staatspräsident bei den Regionalwahlen. Wer unzufrieden oder politikmüde ist, weil sich “die da in Rom“ mehr mit sich als mit der Wirtschaftskrise und der sehr hohen Arbeitslosigkeit beschäftigen, der machte lieber einen Bogen um die Wahllokale. Nach einem schrecklichen Wahlkampf sei es fast zu bewundern, dass noch so viele wählen gegangen seien, meinte die Turiner “La Stampa“ ironisch.

Berlusconi kann nicht nur deshalb weiter auf der Erfolgswelle schwimmen, weil er - anders als Nicolas Sarkozy mit Blick auf Jean- Marie Le Pen - die jetzt noch gestärkte rechte Flanke als wichtigen Partner in der Regierungskoalition sitzen hat. Die linke Opposition macht es ihm auch leicht, ist zerstritten, bleibt beim purem Anti- Berlusconi-Kurs stehen, ohne sich als überzeugende Alternative anbieten zu können.

Von ihren elf Regionen, in denen es zur Wahl ging, muss die Linke nun vier an das rechte Lager abtreten. Der Rechtsausleger Lega Nord von Umberto Bossi holt mit Spitzenergebnissen Venetien und Piemont, und nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen knöpft Berlusconi den Gegnern auch die Schlüsselregion Latium um die Hauptstadt ab, obwohl seine Partei “Volk der Freiheit“ (PdL) dort gegen Pannen bei den Wahllisten ankämpfen musste - linke Katerstimmung, rechter Jubel rund um Rom.

Also alles in Butter für den Cavaliere, den Magier? “Ich habe in das Spiel eingegriffen, und das ist mein Sieg“, so verbuchte Berlusconi das überraschende Wahlergebnis sofort für sich. Der Erfolg der norditalienischen Lega - alles in allem 12,7 Prozent - könnte dieses “Referendum“ jedoch auch zu einem Pyrrhus-Sieg machen, wenn Bossis Mannen den Medienzar belagern und nach mehr Macht rufen. Lega- Leader Bossi gab sich zunächst zurückhaltend: “Wir werden die Gleichgewichte in der Regierung nicht verändern - es ist die Linke, die k.o. gegangen ist.“ Bitter nötige Reformen wollen sie in den nächsten drei Jahren bis zur nächsten Parlamentswahl anpacken.

Millionen gingen diesmal nicht wählen, und das in einem Land mit traditionell hoher Beteiligung. Die regionale Abstimmung hat so einen weiteren Verlierer hervorgebracht - die Demokratie. Riesig erscheint die Kluft zwischen den Wählern und der Politik. Lichtjahre entfernt von den Belangen der wirtschaftlich gebeutelten Italiener hatte sich der Wahlkampf ganz auf Berlusconi und noch auf ein paar kuriose Nebenkriegsschauplätze konzentriert. Der Regierungschef steht jetzt vor der Aufgabe, Italien auf Vordermann zu bringen und sein Bündnis mit Bossi auf der einen Seite und Parlamentspräsident Gianfranco Fini auf der anderen zusammenzuhalten. Das gleicht einer Sisyphus-Arbeit.

dpa

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