Am Sonntag endet der Erste Weltkrieg

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Französische Soldaten klettern 1916 während der Schlacht um die ostfranzösische Stadt Verdun zu einem Angriff aus ihren Schützengräben. Am kommenden Sonntag zahlt Deutschland die letzten Schulden aus den Kriegsentschädigungen.

Berlin - Am kommenden Sonntag ist der Erste Weltkrieg für Deutschland offiziell beendet. Dann werden die letzten Schulden aus den Kriegsentschädigungen getilgt.

Wie allgemein bekannt, tobte der Erste Weltkrieg von 1914 bis 1918. Fast hundert Jahre danach belegt ein kleiner Posten im Bundeshaushalt, dass Deutschland noch immer die finanziellen Folgen zu tragen hat. Die letzte Rate der Kriegsentschädigungen - sogenannte Reparationsverpflichtungen - in Höhe von 69,9 Millionen Euro steht im Bundeshaushalt 2010 unter Punkt 2.1.1.6 - „Bereinigte Auslandsschulden (Londoner Schuldenabkommen)“. Diese wird am kommenden Sonntag, 3. Oktober, getilgt.

65 Millionen Soldaten - davon 11 Millionen Deutsche - kämpften von 1914 bis 1918 vor allem auf den Schlachtfeldern in Europa. Städtenamen wie Verdun wurden Symbole sinnlosen Gemetzels. Etwa 8,5 Millionen Menschen starben.

In den im Pariser Vorort Versailles im Jahr 1919 unterzeichneten Friedensverträgen (sogenannter "Versailler Vertrag") wurde dem Deutschen Reich die alleinige Kriegsschuld zugeschrieben. Rund 130 Milliarden Goldmark Entschädigung forderten unter anderem Amerikaner, Briten und Franzosen. 92 Jahre nach Kriegsende wird dieses Kapitel, zumindest finanziell, abgeschlossen - wenn das zuständige Bundesamt für zentrale Dienste und offene Vermögensfragen die letzten Ansprüche beglichen hat.

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Um nach 1918 die Reparationskosten zahlen zu können, gewährten die Alliierten nach der Hyperinflation 1923 Deutschland mehrfach hohe Anleihen, etwa 1924 im Rahmen des Dawes-Plan zu 7 Prozent Zinsen und 1930 als Young-Anleihe zu 5,5 Prozent Zinsen. Mit dem frischen Geld sollte auch die Wirtschaft wieder angekurbelt werden. Die Anleihen sind der Grund, warum Deutschland immer noch zahlt.

Die von 1933 bis 1945 herrschenden Nazis waren nicht bereit, den Alliierten ihr Geld zurückzuzahlen. Der Schuldenberg wuchs. Nach dem Zweiten Weltkrieg musste eine neue Regelung auch für die Schulden aus den Anleihen gefunden werden. Zumal sich von 1945 bis 1952 im darnieder liegenden Deutschland große Zinsrückstände bei den Anleihen anhäuften, allein bei der Young-Anleihe 175,8 Millionen Mark.

Die Gesamtverbindlichkeiten Deutschlands - vor allem die Kosten für den Zweiten Weltkrieg - wurden von den Alliierten im Londoner Schuldenabkommen 1953 mit rund 14 Milliarden D-Mark festgestellt und bis 1988 bei Briten, Franzosen und Amerikanern getilgt.

"Es bestehen keine offenen, verbrieften Forderungen aus dem Zweiten Weltkrieg gegenüber der Bundesrepublik Deutschland mehr", betont Jörg Müller von der Deutschen Finanzagentur, die von Frankfurt/Main aus die Schulden verwaltet.

Die letzten Reparationsforderungen der Sowjetunion an die DDR wurden 1990 im "2+4-Vertrag" abschließend geregelt.

Übrig blieben nur die Zinsrückstände von 1945 bis 1952, die wiederum eine Altlast von Versailles sind: Mit dem 3. Oktober 1990 kam nicht nur die Einheit, sondern für die Finanzbeamten gemäß dem Londoner Schuldenabkommen auch die Verpflichtung, diese Rückstände zurückzuzahlen.

Wenn die letzte Rate am kommenden Sonntag gezahlt wird, ist es ein Schlussstrich für Deutschland: Dann werden alle bekannten finanziellen Forderungen der Alliierten aus den beiden Weltkriegen beglichen sein.

dpa

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