Sparkassen-Filialleiter sagt aus

Spähte Zschäpe Bank vor Überfall aus?

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Beate Zschäpe.

München  - Wenige Stunden, bevor Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in ihrem Wohnmobil starben, beging das NSU-Trio einen Banküberfall. Der Filialleiter der Sparkasse sagte nun im NSU-Prozess aus.

Die Szene, die der 71-jährige Rentner als Zeuge im NSU-Prozess schilderte, klingt ein bisschen nach Robin Hood. Er wollte am Automaten Geld ziehen, sagte er am Dienstag vor dem Oberlandesgericht München. Da stürmten zwei maskierte Männer an ihm vorbei in die Sparkassenfiliale in Eisenach Nord und riefen „Banküberfall!“. Der eine habe ihn am Arm in den Schalterraum gezerrt. Dort habe er sich auf den Boden kauern müssen. Gleich darauf sei der Räuber noch einmal auf ihn zugekommen. „Da hat er mir das Geld gebracht, was da schon im Automaten steckte.“

"Er hat nur gesagt: 'Geld her!'"

Die Täter - das waren nach Überzeugung der Bundesanwaltschaft Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt. Der Überfall am 4. November 2011 war die letzte Tat, die die beiden kurz vor ihrem gewaltsamen Tod verübten. Dabei gingen sie kaltblütig und brutal vor. Der Filialleiter, ein junger Mann von damals 29 Jahren, erinnerte sich vor Gericht: „Der eine, der auf mich zugelaufen ist, hatte einen Revolver. Der andere jagte meine Kollegin um einen Tisch. Ich meine, mich zu erinnern, dass er zwei Waffen in den Händen hielt.“ Eine weitere Kollegin, die am Dienstag ebenfalls als Zeugin aussagte, habe sich da schon in einem Zimmer eingeschlossen, in dem sich eine Notkasse befand.

Ihr Chef habe dann von draußen durch die Tür gerufen, sie möge sofort öffnen. Das habe sie getan. „Da standen er und einer der Maskierten mir gegenüber, und er hat dann nur gesagt: Geld her!“

Zunächst hätten sie ihm den Inhalt der Notkasse gegeben, etwa 5000 bis 10 000 Euro. Die Täter hätten aber mehr verlangt. Das sei nicht möglich, habe der Filialleiter geantwortet, weil die Kasse zeitgesteuert sei. Einer der beiden sei wütend geworden und habe ihm den Pistolenlauf über den Kopf geschlagen.

Da habe dann eine der Kolleginnen entschieden: „Es reicht! Wir gehen in den Tresor.“ Einer der Täter sei mitgegangen, habe den gesamten Vorrat an Geldscheinen erhalten und in eine Plastiktüte gesteckt, „aber er hat es fallen lassen“, so der Filialleiter. Seine Kolleginnen seien „auf dem Boden herumgekrabbelt“ und hätten die Scheine eingesammelt.

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Minuten später sah ein Zeuge die beiden nur wenige hundert Meter entfernt. „Ich hatte gegen 9.25 Uhr meine Wohnung verlassen mit dem Ziel, im Lidl-Markt einzukaufen“, berichtete der inzwischen 79 Jahre alte Mann dem Gericht. Er wisse das so genau, weil er an diesem Morgen ein Fußballspiel im Fernsehen gesehen habe. Auf dem Parkplatz sei ihm ein Wohnmobil aufgefallen, dass ihm gut gefallen habe, „so dass ich da öfter hingeguckt habe“.

Dann seien ihm zwei Radfahrer entgegengekommen. „Die kamen förmlich angeflogen und fuhren in Richtung Wohnmobil“. Der eine habe sich gleich ans Steuer gesetzt, der andere die Fahrräder hinten eingeladen. Dann seien sie „so schnell angefahren, dass die Vorderräder durchgedreht sind“. Gleich darauf seien Polizisten in einem Funkwagen gekommen und hätten Passanten nach Radfahrern gefragt. Er habe sich sofort gemeldet und mitgeteilt, dass er auch das Kennzeichen sah. Der erste Buchstabe sei ein V gewesen, für den Vogtlandkreis.

Es war die letzte Fahrt von Mundlos und Böhnhardt. Wenig später und nur wenige Kilometer entfernt schossen sie aus dem Wohnmobil auf Polizisten. Dann ging das Fahrzeug in Flammen auf. Beide Männer starben. Erst danach stellte sich heraus, dass sie die Serie der fremdenfeindlichen neun „Ceska-Morde“ und den Mord an der Heilbronner Polizistin Michèle Keisewetter begangen haben sollen. An diesem Mittwoch will das Gericht Polizisten und Sachverständige befragen, die die beiden toten Terroristen fanden und den Fundort untersuchten.

dpa

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