So viele wie noch nie

Über 9000 Steuersünder zeigen sich selbst an

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Zwei Schilder mit der Aufschrift Finanzamt und Polizei, aufgenommen in Miesbach (Bayern)

Berlin - Der Fall Hoeneß ist kein Einzelfall: Im ersten Halbjahr 2013 gab es so viele Selbstanzeigen mutmaßlicher Steuersünder wie noch nie. Dabei tun sich zwischen Ost und West ziemliche Unterschiede auf.

Im ersten Halbjahr 2013 haben sich in Deutschland so viele mutmaßliche Steuersünder selbst angezeigt wie noch nie zuvor. Nach einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur (dpa) gingen bei den Finanzbehörden bis Ende Juni bundesweit mehr als 9000 Anzeigen ein.

Im gesamten Vorjahr waren es etwa 11 800 Fälle. Bei einer Selbstanzeige besteht die Möglichkeit, straffrei auszugehen. Allerdings müssen Steuersünder dafür komplett reinen Tisch machen.

Hoeneß als "Vorbild"?

Allein in Baden-Württemberg offenbarten sich nach Auskunft des dortigen Finanzministeriums zwischen Januar und Juni etwa 2360 mutmaßliche Betrüger, die ihre Steuern nicht ordentlich gezahlt hatten.In Bayern waren es 1179. Prominentester Fall ist der Präsident des FC Bayern München, Uli Hoeneß. Der Ex-Fußballer hatte sich im Januar angezeigt, um Vermögen von einem Schweizer Konto nachzuversteuern. Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft laufen noch.

Der Fall Hoeneß dürfte nach Ansicht vieler Experten dazu beigetragen haben, dass die Zahl der Selbstanzeigen deutlich in die Höhe ging. Als weitere Gründe werden vor allem das Scheitern des Steuerabkommens mit der Schweiz Ende vergangenen Jahres sowie der Ankauf sogenannter Steuer-CDs mit den Daten von mutmaßlichen Betrügern aus dem Ausland genannt.

Fiskus profitiert enorm von Selbstanzeigen

Nach der dpa-Umfrage bei den Finanzministerien aller 16 Bundesländer bezichtigten sich von Januar bis Ende Juni nach neuesten Zahlen mindestens 9186 mutmaßliche Betrüger bei den Behörden selbst. 2012 gab es nach einer inoffiziellen Statistik bundesweit insgesamt 11 824 solche Anzeigen. Endgültige Zahlen für das gesamte Bundesgebiet liegen noch nicht vor. Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums befindet sich eine einheitliche Statistik noch im Aufbau.

Zwischen den 16 Ländern tun sich dabei ziemliche Unterschiede auf. An der Spitze liegt Baden-Württemberg, wo etwa 2360 mutmaßliche Betrüger den Versuch unternahmen, sich ehrlich zu machen. Auf den Plätzen folgen Nordrhein-Westfalen (1528) und Bayern (1179). Im Osten sieht es anders aus. Zum Vergleich: In Sachsen-Anhalt gab es ganze drei Anzeigen, in Mecklenburg-Vorpommern sieben. Man sieht, dass das Vermögen in Deutschland immer noch sehr ungleichmäßig verteilt ist.

Die Selbstanzeigen werden dem Staat vermutlich viele hundert Millionen Euro in die Kassen bringen. Nach Angaben von NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) kamen durch die Auswertung von Steuer-CDs und Selbstanzeigen bundesweit bereits rund drei Milliarden Euro zusammen. Die Linkspartei kritisierte: „Die aktuelle Selbstanzeigenwelle zeigt, dass die Bundesregierung das Ausmaß der Steuerhinterziehung dramatisch unterschätzt.“

dpa

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