Süddeutsche Schüler sind Sieger im Sprachtest

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Den Bundesländern fehlen qualifizierte Lehrer in modernen Fremdsprachen.

Berlin - Bayern und Baden-Württemberg sind Sieger in einem bundesweiten Leistungsvergleich von Schülern in Deutsch und Englisch.

Eine von der Kultusministerkonferenz (KMK) am Mittwoch in Berlin vorgestellte Studie zur Kompetenz von Neuntklässlern im Sprachunterricht ergab zudem, dass nach wie vor die soziale Herkunft von Kindern für den schulischen Erfolg entscheidend ist.

Bildungsministerin Annette Schavan bewertete die großen Unterschiede zwischen den Ländern kritisch. Pädagogen warfen der Politik Versagen vor. Grundlage für die Ländervergleiche sind die nationalen Bildungsstandards. Deren Einführung beschloss die KMK im Mai 2002 als Antwort auf das schlechte Abschneiden deutscher Schüler in internationalen Leistungstests.

Der Studie zufolge gibt es ein deutliches Nord-Südgefälle. Die Abstände zwischen den Ländern entsprechen demnach einem Unterschied von durchschnittlich einem Schuljahr. Hinzu komme auch ein West-Ost-Gefälle. “Die West-Ost-Unterschiede manifestieren sich vor allem darin, dass die neuen Länder im Hörverstehen die hinteren fünf Plätze belegen“, sagte Olaf Köller vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), das von der KMK mit der Erstellung des Ländervergleichs beauftragt wurde.

Qualifizierte Lehrer fehlen

Es fehle in den neuen Bundesländern nach wie vor an qualifizierten Lehrern in modernen Fremdsprachen. Die soziale Ungleichheit ist der Studie zufolge in den Ländern am höchsten, in denen anteilsmäßig weniger Kinder einen Gymnasialabschluss schaffen. Es sei demnach für ein Arbeiterkind in Berlin weit einfacher ein Gymnasium zu besuchen als in Bayern, sagte Köller. In Bayern sei die Chance eines Kindes aus einem privilegierten Haushalt sechsmal höher. Schüler mit Migrationshintergrund blieben gut zwei Schuljahre hinter denen aus deutschen Familien zurück. Besonders Kinder türkischer Familien seien betroffen, erklärte Köller.

Schavan kritisiert Strukturdebatten der Verliererländer

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer sagte, das gute Abschneiden Bayerns erkläre sich durch das differenzierte Bildungsangebot. “Wir werden unsere Bildungspolitik weiter strikt an der individuellen Leistungsfähigkeit ausrichten und alles dafür tun, die Talente unserer Kinder unabhängig von ihrer sozialer Herkunft bestmöglich zu fördern“, sagte der CSU-Vorsitzende. Auch Schavan lobte die südlichen Bundesländer, wie aus einem Bericht der “Rheinischen Post“ (Donnerstagausgabe) hervorgeht.

Die Testsieger investierten kontinuierlich in Unterrichtsqualität und Lehrerausbildung. Die stellvertretende CDU-Vorsitzende kritisierte: “Andere Länder führen stattdessen Strukturdebatten, die zwar mehr Unruhe, nicht aber mehr Qualität ins Schulsystem bringen.“ Die rheinland-pfälzische Bildungsministerin Doris Ahnen (SPD) sagte: “Große Herausforderung bleibt: Leistungsfähigkeit und soziale Gerechtigkeit in Einklang zu bringen“. Die soziale Herkunft eines Kindes bestimme immer noch erheblich seine Chancen, Sprachen zu lernen. 

Pädagogen bemängeln Tatenlosigkeit der Politik

Das Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Marianne Demmer, sagte: “Fast zehn Jahre nach Pisa gibt es keine substanziellen Verbesserungen des deutschen Schulsystems.“ Die Schulen würden zwar ständig mit Leistungsvergleichen überzogen. Aus den Testergebnissen würden jedoch keine Konsequenzen gezogen: “Es mangelt an Personal und Mitteln für die individuelle Förderung“. Der Leiter des Bereichs Bildung beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB), Matthias Anbuhl, bestätigte: “Gute Bildung bleibt ein vererbtes Privileg der höheren Schichten.“ Das Vorstandsmitglied der Linken, Nele Hirsch, erklärte, die Chancenungleichheit sei durch die Reformen der letzten Jahre sogar noch verschärft worden.

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