"Suppe mitauslöffeln" - Reiche wollen zahlen

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Viel Kritik gibt es an dem Sparpaket der Kanzlerin.

Berlin - Das Sparpaket finden selbst Spitzenverdiener ungerecht. Sie alle könnten mehr Steuern zahlen und einige von ihnen wollen das auch - sagen sie.

Die öffentliche Meinung hat den Kurs vorgegeben, jetzt reiten selbst Superreiche auf der Welle des Volkszorns mit. Immer mehr Vermögende kritisieren das Sparpaket der Bundesregierung als unsozial und wollen ihren Teil zur Sanierung des Staatshaushaltes beitragen. So fordert der Hamburger Reeder und Millionär Peter Krämer, die Vermögenssteuer wieder einzuführen - allerdings nur für Privatvermögen.

Sozialer Frieden wichtig

Statt die Ärmsten noch stärker zu belasten, sollte der Staat lieber die Reichen zur Kasse bitten. Denn diese schauen bekanntlich weniger auf den Preis, sagt Krämer: “Ich kaufe das, was nötig ist.“ Grund für die Kritik am Sparpaket ist aber nicht nur das Herz der Gerechten, das viele Reiche dieser Tage in ihrer Brust spüren. Vielmehr fürchten sie um den sozialen Frieden in Deutschland, von dem auch sie profitieren. Der Reeder aus Hamburg sagt: “Ich will keine Vorstadtbrände wie in Frankreich haben.“ Die Autos der Vermögenden würden wohl als erstes in Flammen aufgehen.

SAP-Mitbegründer und Milliardär Dietmar Hopp sprach sich als einer der ersten Reichen für einen höheren Spitzensteuersatz aus. Es dürften nicht nur Sozialleistungen gekürzt werden, sagt er. Auch Sänger Marius Müller-Westernhagen hat sich in die Reihe derer eingereiht, die das Sparpaket als ungerecht kritisieren. Und sein Sängerkollege Herbert Grönemeyer sagte dem Nachrichtenmagazin “Spiegel“: “Wenn man Gemeinschaft möchte, müssen diejenigen, die leichter viel Geld verdienen, auch leichter mehr Geld abgeben.“

Christian Dreger, Konjunkturchef des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, hält die Zahlwilligkeit der Reichen für wenig glaubwürdig. Den meisten gehe es wohl eher um Öffentlichkeitswirkung als um Gerechtigkeit. “Wenn sie unbedingt einen größeren Beitrag leisten wollen, können sie auch spenden.“ Dreger bezweifelt, dass die Prominenten mit ihren Forderungen großen Druck auf die Bundesregierung ausüben können. Obwohl er ihre Kritik grundsätzlich nachvollziehen kann: “In vielen Bereichen in den oberen Segmenten hat Deutschland durchaus Nachholbedarf in der Besteuerung.“

"Suppe mitauslöffeln"

Bei einer deftigen Steuererhöhung für Besserverdienende befürchtet er allerdings viele Steuerflüchtlinge. Mehr zahlen möchte auch Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Ihm schwebe ein Solidarzuschlag vor, berichtet die “Süddeutsche Zeitung“. Er rudert allerdings sogleich zurück und spricht von einer zeitlich befristeten Zahlung, die der Ausnahmesituation der Krise gerecht werde.

Auch Schauspieler Joachim Fuchsberger will seine Verantwortung wahrnehmen. “Ich bin bereit, meinen Beitrag zu leisten beim Auslöffeln der Suppe, die wir uns alle eingebrockt haben“, sagt er im Magazin “Stern“. Darin meldet sich auch der Chef des Motorenöl- Herstellers Liqui Moly, Ernst Prost, zu Wort: “Mir ist das ein Rätsel, warum die Politik Leute vor einer höheren Belastung verschonen will, die gar nicht verschont werden wollen.“

Das Sparpaket widerspricht dem Gerechtigkeitsempfinden vieler Vermögender, wie der Direktor des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung, Gustav Horn, sagt. Doch auch wenn viele jetzt ihre Gebermentalität bekunden: Würden ihre Forderungen tatsächlich erfüllt werden, rechnet der Wirtschaftswissenschaftler mit Protesten der Reichen. “Überall dort, wo gespart wird, wird auch geschrien.“ Egal, ob arm oder reich.

Christine Cornelius

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