Syrien: Granaten nahe türkischer Grenze

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Syrische Proteste in Homs

Kairo/Damaskus - Das syrische Regime geht weiter mit aller Gewalt gegen Oppositionelle vor. Am Samstag starben mindestens acht Menschen, als syrische Truppen die Protesthochburg Homs angriffen.

In der Luft kreisten Militärhubschrauber, am Boden wurden Granaten und Panzer eingesetzt. Das Haus eines Lehrers wurde komplett zerstört, die Familie des Mannes getötet, wie Aktivisten berichteten. Homs, die zweitgrößte Stadt Syriens, ist ein Zentrum der seit März andauernden Proteste gegen das Regime von Präsident Baschar al-Assad.

Im Grenzgebiet zur Türkei schlug eine syrische Granate nahe einem türkischen Grenzposten ein, wie der Nachrichtensender Al-Dschasira berichtete. Insgesamt habe Syrien fünf Granaten in der Grenzregion abgefeuert. Über Opfer dort wurde zunächst nichts bekannt. In der Küstenstadt Latakia starb ein 27-Jähriger an den Verletzungen, die er wenige Tage zuvor erlitten hatte, wie Dissidenten berichteten.

Für einen Teil der Hafenstadt hätten die Sicherheitskräfte eine Ausgangssperre verhängt. Mehrere Begräbnisse von am Freitag Getöteten entwickelten sich trotz eines massiven Aufgebots von Sicherheitskräften zu größeren Demonstrationen für mehr Menschenrechte und Demokratie.

Ins Visier der Staatsgewalt gerieten insbesondere Trauerfeiern in Rhaiba und Harasta, zwei Vorstädte der Hauptstadt Damaskus, sowie in der zentralsyrischen Protesthochburg Hama. Das Dorf Mohassan in Deir al-Zor im Nordosten Syriens sei von Panzerfahrzeugen eingekreist, berichteten Dissidenten. Zwölf Soldaten seien hingerichtet worden, weil sie sich geweigert hätten, auf Demonstranten zu schießen. Die Angaben ließen sich nicht überprüfen, weil Syrien eine unabhängige journalistische Arbeit nicht zulässt.

Allein am Freitag waren nach Angaben von Aktivisten landesweit 40 Menschen von den Sicherheitskräften getötet worden. Mindestens 1860 Zivilisten und 422 Sicherheitskräfte seien seit Beginn der Proteste ums Leben gekommen, teilte die Menschenrechtsorganisation Syrian Observatory for Human Rights in London mit.

In Damaskus, wo es bislang weniger Proteste als in anderen Landesteilen gegeben hat, waren die Sicherheitskräfte am Freitag in Alarmbereitschaft. In einigen Vierteln standen sie nach Angaben von Augenzeugen mit Knüppeln vor den Moscheen.

Die UN-Vetomacht Russland hatte am Freitag jüngste Rücktrittsforderungen der internationalen Gemeinschaft an Assad als “verfrüht“ zurückgewiesen. Der Führung in Damaskus müsse mehr Zeit für Reformen gegeben werden, sagte ein Mitarbeiter des Außenministeriums in Moskau nach Angaben der Agentur Interfax. Er lobte Assads Erklärung vom Vortag, dass die Operationen von Polizei und Militär eingestellt worden seien, als “sehr wichtige Verbesserung der Lage“.

Die USA, Deutschland, Frankreich und Großbritannien hatten Assad zum Rücktritt aufgefordert und wollen UN-Sanktionen gegen Syrien im Weltsicherheitsrat durchsetzen.

dpa

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