Syrien: Sicherheitskräfte schießen auf Trauerzüge - sechs Tote

Beirut - Syrische Sicherheitskräfte haben am Samstag offenbar das Feuer auf Trauerzüge eröffnet und dabei mindestens sechs Menschen getötet.

Mehrere zehntausend Menschen sollen Augenzeugen zufolge an den Begräbnisprozessionen für die 76 am Vortag von Sicherheitskräften getöteten Menschen teilgenommen und dabei Anti-Regierungsparolen skandiert haben. Den Berichten zufolge wurden vier Menschen in Duma, einem Vorort der Hauptstadt Damaskus, und zwei in der Ortschaft Israa im Süden des Landes getötet.

Die Sicherheitskräfte hätten ihnen den Weg zum Friedhof versperrt, sagte ein Augenzeuge in Duma. Das Trauergeleit habe 50.000 Menschen umfasst, er sei einer von ihnen gewesen. In Israa, einer der Orte, an denen am Freitag am meisten Blut floss, kamen den Berichten zufolge 5.000 Menschen zu einem Trauerzug zusammen.

Unter den Opfern sollen laut Amnesty International auch zwei Jungen im Alter von sieben und zehn Jahren und ein 70 Jahre alter Mann sein. Die höchste Opferzahl sei in der Stadt Homs mit 19 Getöteten zu verzeichnen, im Dorf Israa seien 18 Menschen erschossen worden.

Aus unabhängigen Quellen konnten die Augenzeugenberichte zunächst nicht bestätigt werden, da die syrische Regierung Journalisten ausgewiesen und den Zugang zu Unruhegebieten stark eingeschränkt hat. Am Vortag hatten Sicherheitskräfte landesweit mindestens 76 Menschen bei Protesten getötet, wie sechs syrische Menschenrechtsorganisationen berichteten.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon, US-Präsident Barack Obama und der britische Außenminister William Hague verurteilten das Vorgehen der Sicherheitskräfte bei den Demonstrationen am Freitag aufs Schärfste. Diese hatten Tränengas und scharfe Munition gegen die Regierungsgegner eingesetzt.

Die Menschenrechtsorganisationen, darunter die Nationale Organisation für Menschenrechte in Syrien, forderten die Regierung am Samstag auf, einen Ermittlungsausschuss der Justiz einzusetzen, um die für die Schüsse Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Außerdem müssten alle politischen Gefangenen freigelassen werden.

Seit Beginn der Unruhen sind rund 300 Menschen ums Leben gekommen.

dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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