Syrische Regierung kündigt Reformen an - Wieder Tote in Daraa

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Demonstranten in Damaskus.

Damaskus - Armee und Polizei gehen in Syrien weiter mit aller Härte gegen die Protestbewegung vor, die Regierung versucht es derweil mit neuen Reformversprechen. Die Opposition zeigt sich von beiden Versuchen wenig beeindruckt.

Mit neuen Reformversprechen hat die syrische Regierung am Wochenende versucht, die Protestbewegung zum Einlenken zu bewegen. Doch das brutale Vorgehen der Sicherheitskräfte steigerte die Wut der Demonstranten. Nach Angaben der Organisation syrischer Menschenrechtsbeobachter wurden seit Beginn der Protestwelle am 18. März 545 Zivilisten getötet. Am Wochenende kündigte die Regierung in Damaskus einen “umfassenden Plan für Reformen“ an. Dabei solle es in den kommenden Wochen ebenso um politische, juristische und wirtschaftliche Reformen gehen wie um Änderungen im Sicherheitsapparat, teilte Ministerpräsident Adel Safar am Samstag mit.

Noch kurz zuvor war das Regime von Präsident Baschar al-Assad brutal gegen die Opposition vorgegangen. Allein am Freitag sollen 70 Demonstranten, die für mehr Demokratie und gegen Assad protestiert hatten, getötet worden sein. Die Organisation syrischer Menschenrechtsbeobachter sprach von insgesamt 545 getöteten Zivilisten und 86 Toten auf Seiten der Sicherheitskräfte seit dem Protestbeginn. Bewohner der seit Tagen belagerten Stadt Daraa berichteten dem Nachrichtensender Al-Dschasira am Samstag von massivem Granatbeschuss und heftigem Gewehrfeuer. Auf den Straßen lägen Leichen, andere Tote würden in Kühllastwagen aufbewahrt. Besonders heftig sei um die Omari-Moschee gekämpft worden. Berichten zufolge stürmten Regierungstruppen das Gotteshaus. Mindestens vier Menschen seien ums Leben gekommen.

Ein Augenzeuge sprach von 20 Panzern, die in der Stadt patrouillierten. Viele Verwundete der Schießereien müssten zu Hause behandelt werden, weil der Weg in die Krankenhäuser inzwischen zu gefährlich sei. Zehntausende Syrer hatten bereits am Freitag die Drohungen der Regierung in den Wind geschlagen und erneut für demokratische Reformen demonstriert, so etwa in der Hauptstadt Damaskus, in Latakia, Kamischli, Hama und Homs. Vielerorts kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen mit Sicherheitskräften. Allein in Daraa sollen nach Angaben einer syrischen Menschenrechtsgruppe am Freitag 33 Menschen getötet worden sein. Auch 7 Polizisten und Soldaten sollen bei den Unruhen ums Leben gekommen sein. Eine Überprüfung der Angaben war allerdings nicht möglich.

Wegen “fortgesetzter Menschenrechtsverletzungen“ haben die USA Sanktionen gegen das Assad-Regime verhängt. Präsident Barack Obama unterzeichnete am Freitag einen Erlass, der Mitgliedern der Führungsriege um Assad Zugriff auf etwaige Vermögen in den USA verwehrt. Außerdem dürfen US-Bürger keine Geschäfte mit ihnen machen.

Auch die EU bekundete ernste Besorgnis über die Lage in Syrien. Angesichts der fortgesetzten Gewalt habe man ein Verfahren zur Verhängung eines Waffenembargos in Gang gesetzt, sagte die Außenbeauftragte Catherine Ashton am Freitagabend in Brüssel. Außerdem könnten millionenschwere Hilfszahlungen der Union an Syrien eingefroren werden.

Die Sanktionen müssen allerdings noch förmlich beschlossen werden. Westerwelle sagte dem Berliner “Tagesspiegel“ (Samstag), es sei “erforderlich, dass die Sanktionen schnell verhängt werden“. Neben einem Waffenembargo nannte er das Einfrieren des Vermögens der syrischen Führung sowie Reisebeschränkungen für die Verantwortlichen in Damaskus.

dpa

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