Türkische Gymnasien in Deutschland? Heftiger Streit

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Kurz vor dem Türkei-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel ist ein heftiger Streit über die Gründung türkischer Gymnasien in Deutschland entbrannt.

Berlin - Kurz vor dem Türkei-Besuch von Kanzlerin Angela Merkel ist ein heftiger Streit über die Gründung türkischer Gymnasien in Deutschland entbrannt.

Regierungskreise wiesen den Vorschlag des türkischen Ministerpräsidenten Recep Tayyip Erdogan am Donnerstag zurück. Eigene Schulen für Migranten würden die Integration eher behindern. Hoffnung gebe es hingegen für die Gründung einer deutsch-türkischen Universität in Istanbul. Merkel ist Anfang der Woche in der Türkei und will dort auch über das Thema EU-Beitritt reden.

Die deutsche Regierung hofft, dass im türkischen Parlament noch in dieser Woche eine Entscheidung zur Gründung der Universität in Istanbul kommt und beim Besuch Merkels der Durchbruch erzielt wird, wie es aus den Kreisen in Berlin hieß. Die Universitätsgründung schleppt sich schon seit Jahren dahin. Bereits im Mai 2008 hatten der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier, sein türkischer Amtskollege Ali Babacan und Bildungsministerin Annette Schavan eine Gründungs-Vereinbarung unterzeichnet.

Viel Kritik an Erdogans Vorschlag

Gegen den Vorschlag Erdogans wandte sich auch der CDU-Politiker Wolfgang Bosbach. “Ich glaube nicht, dass es die Integration fördern würde, wenn wir türkische Gymnasien einrichten, in denen der Unterricht in türkischer Sprache abgehalten wird“, sagte er dem “Kölner Stadt-Anzeiger“. Die ehemalige SPD-Bundestagsabgeordneten Lale Akgün sagte der Zeitung: “Türkische Gymnasien sind für die Schüler eine Sackgasse.“

Die SPD-Abgeordnete Aydan Özoguz warf Erdogan im ZDF vor, mit Emotionen zu spielen. Der Deutsche Philologenverband sprach von einem völlig falschen und integrationsfeindlichen Ansatz. Erdogan hatte die Forderung nach Einführung türkischer Gymnasien in Deutschland mit Sprachproblemen vieler der drei Millionen Türken in Deutschland begründet. “Hier hat Deutschland noch nicht die Zeichen der Zeit erkannt. Man muss zunächst die eigene Sprache beherrschen, also Türkisch, und das ist leider selten der Fall“, sagte er “Die Zeit“.

Dauerthema EU-Beitritt

Merkel wird auf ihrer zweiten Türkei-Reise nach 2006 mit Erdogan auch über das Dauerthema EU-Beitritt reden, wie aus den Kreisen verlautete. Die Fronten sind hier ebenfalls verhärtet: Merkel plädiert lediglich für eine “privilegierte Partnerschaft“, wie es mit der FDP im Koalitionsvertrag vereinbart ist. Die Türkei sieht das anders. “Wir führen bereits die Verhandlungen, und zwar auf Vollmitgliedschaft. Für uns gibt es dazu keine Alternative“, sagte Erdogan der “Zeit“. Merkel reist am Montag zunächst nach Ankara.

Dort wird sie unter anderem mit Erdogan sowie dem türkischen Präsidenten Abdullah Gül zusammentreffen. Zudem ist eine Kranzniederlegung am Atatürk-Mausoleum vorgesehen. Am Dienstag will Merkel in Istanbul die Hagia Sophia und die Blaue Moschee besuchen, mit Vertretern deutscher Kirchengemeinden und mit Wirtschaftsvertretern sprechen. Merkel wird von einer Wirtschaftsdelegation und der Integrationsbeauftragten Maria Böhmer begleitet.

dapd

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