Umfragen: Amtsinhaber war besser

TV-Duell: Obama attackiert Romney

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TV-Debatte, die Zweite: Mitt Romney und Amtsinhaber Barack Obama liefern sich einen heftigen Schlagabtausch im Rennen um die Wahl in den USA.

Washington - US-Präsident Barack Obama und sein Kontrahent Mitt Romney haben sich bei der zweiten TV-Debatte wenige Wochen vor der Wahl einen heftigen verbalen Schlagabtausch geliefert.

Drei Wochen vor der US-Präsidentschaftswahl hat Amtsinhaber Barack Obama in seinem zweiten TV-Duell gegen Herausforderer Mitt Romney auf Angriff gesetzt. Bei dem mit Spannung erwarteten Schlagabtausch vor Millionenpublikum am Dienstagabend (Ortszeit) zeigte sich Obama von einer deutlich aggressiveren Seite als bei seinem ersten Fernsehduell mit Romney vor zwei Wochen. Obama warf seinem republikanischen Herausforderer vor, mit seinen Plänen für die US-Wirtschaft vor allem die Mittelklasse der USA zu belasten.

„Gouverneur Romney sagt, er habe einen Fünf-Punkte-Plan“, sagte Obama bei dem TV-Duell auf dem Campus der Hofstra University in der Stadt Hempstead im US-Staat New York. „Gouverneur Romney hat keinen Fünf-Punkte-Plan. Er hat einen Ein-Punkt-Plan. Und dieser Plan soll sicherstellen, dass Leute an der Spitze ihre eigenen Spielregeln befolgen.“

Das war das zweite TV-Duell zwischen Obama und Romney

Das war das zweite TV-Duell zwischen Obama und Romney

Mindestens zwei Mal in der rund 90-minütigen Debatte beschuldigte Obama den Republikaner Romney, die Unwahrheit gesagt zu haben. Romney warf dem amtierenden Präsidenten im Gegenzug vor, die Ausgaben seiner Regierung ließen das Haushaltsdefizit ansteigen und hätten drastische Steuererhöhungen zur Folge. Zudem machte er Obama für die hohen Benzinpreise verantwortlich. „Die Mittelklasse ist in den vergangenen vier Jahren zerdrückt worden“, sagte Romney, der sich am Dienstag selbstbewusst und angriffslustig präsentierte.

Während der gesamten Debatte fielen sich die beiden Präsidentschaftskandidaten mehrmals gegenseitig ins Wort. Beim Thema Energiepolitik wies Obama an einer Stelle eine Äußerung Romneys scharf zurück und sagte: „Stimmt nicht, Gouverneur Romney.“ Als der Präsident seine eigene Haltung zum Thema erläutern wollte, reagierte Romney mit den Worten: „Sie bekommen gleich Ihre Chance... ich rede noch.“

Angriff auf US-Konsulat rückt bei TV-Duell in den Vordergrund

Für beide Kandidaten stand am Dienstag viel auf dem Spiel: Nur drei Wochen vor der Wahl ist das Rennen laut Umfragen wieder völlig offen.

In der von CNN-Moderatorin Candy Crowley moderierten Debatte hatten unentschlossene Wähler die Möglichkeit, den beiden Präsidentschaftskandidaten selbst Fragen zu stellen. Dabei ging es unter anderem um außenpolitische Themen. Auf die Frage eines Wählers nach dem tödlichen Anschlag auf das US-Konsulat im libyschen Bengasi, bei dem im September vier US-Bürger getötet wurden, antwortete Obama, er sei letztendlich für die Sicherheit der US-Diplomaten verantwortlich. „Ich bin der Präsident und ich bin immer verantwortlich“, sagte er. Zuvor hatte US-Außenministerin Hillary Clinton die Verantwortung für mögliche Sicherheitsmängel in Bengasi übernommen.

Romney warf Obama in diesem Zusammenhang vor, unmittelbar nach dem Angriff auf das Konsulat an politischen Veranstaltungen teilgenommen zu haben. Der Anschlag in Libyen lasse Zweifel an der Nahostpolitik des Präsidenten aufkommen.

Romney bekräftigt Haltung gegen Verbot für Sturmgewehre

Obama sprach sich bei der TV-Debatte auch für ein neuerliches Verbot für Sturmgewehre aus. Waffen, die für Soldaten im Krieg entworfen worden seien, gehörten nicht auf die Straße, sagte der Präsident. Sein Herausforderer Romney bekräftigte seine Haltung gegen ein derartiges Verbot. Als Gouverneur des US-Staats Massachusetts hatte sich der Republikaner noch für ein solches Gesetz ausgesprochen. Er sei gegen neue Waffengesetze, sagte Romney.

Zu den erinnerungswürdigsten Momenten des Abends zählte eine Auseinandersetzung der beiden Präsidentschaftskandidaten über Wirtschaftspolitik. Als Obama Investitionen seines republikanischen Herausforderers in China thematisierte, unterbrach ihn Romney mit der Frage: „Mister President, haben sie sich ihre Rente angeschaut?“. Daraufhin reagierte Obama in Anspielung auf das Vermögen des Multimillionärs Romney: „Wissen Sie, ich schaue mir meine Rente nicht an. Sie ist nicht so groß wie Ihre.“

Grüne Präsidentschaftskandidatin festgenommen

Am Rande der Veranstaltung in Hempstead wurden die Präsidentschaftskandidatin der Grünen Partei in den USA, Jill Stein, und deren Stellvertreterin festgenommen. Polizeiangaben zufolge versuchten Stein und die Grünen-Vizepräsidentschaftskandidatin Cheri Honkala, am Dienstag auf das Gelände der Hofstra University im US-Staat New York zu gelangen, wo das Fernsehduell zwischen Obama und Romney ausgetragen wurde. Den beiden Frauen wird Ruhestörung vorgeworfen.

An den TV-Duellen im Präsidentschaftswahlkampf der USA nehmen traditionell nur die Kandidaten der demokratischen und republikanischen Partei teil. Die TV-Debatte am Dienstag war die zweite von insgesamt drei zwischen Obama und Romney vor der Präsidentschaftswahl am 6. November. Das dritte Fernsehduell findet am kommenden Montag statt.

Schnellumfrage:

Laut einer nicht repräsentativen Schnellumfrage hat Barack Obama im zweiten Duell deutlich besser abgeschnitten: In der Umfrage von CNN/ORC sagten 46 Prozent der befragten Wähler in der Nacht zum Mittwoch, der Amtsinhaber habe die TV-Debatte gewonnen. 39 Prozent sahen den Republikaner Romney vorn. Die Autoren der Erhebung betonten allerdings, dass die Differenz von sieben Punkten im Fehlerbereich der Umfrage liege.

Beim Auftakt vor zwei Wochen hatten noch 67 Prozent der befragten Wähler Romney vorn gesehen. Damals hielten nur 25 Prozent der Befragten Amtsinhaber Obama für überzeugender. Obama hatte zur allgemeinen Verwunderung sehr passiv auf die Angriffe seines Kontrahenten reagiert. Daraufhin hatte Romney in landesweiten Wählerbefragungen den lange Zeit deutlich führenden Obama eingeholt und teilweise überholt.

Nach der Debatte am Mittwochabend urteilten 73 Prozent der befragten Wahlberechtigten, Obama habe sich besser geschlagen als sie es erwartet hätten. Positiv überrascht von Romney waren 37 Prozent.

dapd/dpa

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