Umfrage: Grüner Kanzler möglich

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Jürgen Trittin betonte, eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten stehe „jetzt nicht an“.

Berlin – Auf die Grünen rollt eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten für 2013 zu. Nach einer Emnid-Umfrage vom Wochenende gäbe es derzeit im Bund ersmals eine Mehrheit für eine grün-rote Koalition unter einem grünen Kanzler.

Ex-Außenminister Joschka Fischer stellte klar, er stehe für eine Spitzenkandidatur nicht zur Verfügung. Die Grünen-Spitze bemühte sich, die Diskussion abzuwürgen. In der Partei regt sich zudem Unruhe angesichts des eigenen Erfolgs. Emnid ermittelte für die Grünen unverändert 24%, die SPD sinkt demnach zwei Punkte auf 23%. Die Union käme auf 32 (-1)%, die FDP auf 5 (+1)% und die Linke auf 9 (+1)%. Spekulationen, der langjährige Parteiobere Fischer könnte 2013 um den Einzug ins Kanzleramt kämpfen, wies dieser umgehend zurück. „Ich fühle mich geehrt, dass man mir das zutraut. Aber das ist es dann auch“, sagte Fischer, „eine Rückkehr des Joschka Fischer in die Politik ist ausgeschlossen.“ Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin betonte, eine Debatte über einen eigenen Kanzlerkandidaten stehe „jetzt nicht an“: „Ausschlaggebend sind die nächsten Wahlergebnisse.“ Diese würden zeigen, „ob solche Überlegungen überhaupt eine reale Grundlage haben“.

Interne Debatten gibt es aber bereits jetzt, wie die Grünen mit dem eigenen Höhenflug umgehen sollen. Laut „Spiegel“ forderte Trittin bei einem Treffen führender Vertreter des linken Parteiflügels, dass sich die Grünen „eher bald als später“ auf eine rot-grüne Koalition nach der Bundestagswahl 2013 festlegen sollten. Dagegen favorisieren Politiker des rechten Parteiflügels eine weitere Öffnung zur Mitte. Grünen-Chef Özdemir sagte, die Partei solle den Sieg bei der Wahl in Baden-Württemberg als „Chance auch zur programmatischen Tiefenarbeit nutzen“ und politische Werte aus anderen Parteitraditionen wie „Leistungsbereitschaft, Fortschritt oder Solidarität“ in die grüne Debatte einbeziehen.

SPD-Fraktionschef Steinmeier sagte den Grünen ein Ende des Hochs voraus. „Wir werden 2013 keinen grünen Bundeskanzler haben, und das lässt sich auch nicht herbeischreiben“, sagte er. Auch Parteichef Gabriel sieht für die Grünen keine reellen Chancen. Anders als die Grünen hält sich die SPD mit möglichen Kanzlerkandidaten aber nicht zurück – im Gegenteil, die Liste wird immer länger. So brachten Steinmeier und Gabriel jetzt Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz und die NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft neu für diesen Posten ins Spiel. Scholz selbst erwiderte, er stehe nicht zur Verfügung.

mm

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