UN-Sicherheitsrat beendet Mission in Syrien

New York - Wieder eine Hoffnung weniger für die Menschen in Syrien. Der Friedensplan von Kofi Annan ist schon gescheitert, nun endet auch die UN-Beobachtermission. Die Gewalt eskaliert.

Angesichts der eskalierenden Gewalt in Syrien sieht der Weltsicherheitsrat keine Zukunft mehr für die UN-Beobachtermission in dem Land. Das Mandat wird am Sonntag auslaufen, dafür wollen die Vereinten Nation nun eine zivile Vertretung in Damaskus einrichten. Darauf einigten sich die Sicherheitsratsmitglieder bei einem Treffen am Donnerstag in New York. Derweil weitete sich der syrische Konflikt immer mehr auf den benachbarten Libanon aus. Aus der umkämpften Stadt Aleppo in Nordsyrien meldeten Aktivisten mindestens zehn Tote bei einem Artillerieangriff der Regierungstruppen.

Zuletzt konnten die UN-Beobachter in Syrien kaum noch ihrer Arbeit nachgeben. Wegen der immer schwereren Gefechten zwischen den Regierungstruppen von Präsident Baschar Assad und den Aufständischen waren sie seit dem 15. Juni zumeist in ihren Hotels geblieben. Erst am Mittwoch war eine Bombe vor der Unterkunft der Beobachter in der syrischen Hauptstadt explodiert.

In der gegenwärtigen Situation seinen die Voraussetzungen für eine Fortsetzung der Mission nicht gegeben, sagte der französische Botschafter bei den Vereinten Nationen und amtierende Präsident des Weltsicherheitsrats, Gérard Araud. Weder habe die syrische Regierung den Einsatz schwerer Waffen eingestellt, noch sei die Gewalt spürbar zurückgegangen.

Das zivile Verbindungsbüro soll nach dem Auslaufen der bisherigen Mission die Anstrengungen der UN und der Arabischen Liga unterstützen, den 18 Monate andauernden Konflikt in Syrien zu beenden. Die Mitglieder des Sicherheitsrats stimmten am Donnerstag einem entsprechenden Vorschlag von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon

Bürgerkrieg droht auf den Libanon überzugreifen

Unterdessen weitete sich der Konflikt in Syrien zunehmend auf das Nachbarland Libanon aus, das selbst immer wieder von ethnisch und religiös motivierten Auseinandersetzungen erschüttert wird. Als Vergeltung für die Entführung eines Clanmitglieds durch Rebellen in Syrien verschleppte eine libanesische Großfamilie nach eigenen Angaben mehr als 20 Syrer und einen Türken.

Bewaffnete Unterstützer des schiitischen Clans al Mikdad zogen am Mittwoch durch die Hauptstadt Beirut, verwüsteten Dutzende syrische Geschäfte, steckten Autoreifen in Brand und blockierten die Straße zum Flughafen. Am Donnerstag dehnten sich die Unruhen auf das Bekaa-Tal an der Grenze zu Syrien aus. Dort sperrten maskierte Männer eine Straße ins Nachbarland und kontrollierten offenbar auf der Suche nach Anhängern des Al-Mikdad-Clans die Ausweispapiere der Passanten.

In der nahegelegenen Ortschaft Chtura entführten Bewaffnete nach Angaben aus Sicherheitskreisen einen syrischen Geschäftsmann, der als Unterstützer von Präsident Baschar Assad gilt. Auf dem Weg zur syrischen Grenze wurde zudem das Auto des pro-syrischen Politikers Joseph Abu Fadel angegriffen und vier Menschen leicht verletzt.

Ein Sprecher des Al-Mikdad-Clans drohte unterdessen mit der Tötung von Geiseln, sollte dem in Syrien entführten Familienmitglied etwas zustoßen. “Wenn ihm etwas geschieht, werden wir die türkische Geisel töten - und wir haben noch viele andere. Aber wir fangen mit dem Türken an“, sagte Maher al Mikdad.

Aktivisten: Mindestens zehn Tote bei Artillerieangriff auf Aleppo

Bei einem Artillerieangriff von Regierungstruppen in Aleppo im Norden Syriens kamen am Donnerstag nach Angaben von Aktivisten mindestens zehn Menschen ums Leben. Am frühen Morgen seien vor einer Bäckerei Granaten eingeschlagen, wo zu dem Zeitpunkt zahlreiche Menschen um Brot anstanden. “Drei Granaten landeten auf einer Straße nahe der Bäckerei und die Wartenden wurden von Schrapnells getroffen“, sagte der Aktivist Mohammed al Hassan der Nachrichtenagentur AP am Telefon. “Da waren Menschen mit Kindern. Es war wie ein Fluss aus Blut.“

In einem Interview des syrischen Staatsfernsehens demonstrierte Außenminister Walid al Moallem derweil Stärke. Wer glaube, die Aufständischen könnten die Regierungstruppen besiegen, der träume, sagte al Moallem. Zuletzt hatten die Streitkräfte vor allem die Luftangriffe gegen mutmaßliche Stellungen der Aufständischen massiv ausgeweitet. Die Kämpfer der Opposition waren ihrerseits bis ins Zentrum der Hauptstadt Damaskus vorgedrungen und hatten Bombenanschläge verübt sowie Regierungsanhänger verschleppt.

dapd/dpa

So wütet Assad gegen sein eigenes Volk

Syrien: So wütet Assad gegen sein eigenes Volk

Rubriklistenbild: © ap

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