Angst vor Anschlägen: Israels Gesellschaft vor Zerreißprobe

+
Ein Einschussloch in einer Scheibe der angegriffenen Synagoge in Jerusalem. Foto: Jim Hollander

Tel Aviv (dpa) - Die Sorge vor neuen Anschlägen in Israel droht zur Belastungsprobe für das Zusammenleben zwischen Juden und Arabern zu werden. Israelische Medien berichten, Aschkelons Bürgermeister Itamar Shimoni wolle keine Araber mehr in städtischen Gebäuden beschäftigen, wenn Kinder anwesend sind.

Dies sei auf Druck von Eltern erfolgt, die Anschläge fürchteten, schrieb die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf einen Facebook-Eintrag des Bürgermeisters. Als Reaktion auf die jüngsten Anschläge hat Israel inzwischen das Tragen von Waffen erleichtert.

Israelische Politiker kritisierten den Vorstoß des Bürgermeisters. "Es darf keine Diskriminierung gegen israelische Araber geben", sagte Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. Die große Mehrzahl der israelischen Araber sei gesetzestreu.

Auch rechte Knesset-Mitglieder nahmen an dem Plan Anstoß. "99,9 Prozent der israelischen Araber sind loyal und wollen sich integrieren", sagte Wirtschaftsminister Naftali Bennett. Nur eine winzige Minderheit setze Gewalt ein. Es sei wichtig, hart dagegen vorzugehen. Die große Mehrheit müsse man aber näher mit jüdischen Israelis zusammenbringen. "Das ist ein Schlüssel für unsere Zukunft hier", sagte Bennett.

In Israel und den Palästinensergebieten war es in den vergangenen Wochen zu Ausschreitungen und auch zu einer Serie von Anschlägen gekommen. Polizeiminister Izchak Aharonovich billigte deshalb am Donnerstag Erleichterungen bei der Ausgabe von Waffenscheinen. Wachmännern solle drei Monate lang erlaubt werden, ihre Waffen mit nach Hause zu nehmen, berichteten israelische Medien.

Außerdem werde die Liste von Ortschaften ausgeweitet, deren Einwohner Waffen tragen dürfen. Veteranen von Elite-Einheiten der Armee und Offizieren sollte es ebenfalls erlaubt werden, sich zu bewaffnen. Am Dienstag hatten zwei Palästinenser bei einem Anschlag in einer Synagoge in Jerusalem fünf Menschen getötet, bevor sie erschossen wurden.

Die Mitglieder des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen verurteilten den Anschlag am Mittwoch. Das mächtigste UN-Gremium bezeichnete das Attentat in einer Mitteilung als "abscheulich".

Zugleich sorgten sich seine Mitglieder wegen der wachsenden Spannungen zwischen Israelis und Palästinensern in der Stadt. Der Sicherheitsrat rief die Konfliktparteien auf, umgehend Maßnahmen zu ergreifen, die zu einer Beruhigung der Lage führen.

Die USA kritisierten israelische Genehmigungen für den Bau von 78 Wohneinheiten in Har Homa und Ramot. Nach Angaben der israelischen Nachrichtenseite "Walla" hatte die Jerusalemer Stadtverwaltung die Projekte am Mittwoch gebilligt. Die Bauprojekte liegen in Stadtteilen außerhalb der grünen Linie, die zwischen dem israelischen Kernland und den 1967 eroberten Gebieten verläuft.

Die Palästinenser sehen in Ost-Jerusalem die Hauptstadt eines künftigen eigenen Staates, Israel beansprucht hingegen die ganze Stadt als "ewige, unteilbare Hauptstadt".

Artikel in der Times of Israel

Auswärtiges Amt zur Sicherheitslage in Israel

Bericht Haaretz

Israelische Armee auf Twitter

Bericht von ynet, hebräisch

Meistgelesene Artikel

Altbundespräsident Roman Herzog gestorben

Berlin -  Seine „Ruck-Rede“ bleibt in Erinnerung. Unermüdlich forderte Roman Herzog die Bürger zu Reformen auf. Nun ist der Altbundespräsident im …
Altbundespräsident Roman Herzog gestorben

Künftiger Pentagon-Chef warnt Trump vor Putin

Washington - Was Donald Trump über Russland und die Nato gesagt hat, ließ in Europa Alarmglocken schrillen. Sein künftiger Verteidigungsminister …
Künftiger Pentagon-Chef warnt Trump vor Putin

Obamas Abschied: Liebeserklärung an Michelle

Chicago - Obama geht - mit emotionalen, aber eher stillen Tönen. Der scheidende Präsident erinnert seine Landsleute noch einmal an das, was ihm …
Obamas Abschied: Liebeserklärung an Michelle

Kommentare