Twitter-Fahndung nach Vermissten

Wo ist Camille? Verzweifelte Suche nach Anschlag

Nizza - Nach den Anschlägen von Nizza werden zahlreiche Personen vermisst. In den sozialen Medien kommt es zu verzweifelten Suchaktionen. Unter den Todesopfern befinden sich zahlreiche Ausländer.

Unter den Todesopfern des Anschlags von Nizza sind zahlreiche Ausländer: mindestens zwei US-Bürger, eine Schweizerin, eine Russin, eine Armenierin, ein Ukrainer sowie ein Tunesier. Das bestätigten die Außenministerien der Länder am Freitag. Nach Angaben der deutschen Behörden werden zwei Schülerinnen und eine Lehrerin einer Berliner Schule vermisst. Berlins Bürgermeister Michael Müller (SPD) sagte: "Wir müssen leider davon ausgehen, dass auch Berliner unter den Opfern sind."

Derzeit könne der Tod von zwei US-Bürgern bei dem Anschlag in Nizza bestätigt werden, sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, John Kirby, in Moskau am Rande eines Besuchs von Außenminister John Kerry. Nach Angaben der texanischen Zeitung "Amercan-Statesman" handelte es sich um einen 51 Jahre alten Mann und seinen elfjährigen Sohn, die Ferien in Nizza machten.

Das russische Außenministerium teilte im Online-Netzwerk Facebook mit, dass eine Russin unter den Opfern sei. Auch die Außenministerien der Schweiz, Armeniens und der Ukraine bestätigten den Tod von jeweils einem Staatsangehörigen. Die tunesischen Behörden teilten mit, ein etwa 30 Jahre alter Tunesier sei ebenfalls getötet worden.

Das Schicksal von zwei Schülerinnen und einer Lehrerin einer Berliner Schule sei unklar, sagte eine Sprecherin der Berliner Senatsverwaltung für Bildung. Für Medienberichte, wonach sie bei dem Anschlag am Donnerstagabend getötet wurden, gebe es keine Bestätigung. "Wir sind in großer Sorge", fügte sie allerdings hinzu.

Auf ihrer Website teilte die Berliner Senatsverwaltung mit, Schüler und Lehrer von neun Gymnasien, die sich derzeit in Nizza aufhalten, seien körperlich unversehrt. Sie stehe mit allen betroffenen Schulen in Kontakt.

Der Sender RBB und der Berliner "Tagesspiegel" berichteten unter Berufung auf eigene Informationen, die beiden Schülerinnen und die Lehrerin seien tot. Sie hätten sich auf einer Schulfahrt nach Südfrankreich befunden. RBB und "Tagesspiegel" wiesen aber darauf hin, dass bislang keine offizielle Bestätigung vorliege. Das Auswärtige Amt schloss nicht aus, dass Deutsche von dem Anschlag betroffen sein könnten, bestätigte solche Berichte jedoch nicht.

Das belgische Außenministerium teilte mit, über das Schicksal von etwa 20 Landsleuten im Unklaren zu sein.

Verzweifelte Suche nach vermissten Personen

In den sozialen Medien suchen Freunde und Angehörige nach vermissten Personen. Die örtliche Zeitung Nice Matin beteiligt sich auch daran, etwa die junge Frau Camille Murris betreffend.

Laut eines Profils beim Business-Netzwerk Linkedin arbeitet sie im Bereich Marketing und PR. Wie Jean Lepeix, nach eigenen Angaben ein Freund ihres Cousins, bei Twitter postet, sei sie am Anschlagsort gewesen. Er bittet nun verzweifelt um Neuigkeiten.

Camille Murris ist nicht die einzige Person, die noch vermisst wird und mit der mittels Fotos in den sozialen Medien gesucht wird - unter dem lehTitel "Recherche Nice" wurden sogar mehrere Twitter-Seiten zu diesem Zweck eingerichtet. Dutzende weitere Vermisste werden dort mit Fotos gezeigt. Es gibt teilweise auch schon Nachrichten der Erleichterung zu lesen:

In Nizza war ein Mann am Donnerstagabend während des Feuerwerks zum französischen Nationalfeiertag auf der Strandpromenade mit einem Lastwagen in die Menschenmenge gerast. Dabei wurden mindestens 84 Menschen getötet und zahlreiche weitere zum Teil lebensgefährlich verletzt, bevor der Attentäter von Polizisten erschossen wurde. Der Angreifer wurde von den Behörden als ein 31-Jähriger mit tunesischem Familienhintergrund identifiziert.

AFP/tz

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