Zahlreiche Tote bei Anschlägen im Irak

Bagdad/Tikrit - Noch vor Tagesanbruch haben Terroristen am Montag im Irak bei mehreren Anschlägen mindestens 60 Menschen getötet.

Bei der bislang folgenschwersten Serie von Anschlägen im Irak in diesem Jahr sind am Montag mindestens 60 Menschen getötet und Dutzende weitere verletzt worden. Allein in der südirakischen Stadt Kut wurden nach Behördenangaben 35 Menschen in den Tod gerissen und 64 verletzt. Dort ereigneten sich auf einem belebten Markt zwei Explosionen, die ein Blutbad anrichteten.

Die erste Bombe sei am Morgen in einem Gefrierschrank detoniert, der zum Kühlen von Getränken genutzt worden sei, sagte ein Polizeisprecher der Provinz Wasit, Dhurgam Mohammed Hassan. Als sich anschließend Rettungskräfte und andere Personen versammelt hätten, sei eine Autobombe explodiert. Zum Zeitpunkt der Explosionen waren Behördenangaben zufolge Bauarbeiter auf dem Markt versammelt, die Geräte verkauften. Der Boden war mit Leichenteilen übersät, mit Blut getränkte Mauern wiesen Schrapnelleinschläge auf. In der Provinz Dijala wurden nach Angaben eines Behördensprechers zehn Menschen getötet und mehr als 50 verletzt. In der Provinzhauptstadt Bakuba und mehreren nahegelegenen Orten hätten sich mindestens sieben Explosionen ereignet. Weitere Anschläge wurden aus Bagdad, Kerbala, Kirkuk, Nadschaf, Iskandarija, Mossul, Tadschi, Balad und Tikrit gemeldet. Die Bombenexplosionen waren koordiniert und ereigneten sich alle am Vormittag. Zum Einsatz kamen Autobomben, am Straßenrand abgelegte Sprengsätze und auch ein Selbstmordattentäter.

Zwtl: Sicherheitsexperte vermutet “Propgandaspiel“ von Al-Kaida

Anfang des Monats hatte die irakische Führung Gespräche mit den USA über einen Verbleib einer kleineren Anzahl US-Soldaten im Land angekündigt. Eigentlich sollen alle US-Truppen bis zum 31. Dezember aus dem Irak abgezogen werden. Beide Seiten haben aber Zweifel an der Fähigkeit der irakischen Truppen geäußert, das Land eigenverantwortlich sichern zu können.

Der Sicherheitsexperte Theodore Karasik sagte, nach seiner Einschätzung versuche Al-Kaida im Irak den innenpolitischen Prozess im Irak zu stören und eine Botschaft an die Amerikaner zu senden. Al-Kaida spiele ein Propagandaspiel und zeige zugleich, dass das Terrornetzwerk noch in der Lage sei, tödliche Anschläge zu verüben, sagte Karasik, Experte am Institut für militärische Analyse im Nahen Osten und am Golf (INEGMA) mit Sitz in Dubai. “Wenn die USA ihre Militärpräsenz verlängern, kann Al-Kaida das als Werkzeug nutzen und sagen: 'Schaut, die Amerikaner haben ihre Entscheidung abzuziehen rückgängig gemacht und bleiben als Besatzer hier'. Sie könnten dies als Rechtfertigung für weitere Anschläge nutzen.“

Der letzte große Bombenanschlag im Irak liegt einen Monat zurück. Bei einer Explosion in der Stadt Tadschi kamen am 5. Juli 37 Menschen ums Leben.

dapd

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