Zeitung: US-Regierung überraschend gegen Gen-Patent

New York - Zur umstrittenen Patentierung von Genen des Menschen und anderer Organismen hat die US-Regierung überraschend eine neue Position bezogen.

Demnach lehnt Washington es jetzt ab, dass Forscher, Institute oder biotechnologische Firmen die von ihnen entdeckten Gene patentieren lassen können, berichtete die “New York Times“ am Samstag. Dagegen soll der Patentschutz für Erbanlagen, die Forscher unter anderem zur Heilung bestimmter Krankheiten im Labor verändern oder verändert haben, unangetastet bleiben.

Die 180-Grad-Wende, die das Justizministerium am späten Freitag in einer Stellungnahme zum Gerichtsstreit um zwei bedeutende Krebsgene (BRCA1 und BRCA2) bekanntgab, könnte enorme Auswirkungen auf die Medizin und die Biotech-Industrie haben. “Es ist uns klar, dass unsere Einstellung der langjährigen Praxis des US-Patentamtes sowie der Nationalen Gesundheitsinstitute (NIH) (...) widerspricht“, heißt es im Schreiben des Ministeriums.

Eine Reaktion des Patentamtes lag zunächst nicht vor. Nach Angaben des Blattes ist unklar, ob das Amt sich der neuen Devise anschließen wird. Das Amt patentiert seit Jahrzehnten neu entdeckte Gene und hat schätzungsweise bereits 20 Prozent der (unveränderten) Gene im Erbgut des Menschen patentiert.

In der seit langem geführten Diskussion für und gegen den Patentschutz machen Kritiker geltend, dass er andere Forscher ausschließe und damit die Suche nach neuen Therapien einschränke. Befürworter halten dagegen, dass ein Patent Sicherheit biete und die Suche nach Genen und Gentherapien beflügele.

In der Begründung für seine veränderte Position führt das Ministerium an, dass ein Gen etwas Natürliches sei, und Natur nicht patentiert werden könne. Die Gegenseite behauptet, dass es sich bei einem isolierten und entnommenen Gen um eine “chemische“ Einheit handelt.

dpa

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