Direkt vor Anschlag in Nürnberg

Zeuge sah mutmaßliche NSU-Täter

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Gedenktafeln hängen an dem ehemaligen Standort des Imbissbetreibers Ismail Yasar in Nürnberg.

München - Der Mord an Ismail Yasar in Nürnberg gehört zu den am besten dokumentierten Anschlägen des NSU: Zeugen sahen die mutmaßlichen Täter nach eigener Aussage kurz vor und kurz nach dem Mord.

Unmittelbar vor dem Mord der NSU-Terroristen an Ismail Yasar in Nürnberg will ein Zeuge die mutmaßlichen Täter gesehen haben. Die beiden Männer hätten direkt vor ihm mit ihren Fahrrädern die Straße überquert. Er habe sich geärgert, weil sie sehr langsam waren und er mit dem Auto warten musste, erzählte der 57-Jährige am Mittwoch vor dem Oberlandesgericht München. „Wie im Urlaub“ hätten die Radfahrer auf ihn gewirkt. Kurz darauf habe er Schüsse gehört, sich jedoch nichts dabei gedacht, berichtete der Zeuge. Auf einem Foto hatte er Uwe Mundlos auf Anhieb erkannt.

Der Zeuge hatte sich zunächst nicht bei der Polizei gemeldet. Dann sei Yasars Frau in seinen Elektroladen gekommen. Er hatte Gerüchte gehört, dass sie ihren Mann habe umbringen lassen - „und nun kommt sie in meinen Laden und fleht mich an“, sagte der Zeuge. Das habe ihn gewundert.

Recht deutliche Zeugenhinweise

Laut Anklage ermordeten die Neonazi-Terroristen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt den 50-Jährigen Imbissbetreiber am 9. Juni 2005 mit fünf Schüssen. Bereits im September hatte eine Zeugin vor Gericht ausgesagt, dass sie am Tatort zwei Männer in Fahrradkleidung gesehen habe. Der eine habe dem anderen einen Gegenstand in den Rucksack gesteckt, berichtete sie. Später erkannte sie einen der beiden auf einem Überwachungsvideo wieder, das die mutmaßlichen Terroristen vor dem Nagelbombenanschlag in der Kölner Keupstraße 2004 zeigt.

Im Mordfall Yasar gibt es damit recht deutliche Zeugenhinweise auf Böhnhardt und Mundlos. Sie sollen laut Anklage die Attentate ausgeführt haben. Beate Zschäpe ist als Mittäterin an sämtlichen Anschlägen des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) angeklagt, weil sie für die legale Fassade des Trios gesorgt haben soll.

Am Nachmittag ging das Gericht dann in die Detailarbeit: Es wurde ein Kriminalbeamter vernommen, der die Mietverträge über Autos und Wohnmobile ausgewertet hatte, welche die mutmaßlichen Terroristen nutzten. Insgesamt wurden die Daten zu 65 Mietverträgen abgefragt. Teilweise nutzten die Untergetauchten die Fahrzeuge für Überfälle und Anschläge.

dpa

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