EU deckelt Gebühren beim Kreditkarten-Einkauf

+
Die Gebühren beim Kreditkarten-Einkauf im Einzelhandel werden von der EU gedeckelt. Ob die Einsparungen auch an den Konsumenten weitergereicht werden, entscheidet der Handel. Foto: Marc Müller

Brüssel (dpa) - Hohe Kartengebühren für Einzelhändler - das ist in der EU schon länger ein Thema. Jetzt kommt eine Obergrenze. Davon sollen auch die Verbraucher profitieren.

Für den Einkauf mit Kredit- und EC-Karten werden in Europa künftig geringere Gebühren fällig. Damit würden Händler entlastet und letztlich auch die Kunden, betonte das Europaparlament nach Verhandlungen mit Vertretern der 28 EU-Mitgliedstaaten. Verbraucherverbände begrüßten die am Mittwochabend bekanntgegebene Einigung. Bei der Deckelung geht es um Verarbeitungsgebühren, die Banken untereinander festlegen und von den Einzelhändlern verlangen, wenn Kunden beim Einkauf mit Karte zahlen.

Die Händler schlagen diese Gebühren zumeist auf die Preise auf. Künftig sollen die Gebühren bei Kreditkarten höchstens 0,3 Prozent des Kaufpreises betragen dürfen, bei EC- und anderen Bankkarten 0,2 Prozent. Große Anbieter in dem Bereich sind etwa Visa oder Mastercard. Nach Informationen der Kommission lag die durchschnittliche Gebühr in Deutschland im vergangenen Jahr bei Kreditkarten bei 1,8 Prozent und bei EC- und sonstigen Bankkarten bei 0,49 Prozent.

Mit der Begrenzung erspare die EU den Verbrauchern Milliarden, meinte der Grünen-Europaabgeordnete Sven Giegold. Nach seinen Angaben zahlen Händler in Europa sechs Milliarden Euro jährlich für Kartenzahlungen. Für inländische Transaktionen mit Debitkarten können die EU-Staaten auch eine feste Gebühr von fünf Cent alternativ zum Deckel von 0,2 Prozent einführen. "Damit herrschen in ganz Europa einheitliche Bedingungen und Transparenz für den Verbraucher", betonte der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber.

Ein Frage bleibt allerdings, ob der Handel den Kostenvorteil an die Verbraucher weitergeben wird. Monique Goyens von der europäischen Verbraucherorganisation BEUC erhofft sich aber deutliche Entlastung für die Menschen. Die Banken hätten es vorgezogen, den Verbrauchern Karten mit höheren Gebühren auszustellen, weil das ihre Einnahmen garantiert habe. Die hohen Tarife seien ein Hindernis für einen gemeinsamen europäischen Markt in dem Bereich gewesen. "Wir erwarten nun, dass die Einzelhändler sich an ihr Versprechen halten, die niedrigeren Kosten an die Verbraucher weiterzugeben, indem sie die Preise senken."

Der Kompromiss muss später noch von der Volksvertretung und dem EU-Ministerrat in Brüssel - dort sind die Mitgliedstaaten vertreten - förmlich bestätigt werden. Der Gebühren-Deckel soll laut dem Parlament sechs Monate nach Inkrafttreten des Gesetzes greifen. Das Europaparlament wird erst im kommenden Jahr über den Kompromiss abstimmen können.

Mitteilung des Europaparlaments (Englisch)

Meistgelesene Artikel

Finger weg von diesem McDonald's-Produkt

"Ungenügend" - so lautet das Testurteil von ÖKO-Test zu einem beliebten McDonald's-Produkt. Die Fast-Food-Leckerei enthalte Stoffe, die krebserregend …
Finger weg von diesem McDonald's-Produkt

Bunte Tapete kann Schadenersatzforderung rechtfertigen

Bunte Tapeten gefallen nicht jedem. Mieter sollten sie beim Auszug daher wieder entfernen. Tun sie das nicht, müssen sie Schadenersatz zahlen, wie …
Bunte Tapete kann Schadenersatzforderung rechtfertigen

Jeder zweite Deutsche probiert im Urlaub skurrile Delikatessen

Von Fischaugen bis hin zu Kakerlaken: Wenn es um exotische Spezialitäten geht, sind die Deutschen erstaunlich experimentierfreudig. Das ergab eine …
Jeder zweite Deutsche probiert im Urlaub skurrile Delikatessen

Kommentare