Zehn Prozent aller Deutschen leiden unter Atemwegsallergien - Heizungsluft und Milben sind Auslöser

Sprechstunde: Fragen zum Thema Atemwegsallergien

+
Jeder zehnte Deutsche leidet unter einer Atemwegsallergie. Oft wird die Sensibilität schon im Kindesalter, zum Beispiel auf Hausstaub oder Pollen, entwickelt.

Jeder zehnte Deutsche leidet unter einer Atemwegsallergie. Während im Frühjahr und Sommer die Pollen der Bäume, Gräser und Kräuter hauptsächlich Husten und Schnupfensymptome auslösen, sind es im Winter trockene Heizungsluft verbunden mit Staub, Milbenallergenen oder Schimmelsporen.

Manchmal helfen schon ganz einfache Maßnahmen, wie das Befeuchten der Raumluft und häufiges Lüften, um Atemwegsreizungen entgegenzuwirken. Oftmals müssen aber auch zusätzlich Medikamente gegeben werden, damit sich Schleimhäute und Bronchien beruhigen können.

Über die Behandlung von Atemwegsproblemen, die im Winter entstehen, informierte der Chefarzt der Inneren Medizin im Krankenhaus Bad Arolsen, Walter Knüppel, Facharzt für Innere Medizin, Pneumologie und Umweltmedizin, in unserer Telefonsprechstunde.

Fragen und Antworten

Wir haben ein Niedrigenergiehaus mit einer Luftaustauschanlage und mit Wärmerückgewinnung. Die Luftfeuchtigkeit in unseren Räumen beträgt rund 20 Prozent. Jetzt im Winter leiden wir alle unter ständigen Nasennebenhöhlenentzündungen. Kann es sein, dass die Luftaustauschanlage eine Keimschleuder ist?

Knüppel: Nein, aber offensichtlich ist die Anlage falsch eingestellt. Eine Luftfeuchtigkeit von 20 Prozent in den Räumen ist viel zu niedrig. Sie müsste mindestens 40, besser 50 bis 60 Prozent betragen. Da müssen Sie unbedingt den Hersteller bestellen, um die Anlage neu einzustellen.

Ich habe seit zwei Jahren in sehr kurzen Abständen Schnupfenattacken mit Atemnot. Mein Arzt hat schon zwei Allergietests gemacht, die kein Ergebnis brachten. Einzig der Lungenfunktionstest zeigt eine Einschränkung. Was kann man noch machen?

Knüppel: Sie sollten Ihren Hausarzt bitten, die Bronchien und gleichzeitig den Rachenraum sowie die Nasennebenhöhlen zu behandeln. Ich vermute einen Zusammenhang der Beschwerden; wir nennen es Sinu-bronchiales Syndrom. Unter der Therapie empfehle ich, auch die Lungenfunktion zu kontrollieren. Sie sollte dann wieder in Ordnung sein.

Wir haben sehr trockene und kühle Luft in der Wohnung. Dadurch leide ich unter trockenen Schleimhäuten. Wenn ich draußen spazieren gehe, huste ich immer dicke Brocken und auch aus der Nase kommt borkiges Sekret. Was kann man dagegen tun?

Knüppel: Besorgen Sie sich ein Meerwassernasenspray mit dem Zusatzstoff Dexpanthenol. Es pflegt und befeuchtet die Nasenschleimhäute, so dass sich keine Borken bilden können. Die Bronchienprobleme beheben Sie am besten durch Inhalationen von warmen Wasserdampf. Gegen die trockene Heizungsluft können Sie feuchte Handtücher über die Heizung hängen, um so die Luftfeuchtigkeit in dem Raum zu erhöhen.

Unsere Tochter hat eine Kälteurticaria im Gesicht. Sie bekommt diese Nesselsucht nur im Winter bei niedrigen Temperaturen. Was kann man dagegen tun?

Knüppel: Zunächst sollten beim Hautarzt zwei Tests auf Inhalationsallergien und Kontaktallergien der Typen 1 und 4 gemacht werden. Oft sind es Allergien, die eine Kälteurticaria triggern. Duft- oder Konservierungsstoffe und Schwermetallionen sollten als Auslöser ausgeschlossen werden. Es gibt noch eine sehr seltene Form des Enzymmangels, die diese Reaktion auslösen kann. Ihn kann man mit einer Blutuntersuchung feststellen. Man muss eine sorgfältige Diagnostik anstreben. Ihre Tochter sollte bei Kälte einen Schal und einen Gesichtsschutz und Handschuhe tragen. Man kann auch Antihistaminika versuchen.

Unsere neunjährige Tochter zeigt neuerdings Hautreizungen, reagiert aber auf keinen Allergietest. Unser Hausarzt hat gesagt, wir sollten alle möglichen Allergene und auch den Teppich entfernen.

Knüppel: Die stringente Empfehlung, alles herauszunehmen, was irgendwie Staub aufnehmen kann, gibt man nicht mehr. Bei geplanter Renovierung ist aber ein glatter Fußbodenbelag sinnvoll. Die Allergene befinden sich hauptsächlich im Bett. Hier sollten alle organischen Füllungen wie Wildseide oder Daunen gegen waschbare Füllungen aus Polyamid oder PE-Hohlfaser ausgetauscht werden. Bei einer Milbenallergie ist eine spezielle Bettwäsche nötig, die auch von der Krankenkasse bezuschusst wird. Unter dieser Bettwäsche schwitzt man allerdings etwas schneller.

Wir haben uns einen handgewebten Wollteppich gekauft, der durch Abrieb andauernd Fusseln bildet. Sind die problematisch für die Atemluft?

Knüppel: Nein, bei dieser Art Teppiche werden bis zu einem Jahr solche Flusen freigesetzt. Das ist lästig, aber nicht gefährlich, weil die Fusseln zu groß und damit nicht lungengängig sind.

Unser Baby ist neun Monate alt und leidet ständig unter obstruktiver Bronchitis. Es war deswegen sogar schon stationär im Krankenhaus. Wir haben bei uns im Schlafzimmer, wo auch das Kind schläft, am Rollladenkasten eine kleine Schimmelstelle. Kann es daran liegen, dass es so oft krank ist?

Knüppel: Das ist eher unwahrscheinlich. Kinder in diesem Alter haben zu enge Nasenwege, die dann noch zusätzlich durch Polypen eingeengt werden können. Achten Sie einmal darauf, ob Ihr Baby frei durch die Nase atmen kann. Wenn nicht, sollte der Kinderarzt eine medikamentöse lokale Therapie einleiten oder sogar die Entfernung eventueller Polypen in Erwägung ziehen. Trotzdem müsste aber der Schimmelbefall, der durch eine Kältebrücke zwischen Rollladenkasten und Wand entstanden ist, auf Dauer beseitigt werden. 

Von Susanne Seidenfaden

Meistgelesene Artikel

Kommt die Grippe-Epidemie nun auch zu uns?

Frankreich leidet an einer schweren Grippewelle. Es gibt bereits 52 Tote. Wird die gefährliche Welle nun auch nach Deutschland schwappen?
Kommt die Grippe-Epidemie nun auch zu uns?

Neues Portal informiert über Nahrungsergänzungsmittel

Viele Menschen versprechen sich von Vitamin- und Mineralpräparaten eine gesündere Ernährung. Doch wie förderlich sind solche Mittel wirklich?
Neues Portal informiert über Nahrungsergänzungsmittel

Depressionen vermindern die Leistungsfähigkeit

In Deutschland leiden knapp vier Millionen Menschen an Depressionen. Für sie hat die Krankheit negative Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit. Daher …
Depressionen vermindern die Leistungsfähigkeit

Kommentare