WHO: Seelisch Kranke werden immer noch ausgegrenzt

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Depressionen - Obwohl fast jeder Dritte im Verlauf seines Lebens an psychischen Störungen leidet, werden Erkrankte oft ausgegrenzt. Foto: Patrick Pleul

Fast jeder Dritte leidet in seinem Leben an einer psychischen Störung. Vielerorts werden seelisch Erkrankte dennoch unwürdig behandelt. Dagegen richtet sich ein Appell der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Berlin (dpa) - Zum Welttag der seelischen Gesundheit hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) dazu aufgefordert, psychisch Kranke würdevoll zu behandeln. In vielen Ländern würden Menschen mit einer seelischen Erkrankung ausgegrenzt und stigmatisiert, oft sogar misshandelt.

Der Welttag der seelischen Gesundheit wurde erstmals 1992 von der World Federation for Mental Health (WFMH) ausgerufen. Die Organisation wurde 1948 gegründet. Sie fördert Aufklärungskampagnen zur Vorbeugung seelischer Erkrankungen und Störungen, zudem tritt sie für eine angemessene Behandlung und Betreuung ein.

In ihrem Report (pdf, engl.) zum diesjährigen Welttag fordert die WFMH, Betroffene sollten rechtlich, sozial und medizinisch als eigenständige Personen angesehen werden, so wie jeder körperlich Kranke auch. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums leidet fast jeder dritte Mensch im Laufe seines Lebens an einer psychischen Krankheit.

Daten des Bundesgesundheitsministeriums

Informationsblatt der WHO

Report der WFMH 2015

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Rezension zu The Technology of Orgasm

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Spektrum Wissenschaftslexikon: Hippokrates

Ärzte-Zeitung über Lobotomie

Buch über Neurowissenschaften

Der Welttag der seelischen Gesundheit am 10. Oktober macht auf psychische Leiden aufmerksam. Sie können heute oft gut behandelt werden. Früher aber hatten Patienten unter bizarren, teils quälenden Behandlungen zu leiden.

Die antiken Ärzte Hippokrates und Galen gingen davon aus, dass ein Ungleichgewicht der Körpersäfte auch seelisch krank mache. Depressive litten an einem Übermaß an schwarzer Galle - auf griechisch "melancholia". Ihr Therapievorschlag: Bäder und Aderlässe.

Im Mittelalter sprach man weniger von Krankheit denn von Wahnsinn. Als besessen galt etwa, wer an Epilepsie litt. Zum therapeutischen Rüstzeug gehörten vor allem Teufelsaustreibungen. Zuständig war folglich der Priester, nicht der Arzt.

Durch die Jahrhunderte hindurch war der Beruf des Mediziners männlich dominiert - und mit ihm das Bild von Krankheiten. Seit der Antike glaubte man, die sogenannte Hysterie bei Frauen behandeln zu können, indem man das weibliche Genital stimuliert. Ärzte brachten ihre Patientinnen mitunter selbst mit der Hand zum Orgasmus - bis 1883 ein britischer Mediziner den elektrischen Vibrator erfand.

Zum Symbol einer menschenunwürdigen Psychiatrie im 19. Jahrhundert wurde die Zwangsjacke. Sie sollte ihren Träger vor sich selbst schützen und ihn beruhigen. Medikamente wie Diazepam, bekannter unter dem Namen Valium, lösten die Zwangsjacke als Therapieform ab.

Ein weit grausameres Mittel gegen Schizophrenie und andere Störungen ersann ein portugiesischer Neurologe in den 1930er Jahren: die Lobotomie. Dabei durchtrennt ein Chirurg die Nerven zwischen dem Stirnlappen und dem Zwischenhirn. Denen, denen es half, standen Tausende gegenüber, deren Persönlichkeit irreparabel zerstört wurde. Viele blieben in ihrer geistigen Entwicklung zurück, antriebs- oder gefühllos.

Erst Mitte des 20. Jahrhunderts erkannten Forscher den Zusammenhang von Botenstoffen im Hirn und psychischen Krankheiten. Ende der 1950er kamen dann die ersten Antidepressiva auf den Markt. Seither sind Psychopharmaka und Psychotherapie die Mittel der Wahl.

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