Hasssprache: Über Wortwahl mit Kindern diskutieren

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Eltern sollten bei ihren Kindern Hasssprache nicht tolerieren. Wichtig ist es, ihnen klar zu machen, wie verletzend bestimmte Äußerungen sein können. Foto: Lukas Schulze

Wenn Kinder Mitschüler mit Beschimpfungen demütigen, kann das schnell zu aggressivem Verhalten führen. Stellen Eltern bei ihren Kindern eine beleidigende Wortwahl fest, sollten sie mit ihnen darüber sprechen.

Fürth (dpa/tmn) - Hure, Spasti oder Asylant - solche Schimpfwörter kursieren auf Schulhöfen oder in sozialen Medien. Doch wie reagieren Eltern am besten, wenn Kinder mit so etwas zu Hause um sich werfen?

"Grundschulkinder übernehmen so etwas häufig, weil sie merken, das ruft Reaktionen hervor", sagt Maria Große Perdekamp. Sie ist Leiterin der Onlineberatung der Bundeskonferenz für Erziehungsberatung. Die Bedeutung dieser Wörter verstehen sie aber in diesem Alter nicht immer. Hier können Eltern ansetzen und erklären, was dahintersteckt und warum solche Äußerungen verletzen und abwerten. "In diesem Alter orientieren sich Kinder noch stark an ihren Eltern, das heißt, sie haben Vorbildcharakter."

Schwieriger wird es bei Jugendlichen, bei denen hinter solchen Hassparolen mitunter politische Überzeugungen stecken. "Da können Eltern nicht mehr einfach vorgeben, was richtig ist", erklärt Große Perdekamp. Was bleibt, ist, sich mit den Kindern zusammenzusetzen und auf Augenhöhe zu diskutieren: "Was denkt ihr über Ausländer? Wovor habt ihr Angst? Welche Werte findet ihr wichtig?". Auch Nachrichten können ein guter Anhaltspunkt sein, um ins Gespräch zu kommen: "Gemeinsam kann man dann gucken, was wirklich dahintersteckt, bevor pauschal etwas behauptet wird."

Generell sei es bei Jugendlichen schwieriger, an sie heranzukommen. Oft sprechen sie untereinander in einer bestimmten Sprache, ohne dass die Eltern es überhaupt mitbekommen. Manchmal kann es helfen, wenn Erwachsene dann über persönliche Gründe sprechen, etwa: "Wenn du dich ablehnend über Ausländer äußerst, macht mir das Angst. Das erinnert mich an das, was Oma und Opa aus der Zeit des Nationalsozialismus erzählt haben." Oft sei für Kinder diese Zeit schon zu weit weg, oder sie wissen nicht alles über die eigene Familiengeschichte.

Bayerns Lehrer warnen vor den Auswirkungen hasserfüllter Sprache auf Kinder und Jugendliche. "Wir beobachten mit größter Sorge, wie sich die Stimmung, die Kommunikation in den sozialen Netzwerken und die alltäglichen Umgangsformen in unserer Gesellschaft verändern", heißt es in einem Manifest mit dem Titel "Haltung zählt", das die Vorsitzende des Lehrerverbandes BLLV, Simone Fleischmann, verlas. "Diese Verrohung des Umgangs wirkt sich auch auf unsere Kinder und Jugendlichen aus." Lehrer beobachteten bei ihren Schülern inzwischen eine "zunehmende Aggressivität gegenüber Andersdenkenden, Ausländern und Flüchtlingen", sagte sie.

Es gebe einen engen Zusammenhang zwischen aggressiver Sprache und aggressivem Verhalten, betonte der Neurologe und Psychotherapeut Joachim Bauer von der Uni Freiburg. "Worte wirken massiv auf das Gehirn." Es sei beunruhigend, "wie in den sozialen Netzwerken Hass kultiviert wird". Denn: "Ich kann mit Sprache einwirken auf das Gehirn anderer Menschen." Beschimpfungen und Demütigungen lösten im Gehirn erst einen Schmerz und dann Aggression aus, sagte Bauer. "Hasssprache erhöht die Bereitschaft, selbst gewaltbereit zu handeln."

Nach Einschätzung des Deutschen Lehrerverbandes hat die Gewaltbereitschaft auf dem Schulhof bereits zugenommen - "und zwar im quantitativen und auch um qualitativen Sinn", sagte Verbandspräsident Josef Kraus. "Und es fängt alles immer früher an. Sie hören heute schon von Acht- oder Neunjährigen Begriffe wie "Hure", "Spasti", "Asylant"."

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