Frauen haben es schwerer

Berlin - Trotz aller Appelle zur Gleichstellung haben Frauen weiter deutlich schlechtere Verdienst- und Aufstiegschancen - die Grünen fordern deshalb eine Quote in Aufsichtsräten.

“Es sind besonders oft Frauen, die für ein paar Euro in der Stunde den ganzen Monat schuften, ohne davon leben zu können“, sagte Parteichefin Claudia Roth auf dem Bundesfrauenrat ihrer Partei in Berlin. Fraktionschefin Renate Künast kündigte einen Gesetzentwurf mit einer Frauenquote von 40 Prozent in Aufsichtsräten deutscher Unternehmen an. Das solle bis 2017 in Stufen erreicht werden. Derzeit seien nur 10 Prozent der Aufsichtsratsmitglieder Frauen, sagte Künast. Auch Sanktionsmöglichkeiten solle es geben.

In den Vorständen der 200 größten deutschen Unternehmen sind Frauen laut einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung nur mit einem minimalen Anteil von 2,5 Prozent vertreten. In den Vorständen der 100 größten Konzerne unterschreitet der Frauenanteil sogar die 1-Prozent-Marke. Frauen verdienen in Deutschland laut Bundesfamilienministerium im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer. “Alleinerziehende geraten in eine Armutsspirale, weil sie Kinder und Beruf nicht vereinbaren können“, mahnte Roth. “Armut hat viel zu oft ein weibliches Gesicht.“ Auch deshalb seien ein gesetzlicher Mindestlohn, mehr Kinderbetreuung und Ganztagsschulen unerlässlich. Künast warb für ein Gleichstellungsgesetz, mit dem größere Firmen zur Frauenförderung verpflichtet werden sollen.

Junge Frauen lägen in Qualifikation und Einstiegsgehalt nicht zurück, erläuterte Künast. Doch bei den 35- bis 39-Jährigen verdienten sie im Schnitt schon 21 Prozent weniger. Künast kritisierte, Familienministerin Kristina Schröder (CDU) wolle die Einführung einer Quote in Aufsichtsräten möglichst lang hinausschieben. Als letztes Mittel hatte Schröder dies nicht ausgeschlossen. Die EU-Kommission hatte Pläne für gesetzliche Quoten gefordert, wenn sich bis Ende 2011 nichts verbessere. Auch in der Union gibt es einzelne Anhänger. Die Vertreter der deutschen Wirtschaft lehnen Quoten und Sanktionsmöglichkeiten vehement ab.

dpa

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