Jobben im Alter: Das müssen Sie wissen

Berlin - Viele Beschäftigte in Deutschland zählen die Tage bis zur Rente. Doch mit gut 65 Jahren ist für eine ganze Reihe von ihnen noch lange nicht Schluss. Jobben im Alter: Das müssen Sie wissen. 

Wann ist in Deutschland das gesetzliche Rentenalter erreicht?

Bis 2011 lag das gesetzliche Rentenalter bei 65 Jahren. Zu Jahresbeginn 2012 hat der schrittweise Einstieg in die Rente mit 67 begonnen. Wer also in diesem Jahr seinen 65. Geburtstag feiert, muss einen Monat länger arbeiten, um eine Rente ohne Abzug zu bekommen. Jahr für Jahr erhöht sich dann das Rentenalter bis 2023 um zunächst einen Monat, danach im Zwei-Monats-Rhythmus. Im Jahr 2029 liegt das gesetzliche Rentenalter schließlich bei 67 Jahren. Die ersten, die bis 67 für eine Rente ohne Abschläge arbeiten müssen, sind die 1964 Geborenen.

Was passiert, wenn man das Rentenalter erreicht hat?

Nicht jeder müsse bei Erreichen des Rentenalters auch in Rente gehen, sagte Stefan Braatz, ein Sprecher der Deutschen Rentenversicherung Bund. „Die Leistungen der Rentenversicherung werden nur auf Antrag gezahlt.“ Wer also über das Rentenalter hinaus in seinem bisherigen Job arbeiten will, stellt diesen Antrag zunächst nicht. Zuvor sollten Betroffene aber mit ihrem Arbeitgeber sprechen, ob ein Weiterarbeiten auch tatsächlich möglich ist oder ob zum Beispiel Altersgrenzen im Arbeits- oder Tarifvertrag festgelegt sind.

Ändert sich die Höhe der Rente, wenn man länger arbeitet?

Wer bei Erreichen des Rentenalters zunächst auf seine Rente verzichtet und weiterarbeitet, obwohl er die Voraussetzungen erfüllt, bekommt später mehr Geld. Für jeden Monat, den ein Beschäftigter über das Regelrentenalter hinaus arbeitet ohne die Rentenleistung in Anspruch zu nehmen, bekommt er pro Monat später 0,5 Prozent mehr Geld, sagt der Sprecher der Rentenversicherung. Wenn jemand ein Jahr länger arbeitet, sind das 6 Prozent mehr Geld.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel: Ein Beschäftigter bekäme 1000 Euro Rente, wenn er mit 65 Jahren und einem Monat in den Ruhestand ginge. Macht er noch ein Jahr länger weiter, wären es durch den Zuschlag später pro Monat 60 Euro mehr. Zudem zahlt er länger Beiträge ein und steigert dadurch seine Rente noch weiter: Bei einem jährlichen Durchschnittsverdienst von 32 000 Euro wären das weitere rund 28 Euro pro Monat mehr, sagte der Sprecher. Würde der Betroffene also ein Jahr länger arbeiten, hätte er nicht eine Rente von 1000 Euro, sondern von 1088 Euro.

Gibt es auch die Möglichkeit, in der Rente zu arbeiten?

Ältere Menschen können ihre Rente bekommen und dennoch einen Job annehmen. Dies kann ein Mini-Job oder eine Managerposition sein. Was dem allerdings entgegenstehen kann, sind laut dem Sprecher Vereinbarungen in Arbeits- oder Tarifverträgen. Solche Fragen sollten mit der Personalabteilung oder dem Betriebsrat geklärt werden. Beim Rentenbezug vor der Regelaltersgrenze sind seitens der Rentenversicherung Hinzuverdienstgrenzen zu beachten. Der Arbeitnehmer zahlt, wenn er neben der vollen Rente arbeitet, grundsätzlich keine Beiträge mehr ein, der Arbeitgeber allerdings schon.

Gibt es Altersgrenzen für bestimmte Branchen und Berufe?

Ein Gesetz, das festlegt, bis zu welchem Alter Menschen arbeiten dürfen, gibt es in Deutschland nicht. Allerdings gibt es Berufsgruppen und Branchen, für die Altersgrenzen vereinbart wurden, sagte Martina Perreng, Arbeitsrechtlerin beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). In vielen Arbeits- und Tarifverträgen sei festgehalten, dass mit dem Erreichen des Rentenalters die Beschäftigung endet.

Immer wieder werde aber gegen solche Regelungen geklagt. Hintergrund sei das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz, sagte Perreng. „Dieses besagt, dass für eine Begrenzung aufgrund eines bestimmten Lebensalters legitime Ziele verfolgt werden müssen. Die Mittel müssen angemessen und verhältnismäßig sein.“ Ein solch legitimes Ziel könne zum Beispiel sein, dass für Jüngere der Zugang zum Arbeitsmarkt sichergestellt werde.

dpa

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