Negativtestament: Verwandten-Ausschluss von Erbfolge möglich

+
Mit einem Testament können auch Menschen von der Erbfolge ausgeschlossen werden. In diesem Falle spricht man von einem Negativtestament. Foto: Andrea Warnecke

Streit unter möglichen Erben kommt immer wieder vor. Ein Testament kann helfen, auch um Verwandte auszuschließen. Das muss jedoch eindeutig im letzten Vermächtnis festgehalten werden.

Düsseldorf (dpa/tmn) - Erblasser können Verwandte von der gesetzlichen Erbfolge ausschließen. In diesem Fall sprich man von einem sogenannten Negativtestament. Ist ein solches Testament aber nicht genau genug verfasst worden, muss versucht werden, den Willen des Erblassers zu erforschen.

Mögliche Erben müssen bei einer solchen Ermittlung damit rechnen, am Ende leer auszugehen. Das zeigt eine Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) Düsseldorf (Az.: I-7 U 77/14), wie die Arbeitsgemeinschaft Erbrecht des Deutschen Anwaltvereins (DAV) mitteilt.

Im verhandelten Fall hatte eine Alleinstehende 1976 ein Testament errichtet. Hierin schloss sie zwei bestimmte Nachfahren ihrer Urgroßeltern und deren Nachfolger ausdrücklich und namentlich benannt von der Erbfolge aus. Sodann schrieb sie: "Es ist mein letzter Wille, dass andere entfernte Verwandte nichts vom ganzen Vermögen erhalten." Wer ihr Erbe werden sollte, bestimmte sie aber nicht. Nach ihrem Tod hielt sich eine Cousine zweiten Grades für die Erbin des millionenschweren Vermögens, da sie nicht explizit ausgeschlossen worden sei und stets Kontakt zur Verstorbenen gehalten habe.

Zu Unrecht, urteilten die Richter. Denn es steht einer Erblasserin frei, in ihrem Testament allein bestimmte gesetzliche Erben von der Erbfolge auszuschließen. In diesem Fall ist durch Auslegung zu ermitteln, wer Erbe geworden ist. Dabei ist der wirkliche Wille der Erblasserin zu erforschen. Das Ergebnis hier: Nach Ansicht des OLG ist die klagende Cousine zweitens Grades eine "andere entfernte Verwandte" im Sinne des Testaments.

Den Begriff Verwandtschaft definiert das Gesetz. Hierunter fällt auch die entfernte Cousine. Der Umstand, dass die Erblasserin zu dieser Cousine zu Lebzeiten persönlichen Kontakt hatte, ändert daran nichts. Es erbt der Fiskus, da die Erblasserin das Verwandtenerbrecht vollumfänglich ausgeschlossen hat.

Arbeitsgemeinschaft Erbrecht

Meistgelesene Artikel

Lungenentzündung nicht unterschätzen

Lungenentzündung ist nicht gleich Lungenentzündung: Die Krankheit, die immer noch tödlich enden kann, verläuft von Patient zu Patient …
Lungenentzündung nicht unterschätzen

Weihnachtsbaum nach Kauf abdecken und kühl lagern

Die Adventszeit hat begonnen, und viele Deutsche kaufen fleißig Tannenbäume. Damit diese aber nicht schon vor Heiligabend austrocknen, müssen …
Weihnachtsbaum nach Kauf abdecken und kühl lagern

Plätzchen mit Mehltyp 405 oder 550 backen?

München (dpa/tmn) - Zum Backen von Weihnachtsleckereien ist Mehl mit kleiner Typenzahl am besten geeignet. Die Mehltypen 405 und 550 enthalten zum …
Plätzchen mit Mehltyp 405 oder 550 backen?

Kommentare