Verbraucherschützer: Fernwärme-Preise brauchen Kontrolle

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Verbraucherschützer kritisieren, die Undurchsichtigkeit der Preise für Fernwärme. Foto: Jens Büttner

Sie sprechen vom "vergessenen Markt": Nach der Liberalisierung bei Gas und Strom wollen Verbraucherschützer und Mietervertreter auch die Monopole bei Fernwärme brechen. Die Stadtwerke halten davon nichts.

Berlin (dpa) - Viele der rund 5,5 Millionen Fernwärme-Kunden in Deutschland zahlen aus Sicht von Verbraucherschützern zu viel. Wie die Preise zustanden kommen, sei nur schwer nachzuvollziehen und ein Anbieterwechsel oft nicht möglich.

Das kritisierten der Bundesverband der Verbraucherzentralen, der Deutsche Mieterbund und der Bundesverband Neue Energiewirtschaft in Berlin. "Es ist einer der letzten unregulierten Monopolmärkte", sagte Verbraucherzentralen-Chef Klaus Müller und forderte Reformen ähnlich wie bei Strom und Gas.

Notwendig seien eine gesetzliche Pflicht für Anbieter, ihre Preise detailliert offen zu legen - außerdem verständlichere Rechnungen und Wettbewerb im Markt. Alternativ zur Marktfreigabe soll eine Behörde wie die Bundesnetzagentur die Preise in dem Monopolsektor regulieren.

Jeder siebte Haushalt in Deutschland heizt mit Fernwärme, die meisten sind Mieter. Nach Berechnungen der Verbraucherschützer heizen Fernwärme-Kunden mit Abstand am teuersten. Seit 2010 seien die Preise mit einem Plus von etwa 20 Prozent überdurchschnittlich gestiegen, kritisierte Müller.

Zwischen den Anbietern gebe es Preisunterschiede von bis zu hundert Prozent. Vermieter schlügen die Rechnung oft einfach auf die Mieter um; sie könnten sie auch kaum kontrollieren, weil Informationen von den Anbietern fehlten, sagte Mieterbund-Direktor Lukas Siebenkotten: "Wer nichts veröffentlichen will, der hat irgendetwas zu verbergen."

Widerspruch kam vom Verband kommunaler Unternehmen (VKU). Er vertritt Stadtwerke, die neben den großen Energiekonzernen Fernwärme anbieten. Eine Entflechtung werde nicht zu niedrigeren Preisen führen, sagte eine Sprecherin. Die Fixkosten für Heizkraftwerke und Leitungen seien hoch. Dass Preise regional unterschiedlich sind, hänge auch mit Faktoren wie der Länge des Leitungsnetzes und der Zahl der Kunden zusammen.

Jede siebte Wohnung in Deutschland wird mit Fernwärme beheizt, es ist damit die drittwichtigste Heizungsart nach Gas- und Ölkesseln. Fernwärme heißt so, weil das Wasser für Heizung und Wasserhahn nicht zu Hause erhitzt wird, sondern durch meist unterirdische Leitungen aus einem Heizkraftwerk kommt, das in der Regel ganze Straßenzüge oder Stadtviertel zentral versorgt. Viele Großsiedlungen sind darunter, die allermeisten Nutzer sind Mieter.

Die mehr als 500 Erzeuger sind meist Stadtwerke, aber auch große Versorger wie RWE, Eon, EnBW und Vattenfall bieten Fernwärme an. Die Kommunen können Anwohner verpflichten, sich an das Fernwärmenetz anzuschließen. Verbraucherschützer sprechen von einem der letzten unregulierten Monopolmärkte. Das Bundeskartellamt fand 2012 bei einigen Anbietern Hinweise auf Preismissbrauch.

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