Oktober 2015

Baufamilie Bötel zieht von Schleswig-Holstein nach Bayern

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Das ist Familie Bötel: Die Eltern Katharina und Axel sowie ihre Kinder Annika und Niklas mit Retriever-Rüde Murphy.

Generationen-Projekt in Peiting: Ohne Hamburg komme er nicht zurecht, sagte Großstadtkind Axel Bötel einmal. Für seine Liebe zur Hansestadt muss der 41-Jährige nun weite Wege gehen, denn sein Haus hat er sich rund 900 Kilometer weiter südlich gebaut – im schönen Pfaffenwinkel.

Auf 3500 Quadratmetern wohnen drei Generationen. Jüngstes Projekt: das Haus der Familie Bötel (in weißer Farbe), die aus Schleswig- Holstein in den Pfaffenwinkel zog.

Dass seine Frau Katharina aus Peiting stammt, mag bei der Entscheidung allerdings keine unwesentliche Rolle gespielt haben. Es ist ihr Grundstück in unmittelbarer Nachbarschaft der Eltern, auf dem der Neubau im Frühling 2014 in Angriff genommen wurde. Die 14jährige Annika und ihr 11jähriger Bruder Niklas sind in der neuen Heimat gut angekommen. Den Stein ins Rollen brachten im Sommer 2013 Katharina Bötels Eltern, die ihr rund 1000 Quadratmeter großes, bebaubares Gartengrundstück an ihre Tochter überschrieben. „Wenn ihr wollt, könnt ihr bei uns im Garten bauen“, schlugen sie vor. Familie Bötel entschied sich dafür und begann kurz darauf mit den Planungen – wohlgemerkt von Schleswig-Holstein aus, denn zu diesem Zeitpunkt stand ihr Zuhause noch in der Nähe von Kiel. Das bedeutet, viele Arbeiten, wie den Rohbau in vertrauenswürdige Hände zu legen. „Kaum zu glauben, dass wir bis zum Hebauf noch in Schleswig-Holstein lebten“, sagt Katharina Bötel. Im Sommer 2014 zogen die Bötels nach Peiting. Es dauerte dann nochmals rund sieben Monate, bis der Innenausbau abgeschlossen war und die vierköpfige Familie ins eigene, neue Haus wechseln konnte. Das Haus im Süden bedeutete für die Bötels auch, Teil eines Generationen-Projekts zu werden. Denn auf dem insgesamt rund 3500 Quadratmeter großen elterlichen Grundstück wohnen und leben mittlerweile alle drei Geschwister mit ihren Familien sowie die Großeltern selbst. Ein zusammenhängender Garten, eine große Familie, eine Wellenlänge.

Für Allergiker bestens geeignet: Kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung

Das Lüftungssystem beugt der Schimmelbildung in feuchten Räumen vor, wie hier im Gästebad mit ausgeschliffenem Naturstein-Waschbecken.

Für Axel Bötel kam ein Neubau nur mit kontrollierter Wohnraumlüftung infrage. „Die Vorteile lagen ganz klar auf der Hand“, sagt er rückblickend. Seine Frau Katharina ist starke Allergikerin. Trotz zusätzlicher Kosten entschieden sie sich also für ein zentrales Lüftungssystem, das die Zuluft filtert und den Hausstaub in den Wohnräumen verringert. Feinstaub und Pollen bleiben so außen vor. Eine kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) ist ein maschinelles System, das eine definierte, dauerhafte Be- und Entlüftung der Wohnräume vorsieht. Fenster können bei gleichzeitiger Frischluftversorgung geschlossen bleiben, das hilft auch bei Lärmbelastungen von außen. Weitere Vorteile sind der Abtransport von Schadstoffen und Gerüchen, beispielsweise in WC und Küche. Außerdem wirkt das Lüftungssystem der Schimmelbildung und dem Wachstum von Hausstaubmilben entgegen. Ist die KWL mit einem System zur Wärmerückgewinnung gekoppelt, wird die Außenluft durch die Abluft im Winter etwas vorgeheizt, im Sommer leicht vorgekühlt.

Ein Schwedenofen macht gemütlich warm, musste jedoch kostenintensiv auf die Lüftungsanlage abgestimmt werden.

Das funktioniert zwar nicht so intensiv wie bei einer Klimaanlage, dennoch kann das Lüftungssystem die Raumtemperatur im Sommer leicht absenken und die Zuluft entfeuchten, was vor allem bei schwülem Sommerwetter als erfrischend empfunden wird. Eine zentrale Lüftung hat jedoch Folgen für den Brandschutz. Denn der Betrieb von Schwedenofen und Lüftungsanlage gleichzeitig muss aufeinander abgestimmt sein, da die Gefahr besteht, dass bei Unterdruckverhältnissen Abgase aus dem Brennraum in die Wohnräume gelangen. Aus Sicherheitsgründen ist daher ein Unterdruck-Regler im Rauchrohr zu installieren. Der misst parallel, ob überhaupt ein Feuer brennt, den Luftdruck im Raum sowie den Außenluftdruck. „Wird bei diesen Messwerten eine Grenze unterschritten, schaltet der Unterdruckwächter die Stromzufuhr zur Lüftungsanlage einfach ab“, erklärt Axel Bötel.

Kochen ist eine emotionale Sache: Fachmännische Beratung bei der Küche

Ihre geräumige und moderne Küche hat sich Katharina Bötel selbst zusammengestellt.

Katharina Bötel entschied sich bei der Küchenplanung für eine dezente Optik – dunkler Holznachbau die Arbeitsplatte und Möbel in hellbeige - und großzügige Arbeitsflächen. Wer in der Küche zaubern will, braucht Platz! Und „Küche“ ist für sie ein emotionales Thema. „Kochen, Backen, Verzieren - das ist bei uns ein großes Miteinander“ erzählt die Hobbyköchin. Mithilfe der planenden Hand eines kompetenten Küchenstudios hat sie für Geräumigkeit und Ordnung in ihrer Küche gesorgt. Dabei kommt die 38-Jährige fast komplett ohne Oberschränke aus. Die an die Küche durch eine platzsparende Schiebetüre angeschlossene Speisekammer bietet zusätzlichen Stauraum. Durch die runde Spüle in der Ecke wird außerdem Fläche sinnvoll genutzt. Die Beratung habe sich ausgezahlt, der Einbau verlief reibungslos, wie die Bauherrin berichtet. Technisch arbeitet Katharina Bötel auf hohem Niveau: ein großes Induktionskochfeld, die voll eingebaute Microwelle, Kaffeevollautomat, Dampfgarer und verschiedene Küchenhelfer wie KitchenAid und Thermomix vervollständigen das Bild ihrer „Vier-Sterne- Küche“.

Kalkfreies Wasser: Wasserenthärtungsanlage für kleine Haushalte

Kesselsteinablagerungen, umgangssprachlich so genannter Kalk, in Leitungen, Haushaltsgeräten und -maschinen? Wer im Allgäu und im Oberland bleibt davon schon verschont? Kalkhaltiges, „hartes“ Wasser fließt durch unsere Leitungen und verkalkt diese sowie alle angeschlossenen Geräte in kürzester Zeit. Bauherr Axel Bötel hat nachgemessen: 24 Grad deutsche Härte ( ca. 4,28 mmol/l) beträgt der Kalkgehalt seines Trink- und Nutzwassers in Peiting – das ist eine ganze Menge. „Da kann man dem Kalk beim Wachsen zuschauen“, erklärt Bötel. Er entschied sich für „reine Physik“, wie er sagt, und Entkalkung durch Entsalzung. „Nein, das Wasser schmeckt nicht salzig!“ Auf Empfehlung vieler anderer Bauherren kaufte er sich eine einsäulige Wasserenthärtungsanlage für kleine Haushalte und ließ sie anschließen. Nach kurzer Zeit schon die ersten Erfolge: „ Kein Kalk mehr, Wasser auf vier Grad deutsche Härte reduziert und lecker ist es obendrein.“ Axel Bötel schätzt, dass er pro Jahr sechs bis sieben Sack Salztabletten (je sieben Euro) verbrauchen wird.

Familien-Originale: Viel Eigenleistung beim Ausbau der Badezimmer

Katharina Bötel auf dem Badewannenrand: Ihr Bad ist hell und hat Pfiff.

Die Badezimmer der Familie Bötel sind nicht von der Stange, es sind Originale und echte Familien-Gemeinschaftsprodukte. Gemeinsam mit seinem Schwager bewerkstelligte Bauherr Axel Bötel viele Arbeiten an Gästetoilette und Badezimmer. Bötels Schwiegervater wiederum schreinerte den Waschtisch aus Altholz, Esche natur mit dekorativen Holzwurm-Spuren. Alles in allem ein echtes Gemeinschaftsprodukt. Waschbecken aus Flusskieseln oder Findlingen, aus Marmor, versteinertem Holz oder Travertin setzen moderne Trends und sind Hingucker für all die, die mit natürlichen Materialien Akzente setzen wollen. Ein Streifen Flusskieselsteine durchzieht auch das große Badezimmer. Auch hier hat sich die Mühe gelohnt: das Badezimmer ist hell und großzügig. Die begehbare, bodengleiche Dusche verfügt über einen dezenten Wasserablauf und einen Boden aus angeglichenen Kieselsteinen. In naturnaher Optik erscheint erneut der Waschtisch aus Eschenholz mit aufgesetzten Keramikwaschbecken. Großflächige Fliesen in weiß und steingrau weiten den Raum optisch und setzen die eingebaute Badewanne mitsamt steinerner Nymphe in Szene.

Farbenfrohe Jugendzimmer: „Wenn die Kids sich ihre Zimmer einrichten...“

Annika hat sich ihr Zimmer mit viel Freude und sehr farbenfroh selbst eingerichtet.

„Wir durften unsere Zimmer selbst einrichten“, erzählen Annika und Niklas stolz. Tatsächlich gaben sie dem, in schlichtem Weiß gehaltenen, Haus Farbe, Vielfalt und Pfiff . Vor allem Annika gefiel es, sich ihr eigenes Reich zu „bauen“. Knallige Farbbalken an den Wänden, ein bunter Flickerlteppich und ein gemütlicher Sessel für Strick- und Häkelstunden waren der Schülerin wichtig. Niklas' Zimmerwünsche stellten die Familie vor neue Herausforderungen.

Niklas hat sich sein Bett auf dem, vom Dach, abgehängten Boden eingerichtet.

Eine Wandseite in grasgrün, „das ging ja noch“, winkt Axel Bötel ab. Für Niklas' Schlafstätte wurde allerdings von der Decke ein zweiter Boden abgehängt, so dass sich Niklas wie im Adlerhorst fühlen kann. Bei der Planung und Bemaßung kam Baufamilie Bötel ein befreundeter Zimmermann zu Hilfe, der eine Lösung mit Pfosten für einen Jungenzimmer nicht empfahl. Die Abhängung erfolgt nun vom Dach, Schwalbenschwanzverbindungen und nur sechs Schrauben halten das „Bett“ zusammen.

Stein auf Stein: Klassische Massivbauweise mit Superdämmziegel

Familie Bötel freut sich über ihr neues Zuhause in Peiting.

Die Variante Fertighausbau sollte auf jeden Fall in die Entscheidungsfindung der Bötels mit einfließen. Nachdem Fertighäuser traditionell gefertigten Häusern in nichts nachstehen, aber letztendlich genauso teuer kommen, entschied sich das Ehepaar dann doch für einen klassischen Massivhausbau. Als endlich der Startschuss für den Neubau fiel und der Bagger anrückte, konnte Familie Bötel den Rohbau nur aus weiter Ferne verfolgen. Bis zum Hebauf wohnten sie noch in Schleswig-Holstein. Deshalb war es auch so wichtig, dass ihr Bauvorhaben von einem vertrauenswürdigen Bauunternehmen betreut wird, das schlüsselfertig mit den entsprechenden Partnerfirmen für Heizung, Strom und Wasser baut.

Während der Rohbau entstand, wohnte Familie Bötel noch in Schleswig-Holstein.

Im Vorfeld stimmten die Bötels ab, das folgende Bauleistungen als Eigenleistung gefertigt werden sollten: Fußbodenbeläge, Malerarbeiten sowie die beiden Bäder. Die Schwiegereltern vertraten die Bauherrn wochentags auf der Baustelle hatten stets ein sorgsames Auge auf das entstehende Gebäude. Es sollte ein ökologisches Ziegelniedrigenergiehaus werden, entschieden das Ehepaar. Durch neue Superdämmziegel konnte der Neubau mit Wandstärken von 36,5 Zentimeter verwirklicht werden. Einen kostengünstigen Wandaufbau bei gleichzeitig guter wärmespeichernder Wirkung empfahl das Bauunternehmen. Kaum war der Keller fertig gestellt und die Kellerdecke gegossen, begannen die Maurerarbeiten. „Langsam aber sicher wird deutlich sichtbar, was da auf dem Grundstück entsteht: Unser Haus!“, erinnert sich Axel Bötel.

Genaue Planung vonnöten – Sonden tief ins Erdreich verlegt

Zwei Tiefenbohrungen gehören standardmäßig zum Einbau einer Erdwärmeheizung. Auch bei Bötels rollte dafür schweres Gefährt an.

Ein modernes und energieeffizientes Haus zu bauen lag den Bötels am Herzen, daher haben sie sich für eine Erdwärmepumpe entschieden und investierten in dessen Einbau und in zwei Tiefenbohrungen auf ihrem Grundstück. Die Funktionsweise einer Erdwärmepumpe beruht auf der wärmespeichernden Wirkung des Erdreiches. Unterhalb der Frostgrenze liegen die Temperaturen das ganze Jahr relativ konstant zwischen sieben und zwölf Grad: Erdwärme, die zum Heizen nutzbar gemacht wird. Diese Energie kommt bei den Bötels aus zwei in 80 und 90 Meter Tiefe verlegten Sonden. Erdwärmesonden sind in der Anschaffung zwar teurer als beispielsweise kurz unterhalb der Frostgrenze verlegte Heizschlangen, so genannten Erdwärmekollektoren, aber sie erzielen ganzjährig konstante Leistung. Diese Sonden können im Sommer sogar zur Kühlung genutzt werden, sind besonders platzsparend und werden speziell für kleinere Grundstücke im privaten Bereich empfohlen. Die Kombination mit einer Fußbodenheizung ist ebenfalls ideal, weil sie mit den niedrigen Vorlauftemperaturen aus der Erdwärmepumpe effizient betrieben werden kann. Die Installations- und Anschaffungskosten für eine Erdwärmesonde inklusive Wärmepumpe betragen nach Angaben des Bundesverbandes Wärmepumpe (BWP) rund 15.000 Euro. Über die Jahre rechnet sich das aber.

Axel Bötel ist erleichtert, dass der Einbau seiner Erdwärmepumpe letztendlich doch gut funktionierte.

Da die Wärmepumpe lediglich Strom benötigt, fallen bei einem 150 Quadratmeter großen Neubau mit Fußbodenheizung und Warmwasserbereitung jährlich Kosten von rund 400 Euro an (so der BWP). Die Erdwärmepumpe gilt quasi als wartungsfrei. Es fallen also auch keine Kosten für die Emissionswertprüfung und den Schornsteinfeger an. Eine frühzeitige Beratung durch einen Fachbetrieb hält Axel Bötel jedoch in jedem Fall für sinnvoll. Denn im Vorfeld der Bohrung ist eine genaue Planung bezüglich der Dimensionierung und Bodenbeschaffenheit notwendig. Je nach Bodenklasse speichert der Untergrund entweder viel Wärme, und kann dadurch auch viel abgeben, oder aber das Gegenteil ist der Fall. Auch der Grundwasserspiegelstand spielt eine Rolle. Handelt es sich beim Bohrgebiet beispielsweise um ein Wasserschutzgebiet, ist eine Bohrung rechtlich nicht möglich.

Steckbrief

Baufamilie Bötel, Peiting (Weilheim-Schongau)
Anwesen

Einfamilienhaus, Neubau

Massivbau mit Vollwärmeziegel

KfW70-Energieeffizienzhaus Endenergiebedarf nach EnEV: 3774 kWh/Jahr, d.h. ca 25 kWh pro Wohn-m²/Jahr

Baukosten rund 320.000 Euro
Grundfläche 1081 m²
Wohnfläche 150 m²
Bauzeit Baubeginn Mai 2014 bis Einzug im Februar 2015
Angaben zur Ausstattung

2-geschossiges Haus mit Satteldach und Doppelgarage (geplant), voll unterkellert, Erdwärmepumpe mit Fußbodenheizung, Schwedenofen, kontrollierte Wohnraumbelüftung, Hausautomation, Wasserenthärtung, offener Wohn-, Ess- und Küchenbereich, Bad, Gäste-WC

Hirschberg

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