Juli 2016

Liebevolle Sanierung eines typischen 50er Jahre Altbaus

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Birgit Koch und Armin Rieg schafften sich in zweieinhalb Jahren ein Traumhaus.

Es ist das Haus, in dem er geboren wurde. Das Haus, das seine Eltern erbauten und in dem er seine Kindheit und Jugend verbrachte. Armin Rieg hat aus seinem Elternhaus – einem typischen Altbau der 50er Jahre – ein modernes Häuschen gemacht, in dem Erinnerung gehütet und Offenheit gepflegt wird.

Dietmannsried/Oberallgäu - Den Umbau meisterte Armin Rieg nicht allein. Gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Birgit Koch schuf Rieg innerhalb von zweieinhalb Jahren aus dem renovierungsbedürftigen 08/15-Gebäude ein Haus, dem man sein Alter nun wahrlich nicht mehr ansieht. „Ziel war, unsere herkömmlich aufgeteilte Wohnung großzügig und mit vielen Ausblicken in den romantischen Garten zu gestalten“, sagt Armin Rieg und fügt lachend hinzu: „Wie wir das genau schaffen wollten, wussten wir zu Beginn allerdings auch noch nicht!“ Ihr Erfolgsrezept? Sich von dem Gefühl der Verbundenheit mit dem einstigen Elternhaus leiten zu lassen.

Komplette Entkernung

Das Elternhaus von Armin Rieg im Januar 2014 vor dem Umbau.

Der Umbau begann mit dem Austausch der Heizungsanlage im Januar 2014. Die alte Ölheizung wurde entsorgt und das Haus an die Erdgasversorgung der Gemeinde angeschlossen. Was danach folgte, kam einer kompletten Entkernung gleich. Die Erdgeschosswohnung wurde komplett ausgeräumt, Tapeten, Fußböden, Fliesen - alles raus. Zwischenwände und -decken wurden entfernt, Stahlträger neu eingezogen, Fenster vergrößert, Elektrik sowie Fußbodenheizung neu verlegt. Das Paar, das viele der Abbrucharbeiten selbst vornahm, wohnte derweil im Obergeschoss. Wohnen? „Na, ja, manchmal wachten wir mit Zementkrümeln zwischen den Zehen auf. Das war schon krass!“ erinnert sich Birgit Koch. Die größten Veränderungen fanden an der Südseite des Hauses statt: Wintergarten und Balkon mussten weichen und an ihrer Statt wurde ein komfortabler, gemauerter Anbau mit begehbarer Dachterrasse errichtet. Von dort oben lässt es sich nun bis in die Berge blicken. Die Außenwände wurden ringsum neu verputzt und in gelb Pastell gestrichen, allerdings bewusst nicht zusätzlich gedämmt.

Moderne Energiestandards

Dreifach verglaste Sprossenfenster und Türen wurden nach neuesten Energiestandards nachgerüstet. Energetische Einzelmaßnahmen wie diese konnte sich das Bauherrenpaar im übrigen über Investitionszuschüsse der KfW-Bank fördern lassen. Das ganze Bauvorhaben gelang ohne Architekt, aber mit einer sehr kooperativen, kleinen Baufirma. „Unsere Wünsche, wie das gemauerte Sofa oder der Einbau von vielen Steinelementen, forderten von unseren Handwerkern immer wieder pragmatische Lösungen“, schmunzelt Armin Rieg. Ihrem Ziel folgte das Paar mit viel Gespür für das ihm eigene Ambiente, mit Inspirationen aus fremden Kulturen – und mit Hartnäckigkeit. Armin Rieg erinnert sich, dass sich seine Frau mit vielen Dingen, wie der Anordnung der Fliesen im Bad, bis ins kleinste Detail auseinandersetzte. Das kostete manchmal Zeit und Nerven. Das Ergebnis aber kann sich heute sehen lassen.

Armin Rieg und Birgit Koch: Umbau eines 50er Jahre Altbaus

Mit einem Hauch Fernweh: Solide Substanz und ausgefallene Details im Innern

Kleine Fenster, verschämte Eingänge: Häuser der 50er Jahre gelten als uncool. Dass sich darin eine wahre Perle an Wohnqualität verbergen kann, beweist das Haus von Armin Rieg und Birgit Koch. Großes Plus der Wirtschaftswunder-Architektur sind die verwendeten, traditionellen Baustoffe wie Ziegel oder Tonsteine, die gesundheitlich unbedenklich und gut zu sanieren sind. Das machte sich auch beim Umbau in Dietmannsried bemerkbar. Auf solider Substanz konnte das Paar ein zeitgemäßes, offenes Landhaus mit ausgefallenen Details verwirklichen. Mit dem Umbau wurden nicht nur die starren Raumgrenzen eingerissen: Küche, Wohn- und Esszimmer verschmelzen nun mit offenen Zugängen und vielen Sichtbeziehungen zu einem großen Ganzen. Vergrößerte Fenster- und Türflächen und ein großflächig verlegter Echtholz-Parkettboden schaffen ein Gefühl von Weite und erlauben den Rundumblick in den romantisch angelegten Garten, auf Seerosenteich und mediterranes Schildkröten-Terrain. Der gemauerte Anbau ergänzt die Wohnfläche zu allen Jahreszeiten und ist Ess- und Wohlfühlplatz für die Baufamilie und ihre Gäste. Im Zentrum des Erdgeschosses steht der moderne, schlicht gehaltene Kaminofen mit großem, nach zwei Seiten offenem Sichtfenster. Lagerfeuer-Feeling pur – selbst im Sommer. Eine Schamottwand zur Küche hin heizt gleich die rückseitig gelegenen Räume mit.

Fremde Kulturen

Das schlichte, elegante Regal im Wohnzimmer und der, auf einen grauen Sockel aufgesetzte, kubusartige Kaminofen geben dem Raum eine klare Kontur.

Ganesha, der freundliche indische Gott mit Elefantenkopf, begrüßt den Besucher bereits im Eingangsbereich. Viele weitere Details, wie die orientalisch verzierten, marokkanischen Fliesen, Stoffe aus der Toskana und ein mannshoher, einst angeschwemmter Tropfstein aus Asien verleihen den Räumen das Flair fremder Orte und Landschaften. „Wir haben uns von unseren oft abenteuerlichen Reisen in fast alle Teile dieser Erde inspirieren lassen“, beschreibt Armin Rieg das Ambiente. „Und haben versucht, Fernweh und Heimat sowie Traditionelles mit Neuem zu verbinden.“ Denn wer genau hinschaut, entdeckt viele ungewöhnliche Reise-Souvenirs: eine filigran bemalte Hochzeitsschachtel aus Myanmar, Lavagestein von den Galapagos-Inseln oder tönerne Schalen aus La Gomera. So leben die Eindrücke der Reisen im Haus in Dietmannsried fort. „Unsere Erinnerungen und die Geschichten, die unsere Möbeln und Mitbringsel erzählen, machen das ganze Haus lebendig“, sagt Birgit Koch.

Schlichte Landhausküche: Für den gemeinsamen Kochgenuss

Viel Wert legte das Paar auf die mittig angeordnete Kochplatte ihrer hellen Landhausküche.

Es sollte weder eine aalglatte, ultra moderne noch eine allzu verspielte, traditionelle Bauernküche werden: „So ein Mittelding“, sagt Birgit Koch, die lange auf der Suche nach der richtigen Optik war. Sie und ihr Mann entschieden sich dann für eine schlichte, weiße Landhausküche eines deutschen Markenherstellers, die sich sehr harmonisch in die neu angelegte Küchennische fügt. Wichtig bei der Küchenplanung war dem Bauherrenpaar die mittig angeordnete Kochplatte und die daran angeschlossene kleine Theke, von der aus sie bis in den Garten blicken können. Ein großes Platzangebot, zum Beispiel für Gewürze im Apothekerschrank, die belastbare und edle Granit-Arbeitsplatte, Tageslicht von mehreren Seiten und moderne Technik wie Induktionsherd und ein Backofen mit Selbstreinigung (Pyrolyse) vervollständigen das Bild. Birgit Koch und Armin Rieg kochen gerne gemeinsam Gerichte aus anderen Kulturen und sagen: „Mit unserer Küche hat das Kochen eine neue Qualität bekommen.“

Fernöstliches Flair im Wohnzimmer: 150 Jahre alte indische Flügeltüre mit Geisterschwelle

Diese Türe zaubert Fernost ins Haus und hält darüber hinaus die bösen Geister fern.

Zugegeben, es war ein abenteuerliches Unterfangen, entstanden aus der Idee, sich Fernost ins Wohnzimmer zu zaubern. Heute sagt Birgit Koch: „Der Zauber ist da. Ich erfreue mich jeden Tag an dieser Tür.“ Denn diese 150 Jahre alte, indische Flügeltüre ist wahrhaftig etwas Einzigartiges. Handgefertigt, mit Verzierungen, Intarsien und Beschlägen versehen, reiste sie aus dem indischen Gujarat per Seefracht nach Deutschland. „Sehr spannend war, ob die Türe überhaupt passen würde“, erklärt Armin Rieg, der das Schmuckstück im Internet entdeckte und erwarb. Zu diesem Zeitpunkt stand die Tür noch in Indien. „Wir kannten sie nur von schlechten Digitalfotos“, gibt Rieg zu. Sie passte, war jedoch so schwer, dass sie von mindestens drei Mann in die Öffnung zwischen Küche und Wohnzimmer gestemmt werden musste. Doch auch der Einbau gelang dank beherzter Fensterbauer. Zu guter Letzt wurde die traditionelle „Geisterschwelle“ gesetzt. Sie hält nach fernöstlichem Glauben böse Geister vom Zutritt fern. Denn zum Glück sind die Schreckgestalten leicht auszutricksen. Eines können sie nämlich nicht: die Knie krümmen. Weil sie keine haben. Sehr wirkungsvoll also, die knöchelhohe Türschwelle, vor der die Dämonen kapitulieren. Und für Birgit Koch ist sie so die Tür, „die hundertprozentig zu uns passt!“

Romantischer Gartenzauber: Verträumte Plätze, Farbenpracht und Artenvielfalt

Lieblingsplatz am Teich: Wasser ist ein wichtiges Element im romantischen Garten von Armin Rieg und Birgit Koch.

Ein kleines Stück vom Garten Eden haben sich Armin Rieg und Birgit Koch auf ihrem rund 900 Quadratmeter großen Grund geschaffen. Das denkt wohl zumindest die Ringelnatter, die regelmäßig auf Besuch kommt und über die Seerosen schlängelt. Romantisch, mit vielen Nischen und Plätzen zum Verweilen, zeigt sich die Natur großzügig und prächtig im Garten von Dietmannsried. Zum Beispiel: der Seerosenteich mit kleinem Aussichtssteg, der nostalgische Springbrunnen an der von Rosen umsäumten, verträumten Terrasse, der kleine „Wald“, an dessen schattigem Grund verschiedene Orchideen blühen, dann der mediterrane Steingarten, der dem ältesten Mitbewohner des Paares, der Schildkröte Butzi ein perfektes Zuhause bietet. Man kommt aus dem Gucken einfach nicht heraus. Das fröhliche Plätschern des kleinen Springbrunnens und die stille Oberfläche des Teichs geschmückt mit großblütigen Seerosen – Wasser ist ein wichtiges Element in diesem harmonischen Garten. Ebenso wie die Farben der Blumen, die als Rosensträucher, Stauden oder Fensterschmuck viele verspielte Akzente setzen. „Unser Garten ist wie ein zweites Zuhause, in dem wir viel Zeit verbringen und zur Ruhe kommen“, sagt Landschaftsarchitekt Armin Rieg, der über die Artenvielfalt in seinem Garten immer wieder ins Staunen kommt.

Steckbrief: Armin Rieg und Birgit Koch - Umbau eines 50er Jahre Altbaus

Anwesen

Einfamilienhaus; energetische Sanierung

Grundfläche

890 m²

Wohnfläche

140 m²

Bauzeit

Januar 2014 bis Herbst 2016

Kosten

rund 230.000 Euro, mit Einrichtung

Angaben zur Ausstattung

kernsanierter Altbau von 1957, voll unterkellert, eineinhalb-geschossig, fünf Zimmer inklusive gemauerter Anbau, offener Wohn-/Essbereich, Sauna, begehbare Dachterrasse, Gasbrennwerttherme, Kaminofen, Fußbodenheizung, 3-fach verglaste Kunststofffenster, Fensterläden

Tipps für Nachahmer

Dass ein Umbau gelingt – so resümiert Bauherrin Birgit Koch für den Kreisboten – braucht es mindestens fünf Voraussetzungen:

1. Eine Baufirma mit einem geduldigen und kreativen Bauleiter und ebensolchen Handwerkern, die wohlwollend die teilweise „eigenwilligen“ Ideen umsetzen helfen.

2. Eine gute Pizzeria und Metzgerei in der Nähe, die für den Energienachschub sorgen.

3. Gute Freunde, die genau dann vor der Tür stehen, wenn der Tag mal wieder richtig anstrengend war, und die dabei helfen, die ganze Unternehmung schön zu trinken.

4. Eine Großpackung Pflaster für die vielen kleinen Blessuren, eine gute Schmerzsalbe für den Muskelkater und Handcreme für die Schwielen nach harter Arbeit.

5. Grenzenlose Geduld und – das Wichtigste überhaupt: haufenweise Humor!

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