Mietnomaden-Studie: Wenige Fälle, großer Schaden

Berlin - Die meisten Mietnomadenfälle in Deutschland sind darauf zurückzuführen, dass die Vermieter zu wenig Informationen von den Wohnungsinteressenten verlangen. Das enthüllt eine große Studie.

Die 100-seitigen Erhebung der Bielefelder Wissenschaftler Florian Jacoby und Markus Artz für das Bundesbauministerium wurde am Montag in Berlin vorgestellt. Demnach überprüften bei den erfassten Fällen zwei Drittel der meist privaten Vermieter zu wenig die Einkommenssituation der Mieter. Im Rahmen der Befragung meldeten sich rund 1500 Bürger als Opfer von Mietnomaden. 426 Fälle wurden von den Forschern als “echte Fälle“ eingestuft, weil dabei nur höchstens drei Monate lang Miete bezahlt wurde, davon in 210 Fällen sogar gar keine. “Es ist nur ein kleiner Anteil von Personen“, sagte Staatssekretär Rainer Bomba.

Aber jeder Fall sei ein schweres Einzelschicksal mit einem hohen Schaden. Bomba betonte, die detaillierten Informationen könnten zur Versachlichung der Debatte beitragen. Man wolle keineswegs als Konsequenz “den gläsernen Mieter“. Mietnomaden zahlen mit Verweis auf angebliche Mängel die Miete nicht, lassen Wohnungen verkommen und ziehen dann woanders hin. Kosten für den Gerichtsvollzieher, die Räumung und das Klageverfahren können sich rasch auf 10 000 bis 20 000 Euro summieren. Die Räumung verzögert sich in den meisten Fällen nach Angaben der Bielefelder Forscher Jacoby und Artz nicht wegen überlasteter Gerichtsvollzieher um mehrere Monate. Vielmehr zögere der Vermieter angesichts des Schadens lange, ob er auch noch die mehreren tausend Euro Vorschuss für die Möbelräumung vorstrecken soll.

dpa

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