Einheit unter Bäumen

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Bäume für die Einheit: Die Deutsche Alleenstraße führt von der Ostsee bis an den Bodensee, sie verbindet und eint als Ferienroute das Land.

Auf 2900 Kilometern verbindet die Deutsche Alleenstraße das Land von der Ostsee bis zum Bodensee. Hier ist garantiert: Die Einheit wächst stetig. Daran ist auch ein Münchner wesentlich beteiligt.

Manchmal setzt Erwin Pfeiffer beim Autofahren einfach den rechten Blinker und hält in einer Einfahrt oder an einem Feldweg an. Wo halt in der Allee zwischen den Bäumen Platz ist. Die hinter ihm Fahrenden werden’s mit Freude wahrnehmen, denn der Schleicher mit dem Münchner Autokennzeichen hält die Einheimischen bloß auf. „Ich lasse die lieber überholen“, sagt Erwin Pfeiffer, „mir pressiert es da nicht.“ Er macht stattdessen ein paar Fotos und saugt die Atmosphäre in sich auf. „Das ist für mich Entschleunigung.“

Der Münchner Erwin Pfeiffer ist so oft wie möglich auf der 2900 Kilometer langen Ferienstraße unterwegs

Wenn Erwin Pfeiffer so eine Pause zum Fotografieren der Bäume einlegt, ist er jedes Mal auf der Deutschen Alleenstraße unterwegs. Dienstlich und ehrenamtlich. Denn der 51-jährige Münchner ist beim ADAC Leiter der touristischen Services und Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße, die sich zum Ziel gesetzt hat, Alleen zu schützen und zu erhalten, „ein grünes Band von Bäumen durch Deutschland zu knüpfen“, wie es auf der Homepage heißt.

Die Route der Deutschen Alleenstraße führt über 2900 Kilometer von Sellin auf der Ostseeinsel Rügen bis zur Insel Reichenau im Bodensee. Nicht auf direktem Nord-Süd-Weg, sondern mit einigen Schleifen – wie dem etwa 400 Kilometer langen Schlenker durch Nordrhein-Westfalen. Die Deutsche Alleenstraße ist damit die längste unter den rund 150 Ferienstraßen in Deutschland. Und so wie entlang der Strecke ständig neue Bäume gesetzt werden und wachsen, so steht sie auch als Zeichen für das Wachsen der deutschen Einheit.

Erwin Pfeiffer erinnert sich an die Anfänge. Gleich nach der deutschen Einheit vor 20 Jahren erreichten den ADAC erste Anrufe, in denen der Automobilclub um Hilfe bei der Rettung der Alleen im Osten gebeten wurde. „Der ADAC hat sich darum gekümmert“, sagt Erwin Pfeiffer. Gemeinsam mit der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald wurde dann im Sommer 1992 der Beschluss gefasst, die Deutsche Alleenstraße von Rügen bis zum Bodensee als touristische Einrichtung und ideelle Verbindung der alten und neuen Bundesländer zu schaffen.

Stück für Stück wurde die Idee in die Tat umgesetzt, vor zehn Jahren wurde dann mit der Eröffnung der achten Teilstrecke die direkte Verbindung zwischen Rügen und der Reichenau hergestellt. Inzwischen sind weitere Etappen in Nordrhein-Westfalen dazugekommen, odass es nun zehn ausgeschilderte Abschnitte gibt.

Deutsche Alleenstraße: Von Rügen bis zum Bodensee

Wie viele Menschen gezielt auf der Deutschen Alleenstraße fahren, kann man nicht feststellen. Dass das Interesse vorhanden und recht groß ist, beweist die Zahl von rund 25 000 jährlichen Downloads von Routeninformationen pro Streckenabschnitt. Eine Routenbeschreibung braucht Erwin Pfeiffer nicht mehr. Er schätzt, dass er inzwischen rund ein Drittel der Alleenstraße befahren hat, vorwiegend auf privaten Fahrten, beispielsweise zum Urlaub an der Ostsee. „Man kann so Deutschland anders kennenlernen“, sagt Erwin Pfeiffer, der einräumt, als gebürtiger Bayer „jahrelang Gardasee-orientiert“ gewesen zu sein. Jetzt fährt er zu inländischen Zielen.

Einer seiner Lieblingsabschnitte ist südwestlich von Berlin, in der Gegend von Dessau, wo die Alleenstraße bei Coswig die Elbe kreuzt. „Man nähert sich da dem Fluss auf einer klitzekleinen Straße und setzt dann mit einer Fähre über.“ Ins Schwärmen gerät der ADAC-Touristiker auch über die Streckenführung im Havelland durch die Rheinsberger Seenplatte: „Da fährt man runter von der Autobahn und kommt in einer anderen Welt an.“ Ähnlich geht es ihm auf Rügen, wo man nur wenige Kilometer vom Strandtrubel entfernt auf einsamen Kopfsteinpflasterstraßen unter Bäumen fahren kann.

Dass die Deutsche Alleenstraße einen Bogen um den Freistaat Bayern macht, erklärt der Münchner so: „Bei der Routensuche wurde das Projekt von den bayerischen Verantwortlichen sehr zurückhaltend betrachtet.“ Jetzt ist es zu spät, denn Erweiterungen sind erst einmal nicht mehr vorgesehen. „Wir wollen doch keine Fischgräte anlegen“, sagt Erwin Pfeiffer.

Volker Pfau

REISE-INFOS ZUR ALLEENSTRASSE

STRECKE Von Sellin auf der Ostseeinsel Rügen bis zur Insel Reichenau im Bodensee mit zwei Schleifen in Mitteldeutschland. Gesamtlänge: rund 2900 Kilometer.

ABSCHNITTE

  • 1. Rügen–Rheinsberg
  • 2. Rheinsberg–Dessau
  • 3. Dessau–Duderstadt
  • 4. Wittenberg–Plauen
  • 5. Duderstadt– bzw. Plauen–Fulda
  • 6. Fulda–Bad Kreuznach
  • 7. Bad Kreuznach–Freudenstadt
  • 8. Freudenstadt–Konstanz (Reichenau)
  • 9. Höxter–Dortmund
  • 10. Dortmund–Bad Honnef

BUCHTIPP Im BLV-Buchverlag ist der Bildband „Die schönsten Alleen in Deutschland“ von Olaf Schulz erschienen, in dem über 60 Alleen mit Geschichte, Besonderheiten und vielen Fotos vorgestellt werden. 9,95 Euro, 160 Seiten, 145 Farbfotos, ISBN 978-3-8354-0087-0.

MEHR INFOS Arbeitsgemeinschaft Deutsche Alleenstraße, Tel. 0228/9459830, www.alleenstrasse.com.

EXPERTE Der Münchner Erwin Pfeiffer – beim ADAC Leiter der touristischen Services und Vorstandsmitglied im Verein Deutsche Alleenstraße – ist so oft wie möglich auf der 2900 Kilometer langen Ferienstraße unterwegs: „Man kann so Deutschland anders kennenlernen.“

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