Alles unter einem Hut

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Nichts als Stroh am Kopf: Laden im Hutmacherdorf Becal. Ab neun Euro gibt’s dort den Sonnenschutz für den Yucatán-Urlaub.

Weiße Strände, dichter Dschungel, eine pikante, exotische Küche und die geheimnisvolle Kultur der Mayas – die mexikanische Halbinsel Yucatán bringt alle Träume von Winterflüchtlingen unter einen Hut.

Autor Timo Aichele besuchte Becal, das Zentrum der mexikanischen Hutmacher. Yucatán ragt wie ein Sporn nach Norden in den Golf von Mexiko. Das Klima ist tropisch und heiß und ein Sonnenschutz gehört schon deshalb zur Grundausstattung. Naheliegend, dass eine der berühmtesten Kopfbedeckungen Lateinamerikas, der Panamahut, ein typischer Mexikaner ist, auch wenn er seinen Namen Anfang des 20. Jahrhunderts beim Bau des Panama-Kanals bekam. Bis dahin war er als Jipi-Japa bekannt. So nennt Rocio die Palmen, aus denen sie und ihre Familie den Hut flechten. Die junge Frau wohnt im Zentrum der mexikanischen Panamahut-Herstellung: Becal, einem Städtchen südlich von Mérida, der Hauptstadt des Bundesstaates Yucatán.

Sonne, Meer und Pyramiden - unterwegs auf Mexikos Halbinsel Yucatan

Becal hat 10 000 Einwohner und fast alle leben wie Rocio von der Hutherstellung. Jeden Morgen um sieben Uhr steigt Rocio im Hinterhof ihres Hauses eine steile Treppe in ihre Werkstatt, eine künstlich angelegte Kalksteinhöhle, hinab. In Rocios Höhle ist die Luft feucht und das ist gut so, denn dadurch büßen die Blätter der Jipi-Japa-Palme nichts an Geschmeidigkeit ein. Würde die Hutflechterin an der Erdoberfläche arbeiten, wären die Fasern schnell spröde und das Produkt nicht so flexibel.

Eines der Landhotels von „The Luxury collection“ auf Yucatán. Der mexikanische Banken-Mogul Roberto Hernandez hat die Anwesen der spanischen Eroberer gekauft und liebevoll restaurieren lassen.

Dafür ist der Panamahut bekannt: Er ist zusammenrollbar. Bis zu zwölf Tage braucht Rocio, um einen Hut herzustellen – angefangen von der Ernte der noch nicht aufgegangenen Palmenblätter über das Rösten in einer Art Räucherkammer bis hin zum Formen mit einer auf 100 Grad erhitzten Presse. Je nach Qualität verkauft Rocio die fertigen Hüte in ihrem Laden für 160 bis 1600 Pesos, umgerechnet 9 bis 90 Euro. Rocio lebt und arbeitet im Herzen des Maya-Landes, das neben Teilen Mexikos die Nachbarstaaten Guatemala, Belize, Honduras und El Salvador umfasst. Auch Rocios Nachname Uicab Caamalist Maya. Die Maya hatten ihre Blütezeit um 100 bis 900 nach Christus. Monumentale Kultstätten wie Chichen Itza oder Tulum direkt an der Karibik-Küste zeigen die hohe Entwicklung dieses Volkes. So konnten die Maya sowohl das Sonnenjahr wie auch das Mondjahr so genau berechnen, dass ihre Angaben erst im 20. Jahrhundert minimal korrigiert wurden.

Mexiko

Noch heute spielen Sprache, Küche und auch die Religion der Maya eine große Rolle in der Kultur Mittelamerikas. „Es gibt noch einige Dörfer, in denen die älteren Leute ausschließlich Maya sprechen“, erzählt Tobias Wettstein, ein Schweizer, der schon seit 15 Jahren als Reiseführer an der Riviera Maya, der Karibik- Küste Yucatáns, arbeitet. Stolz seien sie, die Mayas, sagt er. So stolz, dass die spanischen Missionare viele Zugeständnisse an ihre Riten machen mussten. Das zeigt sich etwa Anfang November am Tag der Toten, einem der höchsten Feiertage im Land. Die Einheimischen gedenken ihrer Verstorbenen in einem bunten Mix aus katholischen und indianischen Traditionen. Sie bauen den Angehörigen Altäre. Darauf sind Opfergaben aufgebaut, ganz so, wie es die alten Naturreligionen verlangen. Ja, und da kann es durchaus vorkommen, dass auf so einem Altar auch mal ein Panamahut liegt. Den kann man schließlich in jeder Lebenslage gut gebrauchen.

Timo Aichele

REISE-INFOS ZU YUCATÁN

REISEZIEL Die Halbinsel Yucatán trennt den Golf von Mexiko vom karibischen Meer. Der größte Teil an der Nordspitze gehört zu Mexiko, der Süden zu Guatemala und Belize. Der östlichen Küste ist Cozumel, die größte Insel Mexikos, vorgelagert.

ANREISE Ein guter Startpunkt für den Yucatán- urlaub ist cancun an der Nordspitze der Halbinsel. Condor fliegt den dortigen Airport drei mal wöchentlich von Frankfurt aus an. Mit Zubringer von München ab ca. 1000 Euro. www.condor.de

REISEZEIT/KLIMA Ganzjährig feuchtwarmes tropisches Klima mit Lufttemperaturen zwischen 25 und 35 Grad. Beste Reisezeit ist der europäische Winter, in dieser Zeit sind die Temperaturen am angenehmsten. Von August bis Oktober kann es zu Hurrikans kommen.

REISETYP Yucatán bietet Strand und Kultur im Doppelpack. Taucher finden vor der Insel Cozumel faszinierende Riffs.

HOTEL-TIPP Eine Alternative zum Strandhotel ist der Urlaub auf einer Hacienda. Die Starwood- Gruppe unterhält fünf Hacienda-Hotels auf ehemaligen Landgütern. Diese romantischen Nobelherbergen können Besucher bei einer Rundreise entdecken. Drei Nächte im Doppelzimmer inklusive Frühstück und Kerzenlicht-Dinner ab umgerechnet 1057 Euro. Kontakt im Internet unter www.thehaciendas.com. Buchung über Designreisen, Tel. 089/90 77 88 96, www.designreisen.de.

SEHENSWERT Die größte Maya-Ruinenstätte ist Chichen Itza, 120 Kilometer östlich der Stadt Mérida. Dort steht der berühmte Templo del Kukulcan. Zum Unesco-Welterbe gehört das Biospährenreservat sian Ka’an mit einer faszinierenden Tier- und Pflanzenwelt.

AKTIV Eine Besonderheit Yucatáns sind die Cenotes, ein Höhlensystem im Kalkstein, in dem sich neue Unterwasserwelten eröffnen. Die Firma Protectdiving in Playa del Carmen bietet Einsteiger-Kurse und Expeditionen für erfahrene Taucher. Chef ist eine Deutscher. Kontakt: www.protectdiving.com.

AUSFLÜGE Maßgeschneiderte Touren bietet die Agentur Mayaguide in Playa del Carmen. Reiseleiter Tobias Wettstein ist gebürtiger Schweizer und führt zu allen Arten von Attraktionen – darunter auch Geheimtipps wie eine Sisal-Fabrik, in der noch mit Maschinen aus dem 19. Jahrhundert gearbeitet wird. Kontakt unter tours@mayaguide.com.

KULINARISCH Zu den traditionellen Gerichten gehört Cochinita Pibil, eine deftige Mahlzeit aus eingelegtem Schweinefleisch, das stundenlang in einem Erdofen gart. Dazu schmeckt eine Xelada, das mexikanische Radler aus Limettensaft, Bier und Eis mit Salzrand am Glas.

WEITERE INFOS Mexikanisches Fremdenverkehrsamt in Frankfurt, Gratis-Tel. 00800/ 11 11 22 66, Internet: www.visitmexico.com.

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