Besser auf die Bahamas!

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Bahamas

Ihr Werbeslogan ist so einfach wie eindrucksvoll. Sie sagen schlichtweg: „It’s better in the Bahamas“ – was so viel heißt wie: Bei uns ist alles besser.

Barbara Nazarewska stellte das selbstbewusste Inselreich im Atlantik auf den touristischen Prüfstand. Ein Ergebnis vorweggenommen: Die neue Direktverbindung ab Deutschland ist – einfach besser!

Nein, es geht nicht. „Ganz ehrlich, Sie können hier alles haben. A-l-l-e-s! Nur eines nicht: Stress. No stress, that’s not possible. Glauben Sie mir.“ Man glaubt La Toya, der jungen Frau mit der schönen, schokoladefarbenen Haut und den üppigen Kurven. Sie hat die Hände in die Hüften gestemmt, sie wirkt ziemlich überzeugend.

„Man kann hier nichts machen, nur entspannen. Relax, that’s all.“ Und dann lacht La Toya. Sie hat ein sehr breites Lachen und sehr weiße Zähne. „Ich bin 31. Ich lebe seit 31 Jahren hier. Ich weiß, wovon ich rede.“ Jawoll – natürlich weiß sie das.

La Toya lebt auf Harbour Island und arbeitet im Pink Sands Resort, einer vornehmen Bungalow-Anlage, in der auch mal Stars wie US-Schauspielerin Nicole Kidman urlauben. Harbour Island ist eine der kleinsten Inseln der Bahamas: 5,6 Kilometer lang, 2,4 Kilometer breit. Die Einheimischen sagen: „That’s paradise.“ Ein Paradies mit Postkarten-Optik: türkisblaues Wasser und rosaroter, feinster Sand.

Relax, that's all

Wie fast alle Einwohner von Harbour Island hat auch La Toya kein richtiges Auto, sondern ein Golf- Cart. 20 Kilometer die Stunde, das ist die Höchstgeschwindigkeit. So tuckert man dann um die Insel, stets auf der linken Straßenseite, denn obwohl die Bahamas seit 1973 unabhäng sind, gehören die rund 700 Inseln nach wie vor zum Commonwealth – ein Relikt aus der 325-jährigen Vorherrschaft der Briten.

Kein Stress – das gilt auch, wenn man auf Harbour Island unterwegs ist. Zwischendurch hält man immer wieder an, kauft sich eine Portion Conches (überbackene Meeresschnecken – eine hiesige Delikatesse), schlürft eine Bahama Mama (ein landestypischer Cocktail), schaut den Fischern auf ihren Kuttern zu oder dem Sonnenuntergang – und amüsiert sich über die vielen kunterbunten Häuschen, die aussehen, als seien sie aus dem Bilderbuch. „Wir mögen diese kräftigen Farben“, sagt La Toya und zwinkert. „Und“ – jetzt hebt sie den Zeigefinger – „wir haben es nie eilig. Wir machen alles ganz ruhig. G-a-n-z r-u-h-i-g.“

Und genau das ist es auch, was Touristen auf La Toyas Insel suchen: die Ruhe, die Abgeschiedenheit, das Gefühl, den Kopf freizubekommen – kein Handyklingeln, sondern nur das Rauschen der Wellen und das Gackern freilaufender Hühner. La Toya liebt diese Idylle. Nur hin und wieder macht sie einen Ausflug raus aus ihrem beschaulichen Leben.

Zwei Stunden mit dem Schnellboot, schon ist man in Nassau, der Hauptstadt der Bahamas, dem Eintrittstor in die Inselwelt, wo täglich die Flieger aus Übersee landen. Rund 70 Prozent der Gesamtbevölkerung wohnt hier – das sind gut 200 000 von insgesamt 305 000 Einwohnern. Der Rest verteilt sich auf 28 weitere Inseln. In Nassau können Touristen zollfrei einkaufen – Uhren, Schmuck, Taschen, alles in der Bay Street.

Kunterbunte Häuschen und freilaufende Hühner

Und dort gibt es für Einheimische Jobs: in riesigen Hotelanlagen wie dem Atlantis Resort, einem 400-Millionen-Dollar-Projekt. Es bietet Zimmer in fast allen Preisklassen – bis zur teuersten Suite der Welt, 400 Quadratmeter groß mit zehn Räumen für 25 000 US-Dollar pro Nacht. Michael Jackson hatte sie bei der Eröffnung bewohnt.

Im Prinzip ist das Atlantis eine kleine Stadt mitten in der Hauptstadt – angelehnt an jenes sagenumwobene Inselreich, das angeblich vor 3000 Jahren im Meer versank. Vier Hoteltürme, 6000 Betten, künstlich angelegte Lagunen, ein Casino, das so groß ist wie ein halbes Fußballfeld und unzählige Geschäfte, Kinos, Restaurants. Trotzdem hat auch das Atlantis derzeit ein bisschen zu kämpfen – genauso wie andere große Hotels in der Nachbarschaft.

Hotel Atlantis auf Paradise Island

Wegen der Wirtschaftskrise kommen inzwischen rund ein Fünftel weniger Urlauber aus den USA und Kanada auf die Bahamas. Deshalb schielen die Hotelchefs nun nach Europa. Mit Erfolg: „Die Inseln galten schon immer als Traumziel. Doch spätestens seitdem hier der James- Bond-Film ,Casino Royal‘ gedreht wurde und ,Fluch der Karibik‘ sind sie auch bei uns ins Rampenlicht gerückt“, sagt Thomas Herzog, dessen gleichnamige Agentur die Bahamas in Deutschland repräsentiert. Entdeckt hatte die Bahamas ein Europäer schon vor mehr als 500 Jahren. 1492 erreichte Christopher Kolumbus die Inseln, die damals von den Lucaya-Indianern bewohnt waren. Heute sind 85 Prozent der Bevölkerung afrikanischen Ursprungs, die anderen haben europäische oder amerikanische Wurzeln.

Von Migrationshintergrund spricht allerdings niemand. „Man gehört einfach dazu – und man fühlt sich hier nie allein“, sagt Sue Riding (62). Die gelernte Erzieherin war 18, als sie auf die Bahamas kam, wollte raus aus Großbritannien. Sue hat hier ihren Mann kennengelernt, hat eine Tochter adoptiert. Inzwischen ist das Kind erwachsen und Sue geschieden. „Meinen Mann konnte ich verlassen, aber nicht dieses Land“, sagt Sue und lächelt.

Wie viele der Einheimischen geht Sue am Sonntag nach dem Gottesdienst gerne in Nassaus Gastro-Viertel „Fish Fry“. Auch für Touristen ist der Ort eine Attraktion, denn dort reiht sich ein Fisch-Restaurant an das andere. Vor wenigen Jahren gab es hier noch nichts. „Nur einen Fischer, der an einem Tisch seinen Fisch verkaufte“, erzählt Sue. Sie istmächtig stolz darauf, wie sich Nassau in letzter Zeit herausputzt.

Sue genießt es, Touristen „ihr“ Nassau zu zeigen. Sie ist eine von rund 400 Einheimischen, die sich beim so genannten „PeopletoPeople“-Programm engagieren. Das Angebot ist für Urlauber kostenlos, zum Nulltarif lernen sie einen Tag lang „das echte Leben“ kennen – außerhalb ihrer Hotelmauern. Und sie bekommen die wirklich guten Tipps.

Zum Beispiel den: „Wer die Bahamas wirklich erleben will“, sagt Sue, „sollte das Postboot nehmen, das von einer Insel zur nächsten fährt und auch Passagiere mitnimmt. Besser kann man das Land und die Leute nicht kennenlernen.“ Leute von einer Inselgruppe im Atlantik, die sagen, dass bei ihnen alles etwas besser ist ...

DIE REISE-INFOS

REISEZIEL Die Bahamas, die zu den Westindischen Inseln zählen, liegen ungefähr 80 Kilometer südöstlich von Florida und 100 Kilometer nördlich von Kuba im Atlantik. Von den mehr als 700 Inseln sind nur 30 bewohnt.

ANREISE Condor fliegt in dieser Wintersaison als einzige deutsche Airline direkt nach Nassau auf die Bahamas (jeden Freitag ab Frankfurt). Auf dem Hinflug (rund zwölf Stunden) gibt es einen Kurzstopp in Kuba, zurück fliegt man nonstop (rund neun Stunden). Preise ab ca. 800 Euro für den Hin- und Rückflug. Buchung unter www.condor.de oder telefonisch unter 01805/767757.

REISEZEIT Auf den Bahamas herrscht subtropisches Klima. Hauptreisezeit ist von November bis Mai, in den Sommermonaten ist es wärmer und etwas regnerischer. Von Juni bis Oktober muss man auch mit tropischen Stürmen rechnen.

REISETYP Für Strandliebhaber, Sportbegeisterte (insbesondere Golf, Segeln, Tauchen, Hochseefischen).

PREISBEISPIELE Bei Neckermann kann man das Hotel Atlantis auf Paradise Island ab 136 Euro pro Person und Nacht im Doppelzimmer buchen (ohne Verpflegung). Eine Übernachtung im Coral Sands auf Harbour Island kostet ab 132 Euro, im benachbarten Pink Sands 252 Euro (beides ohne Verpflegung). Buchung unter www.coralsands.com. '
Eine Woche im Sheraton Beach Resort in Nassau (4 Sterne) kostet bei Thomas Cook Reisen mit Condor-Flug ab Frankfurt ab 1704 Euro pro Person. Das Fünf-Sterne-Sandals Royal Bahamian Spa Resort kostet bei Thomas Cook Reisen pro Woche mit Allinclusive- Verpflegung und Condor- Flug ab 2458 Euro pro Person.

Lohnend ist auch ein Abstecher nach Abaco. Ein Holzhäuschen für vier Personen am Strand kostet dort 200 US-Dollar pro Tag. Buchung über Bahamas Hideaways in Ulm, Tel. 07304/437927, www.bahamas-hideaways. de.

POSTBOOT Die einzelnen Inseln sind durch Fähren miteinander verbunden (Fahrplan bei Bahamas Tourism). Oder man nimmt das Postboot, Abfahrt an der Anlegestelle Potters Cay im Hafen unter der Brücke zwischen Nassau und Paradise Island. Die Fahrt kann – je nach Entfernung – bis zu zwei Tagen dauern. Für die Übernachtung kann man eine Kabine reservieren. Der Preis für die Überfahrt liegt zwischen 30 und 60 US-Dollar (hin und zurück). Infos unter www.bahamas- travel.info/mailboat.htm.

EINHEIMISCHE GUIDES Wer Land und Menschen besser kennenlernen will, sollte am „People to People“-Programm teilnehmen: Einheimische holen die Urlauber am Hotel ab, um ihnen einen Tag lang einen ganz persönlichen Einblick in das Leben auf den Bahamas zu geben. Das Angebot ist kostenlos. Anmeldungen an der Hotel-Rezeption oder unter www.bahamas.com/bahamas/ register-request-info.

WEITERE INFO Vertretung des Bahamas Tourist Office in Frankfurt/ Main, www.bahamas.de oder Tel. 069/42089049 (Bahamas-Hotline).

Auswärtiges Amt Infos zu Bahamas: www.auswaertiges-amt.de/

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