Bizarrer Visum-Ärger

Wegen privater Facebook-Nachricht: 19-Jährige wird aus USA ausgewiesen

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Eigentlich wollte die 19-Jährige Aimee nur ihren Sommer genießen - doch aus vier Monaten USA wurden vier Stunden. (Symbolbild)

Aus vier Monaten USA wurden vier Stunden: Eine 19-Jährige Abiturientin wollte ihre Verwandtschaft in den USA besuchen - und wurde nach der Ankunft in Philadelphia wieder ausgewiesen. Die Begründung der US-Beamten ist kurios ... 

Bizarrer Visum-Ärger: Eigentlich wollte die 19-Jährige Aimee nur ihren Sommer genießen. Mit dem Abi in der Tasche plante die junge Frau aus Hessen einen viermonatigen USA-Trip, wollte ihre dortige Großcousine besuchen, die Sprachkenntnisse verbessern und einfach mal ausspannen. Doch die US-Behörden machten ihr einen Strich durch die Rechnung - und das unter äußerst kuriosen Umständen, wie die Frankfurter Rundschau berichtet.

"Bye and good luck"

„Es fühlt sich an, als sei es nicht wirklich passiert“, wird Aimee dort zitiert. Und diese Einschätzung lässt sich für den neutralen Betrachter durchaus nachvollziehen: Bereits beim Umstieg in Philadelphia wird die Deutsche vom Flughafenpersonal mit ungewöhnlich vielen Fragen gelöchert, denkt sich aber zunächst nichts dabei. Die strengen Einreisevorschriften in den USA. Wer kennt nicht mindestens einen Freund oder Bekannten, der dazu eine Geschichte erzählen kann. Aber Aimees Geschichte beginnt gerade erst. „Anders als bei den anderen vor mir, steckte er meinen Reisepass in eine rote Tüte, kritzelte etwas auf einen Zettel und zeigte auf einen separaten Eingang, zu dem ich gehen sollte. Seine letzten Worte waren ,Bye and good luck‘", erzählt sie der FR. Die Hessin wird in ein separates Wartezimmer geführt, dort wird ihr der Pass abgenommen, später unter weiteren kritischen Fragen auch ihr Koffer von einer Polizistin durchsucht. Diese will der Deutschen nicht glauben, dass sie für vier Monaten ihre Großcousine besucht - so lange mache doch niemand Urlaub, in New York vielleicht, aber in Cleveland?

Längst wächst da bei der 19-Jährigen die Skepsis. Ist diese Art der Abfertigung noch normal? „Jetzt passen Sie mal auf! Ich mag es nicht, wenn man mich anlügt und ich erkenne Lügen schon von sehr weit weg. Also entweder Sie erzählen mir etwas, was ich glauben kann, oder wir ziehen hier ganz andere Seiten auf“, notiert sie später die Worte der Polizistin. Die Beamten nehmen ihr das Handy ab, verlassen damit den Raum. Aimee muss ihre Fingerabdrücke abgeben, Fotos werden gemacht - letzteres wiederum ist bei der Einreise in die USA nichts ungewöhnliches. Aber das Handy? Die Deutsche bekommt es langsam mit der Angst zu tun, beginnt zu weinen. Sie hat ein gültiges Visum für ein Jahr und wollte vier Monate bei ihrer Großcousine bleiben, das Rückflugticket hat sie schon dabei - wo liegt das Problem?

Verhängnisvolle Facebook-Nachricht

Als die Beamten wenig später zurückkehren, haben sie einen Fragebogen dabei. Sie legen Aimee das Protokoll vor, dass sie nur mit "Ja" oder "Nein" beantworten soll. „Eine Frage machte mich sehr stutzig. Sie zitierte im Prinzip den exakten Verlauf meines Chats auf Facebook. Frage: Haben Sie Nachrichten in ihrem Handy, in denen steht, dass ihre Cousine ihnen angeboten hat, auf die Nachbarskinder aufzupassen und das Sie ihr erzählt haben, dass Sie einen gültigen Führerschein haben und somit die Kinder zur Schule fahren können?“, berichtet sie später der Frankfurter Rundschau. Tatsächlich hatte die Abiturientin im Vorfeld der Reise mit ihrer Großcousine via Facebook kommuniziert und angeboten, während der Zeit ihre Aufenthalts auf die beiden Kinder der Verwandten aufzupassen - die Beamten mussten also offenkundig ihren Facebook-Chat auf dem Handy nachgelesen haben.

Kurz darauf die Schocknachricht: Aimee müsse noch am selben Tag die Rückreise nach Frankfurt antreten. Die Begründung: Sie habe beim Beantragen des Visums verschwiegen, dass sie als Au-Pair in den USA arbeiten möchte. Das Visum sei somit ungültig. Auf die Nachfrage, ob sie nach der stressigen Anreise noch zumindest eine Nacht im Hotel verbringen könne, erhält die 19-Jährige zudem noch eine schnippische Antwort: Natürlich ginge das, das Hotel sei in dem Fall allerdings das Gefängnis.

Ein Visum ist keine Garantie

Aimee bleibt nichts anderes übrig, als in den nächsten Flieger zu steigen. Die Familie in Deutschland, als auch die Verwandtschaft in den USA sind ebenso bestürzt wie die junge Frau selbst. Angekommen in Frankfurt wendet sie sich an das Generalkonsulat in Frankfurt. Hier wird der 19-Jährigen erklärt, der Vorgang sei nichts ungewöhnliches. Das Visum sei lediglich die Erlaubnis zum Einreiseort zu gelangen. Vor Ort seien dann aber Kontrolleure des Department of Homeland Security zuständig. Ein Visum sei also keine Garantie.

Für die 19-Jährige ist der Urlaubstraum so vorerst geplatzt - aus vier Monaten USA wurden vier Stunden. Pläne für eine erneute USA-Reise hat die junge Frau erstmal ad acta gelegt.

det

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