Englands größte Grafschaft ist ein spannendes Reiseziel

Geistreiches aus Yorkshire

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In den mittelalterlichen Gassen von York könnten einem Geister begegnen.

York - In Yorkshire passieren merkwürdige Dinge. Und dann sind da noch diese Geschichten, die einem einen Schauer über den Rücken jagen. Barbara Wimmer besuchte die geistreichste Gegend Englands.

Die Reise-Infos zu Yorkshire:

REISEZIEL Yorkshire liegt im Norden Englands und ist die mit Abstand größte der 39 historischen Grafschaften Englands. Unsere kleine Reise spielt sich im industriell kaum erschlossenen, landschaftlich ansprechenden Teil nördlich von Manchester ab.

ANREISE Flug von München nach Manchester (z. B. mit Lufthansa, ab 250 Euro) oder London (z. B. mit Aerlingus, ab ca. 60 Euro). Von London braucht man mit dem Auto etwa zwei Stunden nach York. Für eine individuelle Rundreise in Yorkshire ist ein Mietauto in jedem Fall unabdingbar (z.B. bei Auto Europe, ab ca. 140 Euro/Woche,www. autoeurope.de).

REISETYP Für Liebhaber typisch englischer Städte und Landschaften, die gerne historische Bauten und Geschäfte in kleinen Gassen erkunden oder Wanderungen an der Küste oder in den Nationalparks unternehmen wollen.

WOHNEN Das passende Ambiente zum geistreichen York liefert das verwunschene Mount Royale Hotel: Zimmer ab umgerechnet rund 100 Euro. Zehn Minuten zu Fuß in die Innenstadt. Im Internet: www.mountroyale.co.uk.

GHOST WALK Die Geisterwanderung durch die Stadt York kann telefonisch unter 0044/1904- 60 87 00 gebucht werden, im Internet: www.ghosthunt.co.uk. Sie findet jeden Abend um 19.30 Uhr statt, egal, wie das Wetter ist. Erwachsene zahlen umgerechnet ca. fünf Euro, Kinder drei. 

VERANSTALTER Beim Veranstalter Dertour können Individualreisende durch York ihre Unterkunft vorab buchen. Unterkunftsschecks („Flexibel durch Großbritannien“), pro Nacht im Doppelzimmer von 45 bis 58 Euro pro Person. Im Reisebüro oder online unter www.dertour.de.

WEITERE INFORMATIONEN über das Fremdenverkehrsamt von Großbritannien, Visit Britain, Büro Berlin. Tel. 01801/46 86 42, im Internet: www.visitbritain. comoder www.visitengland.de

Die mittelalterliche Stadt York ist nachweislich „the most haunted place on earth“, auf gut Deutsch der am meisten von Geistern verfolgte Ort der Welt. Oder sehr frei übersetzt: unheimlich begeisternd. Andy Dextrous, Yorks berühmtester Geisterjäger, oder Ghost Hunter wie man hier sagt, starrt mit seinen wasserblauen Augen streng auf seine Gefolgschaft, die an diesem Freitagabend größer ist als sonst. Einen eleganten Zylinder trägt er auf dem schlohweißen Haar und um die Schultern ein schwarzglänzendes Cape.

Der Meister des Gruselns hat sein Publikum im Griff. Fast scheint es, als hätten die Leute mehr Respekt vor ihm als vor jedem Geist, der ihnen auf der Tour durch die verwinkelten Gassen der mittelalterlichen Stadt begegnen könnte. Nicht alle Bürger von York sehen Gespenster, zumindest geben sie es nicht zu.

Wahrscheinlich fürchten sie Hohn und Spott, so wie es Harry Martindale widerfahren war: Als er 1953 als Klempner im Keller eines Herrenhauses arbeitete, paradierte eine römischen Reiterkompanie an ihm vorbei! Nur bis zum Knie, erinnert er sich später, sei der Tross sichtbar gewesen! Harry hat ein Rad ab, dachten die Leute damals mitleidig, manche sagten es auch.
Martindale, der daraufhin auf Polizist umsattelte, ist heute pensioniert – und rehabilitiert.

Denn inzwischen erzählt Andy Dextrous in seiner Spukshow täglich, wie es zu der Erscheinung kommen konnte: Gleich hinter dem 1000 Jahre alten gotischen Münster, vor dem schmiedeeisernen Tor des Treasurer’s House, postiert er sich dazu auf seiner Staffelei und wartet auf andächtiges Schweigen. Um seinem atemlosen Publikum dann zu erläutern: Just an dieser Stelle war in römischen Zeiten eine Kommandatur, einen halben Meter tiefer als der Keller.
Dextrous bedient sich großzügig beim üppigen Ensemble aus Yorks 2000-jähriger Geschichte: Adelstöchter, die über Geländer in die Tiefe des Ballsaals stürzten, eingesperrte verhungerte Kinder, die heute noch ihr Schicksal bejammern, wahlweise rot, weiß oder rosa gekleidete Ladys, die sich auf Friedhöfen herumtreiben, und als Höhepunkt ein Bösewicht, dessen abgetrenntes Haupt am Stadttor nach mittelalterlicher Manier auf ein Bajonett gespießt wurde.

Weil man die Geister nicht rufen kann, oder zumindest selten mit Erfolg, gibt es für den spuk-unerfahrenen Besucher das Haunted House an der Stonegate. An der Kasse beraten zwei englische Teenager aufgeregt, ob sie’s wagen wollen. Kichernd kaufen sie Tickets – bei einer der beiden hält die Courage keine fünf Minuten. Das Mädel eilt zurück, als hätte sie wirklich einen Geist gesehen. Dabei hatte sie nur einen kalten Luftzug verspürt. Der allerdings ist, wie man hier erzählt bekommt, ein untrügliches Zeichen für die Anwesenheit „feinstofflicher Wesen“.

Der hauseigene Geist des Black Swan ist die Frau in Weiß

Wir stolpern über schiefe Holzböden und knarzende Stiegen vom Keller bis zum Dach. Man hört Stimmen, sieht schwankende Kronleuchter, ist abwechselnd von Licht und Schatten irritiert: Hier hat vor Jahrhunderten eine Magd Übles erlitten, weil sie ihrem Herrn mehr zu Diensten war als der Dame des Hauses recht war. Soviel Geist muss dann natürlich verdaut werden, Zeit für ein Pint Bier. Im Ye Olde Starr Inn, dem älteste Pub der Stadt, wird das regionale Black Sheep gezapft. Nebenbei erfährt man, dass es auch hier spukt: Zwei Geisterkatzen schleichen durch den gemütlichen Gastraum, manchmal erscheine auch eine Lady auf der Treppe und hin und wieder höre man auch die Todesschreie römischer Soldaten. Cheers.

Es sei leichter, in York ein Gebäude zu finden, in dem es keine Gespenster gibt, schreibt ein Londoner Reisebuchautor despektierlich. Nach einer Tour durch die zahlreichen Pubs muss man ihm unbedingt Recht geben. Der hauseigene Geist des Black Swan ist die Frau in Weiß. Der Snickleway Inn bietet auf jedem Stockwerk einen anderen Spuk auf. Im Keller dreht eine unsichtbare Macht den Bierhahn immer wieder auf und zu.

Nur dem Golden Fleece ist sein Hausgeist irgendwann einmal abhanden gekommen. Der abgeschossene US-Bomberpilot, der hier regelmäßig auftauchte, soll mit einer kalifornischen Touristin durchgebrannt sein. Nichts ist unmöglich, nicht in York.

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