Die Nummer mit dem Plastikgeld

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Urlaub im Zeichen von Plastikgeld: Doch nach der Rückkehr kann es beim Blick auf den Kontoauszug eine böse Überraschung geben.

Der Urlaub war doch gar nicht so teuer! Die Rechnungen im Restaurant hat man bar bezahlt, die vielen Boutiquen in der Shoppingmeile nur von außen gesehen.

Und doch ist bei der Rückkehr das Konto leer. Böse Überraschung: Kreditkartenbetrug! Wir sagen, was jetzt zu tun ist und wie man dem Betrug von Haus aus vorbeugen kann.

Die Betrugsfälle mit verlorenen und gestohlenen Karten sind zwar im ersten Halbjahr 2010 um rund 40 Prozent gesunken – trotzdem kommt es weiterhin zu falschen Kartenabrechnungen.

Die neue Masche der Betrüger:

Kleine Lesegeräte, die sich in der Handfläche verstecken lassen, kopieren die Daten von den Zahlungskarten. Wird zusätzlich noch die dazugehörige PIN ausgespäht – beispielsweise durch eine Videoüberwachung – kann die Karte dupliziert und damit das Konto leergeräumt werden.

Wie kann man vorbeugen:

Die Karte niemals aus der Hand geben! Kartenbesitzer sollten den Verkäufer oder Kellner auf keinen Fall mit der Karte unbeaufsichtigt lassen. Wenn das Lesegerät nicht auf den Verkaufstresen oder im Restaurant an den Tisch gebracht wird, dann sollte der Karteninhaber seiner Karte zum Bezahlvorgang folgen.

Beim Eingeben der PIN ist auf einen Sicherheitsabstand zu Umstehenden Personen zu achten, die Hand sollte die Eingabe der PIN verdecken. Und bei der Rückgabe der Karte muss kontrolliert werden, dass es sich um die echte Karte handelt.

Was tun, wenn man falsche Abbuchungen vom Konto bemerkt:

SO KÖNNEN SIE IHRE KARTE SPERREN

Die zentrale Telefonnummer, unter der man eine Karte rund um die Uhr sperren lassen kann, lautet 0049/1805-021021. Sie kostet 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz. Oder der Betroffene wendet sich direkt an seine Bank. Zusätzlich gibt es die Kartensperr- Notrufnummer 116 116 für alle Girocards und Kreditkarten teilnehmender Institute. Sie ist mobil und über das Festnetz innerhalb Deutschlands kostenfrei (gebührenpflichtig aus dem Ausland) sowie rundum die Uhr erreichbar. Der Kunde sollte sich bei seinem Kreditinstitut erkundigen, ob es diesen Service anbietet.

Fehlerhafte Abrechnungen unverzüglich der kartenausgebenden Bank mitteilen. Bei betrügerischen Abbuchungen sollten Betroffene sich zudem an die Polizei wenden und Anzeige erstatten.

Margit Schneider von Euro Kartensysteme empfiehlt, die Karte sofort sperren zu lassen, evtl. auch telefonisch aus dem Ausland (siehe dazu nebenstehende Info). Dazu muss man die Kontonummer, Bankleitzahl beziehungsweise Kartennummer bereithalten. Zum Beweis sollten Belege immer aufbewahrt und später mit der Abrechnung verglichen werden.

Warum ist das Ausland so gefährlich?

Betrüger, die die Kartendaten an einem manipulierten Geldautomaten kopieren und die PIN ausspähen, fertigen eine Dublette an. Diese sei nichts anderes als weißes Plastik mit einem Magnetstreifen. „In Deutschland können diese Karten nicht eingesetzt werden, weil wir hier ein Kartenechtheitsmerkmal in den Kartenkörper eingepasst haben, das sogenannte MM-Merkmal“, erklärt Margit Schneider von Euro Kartensysteme. Das Merkmal wird bei allen deutschen Geldautomaten geprüft, bei den europäischen Nachbarn oft noch nicht.

In Zukunft sicherer:

Ein so genannter EMV-Chip, der die gespeicherten Daten gegen Verfälschung und Kopieren schützt, soll mittelfristig den Magnetstreifen ablösen. Damit verbunden ist ein Umrüsten von 650 000 Kundenterminals und 54 000 Geldautomaten alleine in Deutschland. Bei 80 Prozent ist das bereits erfolgt. „Ab 1. Januar 2011 müssen in Europa alle Geräte und Karten auf EMV umgestellt sein“, sagt Margit Schneider.

Wie ist die Rechtslage?

Visa und MasterCard haben 2005 eine Haftungsumkehr eingeführt. „Das bedeutet, wenn in Deutschland eine EMV-Chipkarte mit Magnetstreifen kopiert wird und die Dublette an einem nicht auf EMV umgerüsteten Geldautomaten im Ausland zum Einsatz kommt, haftet die Geldautomaten betreibende Bank für den Schaden“, erklärt Schneider. Umgekehrt gilt auch: Ist der ausländische Geldautomat auf EMV umgerüstet und die Originalkarte der eingesetzten Dublette nicht, dann haftet der Kartenausgeber.

ANNE BARTHEL

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