Berg und Seen

Kärnten, die Karibik der Alpen 

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Baden vom Boot aus

Wörthersee, Weissensee und Mittstätter See - Kein anderes österreichisches Bundesland hat mehr Wasser als Kärnten. Wenn dann noch die Sonne scheint...

Ernest Turnschek macht sich fertig. Badehose sitzt, Anzug hochziehen, Atemluft prüfen, Tiefenmesser und Tauchkompass um die Handgelenke schnallen. Den Bleigürtel wickelt er sich um die Hüfte, die Sauerstoffflaschen kommen auf den Rücken - es kann losgehen. Turnschek hat eine ganz besondere Aufgabe: Der Inhaber der Taucherbasis Yachtdiver am Kärntner Weißensee ist Unterwasser-Standesbeamter. Da muss alles passen - auch wenn er weiß, dass die Fische schon einige der Blumen angeknabbert haben und die Brautleute unendlich nervös sind.

Abtauchen im Weißensee: Das glasklare Wasser bietet beste Sicht auf Fische und Pflanzen.

„Aber wir sind ja hier am schönsten Ort der Welt, um eine Ehe zu schließen“, sagt der frühere Marinetaucher, der selbst im höchsten Badesee der Alpen den Bund fürs Leben geschlossen hat. „Karibik der Alpen“ nennen Taucher den Weißensee, der auf 930 Meter Seehöhe liegt und sich wie ein Fjord auf einer Länge von rund zwölf Kilometern durch die Gailtaler und die Karnischen Alpen zieht. „Der Weißensee ist einzigartig, weil er unglaublich klar ist, weil er eine unberührte und intakte Wasserflora hat und jede Menge Fische“, schwärmt Turnschek.

An seiner breitesten Stelle misst der Weißensee 900 Meter, an seiner tiefsten 99. Einzigartig unter den zahlreichen Kärntner Seen macht ihn, dass das 23 Kilometer lange Ufer nur zu knapp einem Drittel verbaut ist - nicht einmal Straßen führen direkt am Seeufer entlang. Ganz klar ist der See, denn er wird von mehreren unterirdischen Quellen gespeist und es gibt keinerlei Schwebstoffe, die die Aussicht vernebeln.

Baden mit Ausblick auf die Berge: Kinder können im Faaker See herrlich planschen.

Das glasklare Wasser mit bester Qualität schätzen nicht nur Taucher und Schwimmer, sondern auch die Fischer, die Forellen und Hechte, Karpfen und Barsche aus dem See holen. „Alles in bester Qualität“, wie Hannes Müller, Chef des Hotels und Gasthofs „Die Forelle“, sagt. Manchmal fährt er selber raus und angelt, was er später in der Küche für seine Gäste zubereitet.

Müller zieht nichts weg vom Weißensee. „Hier habe ich alles, was ich zum Leben brauche - die Berge, den See, gute Nachbarschaft.“ Und zahlreiche Gäste, die vor allem die Natur schätzen.

Die bringt ihnen Hans-Peter Sorger näher. Der Wildtierverhaltensforscher beobachtet das Rückzugsgebiet für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten um den See herum seit mehr als 40 Jahren - und geht mit den Gästen in den Wald. Dort erklärt er den Städtern den Zusammenhang zwischen Ameisenhaufen und Gewittern und räumt mit allerlei falschen Annahmen über Bären, Luchse und Adler auf.

Juwel der Kärntner Seen: der Millstätter See.

Nur ein paar Kilometer und einige Haarnadelkurven weiter, in St. Daniel im Gailtal, führt Johann Kanzian seine Besucher durch den Wald - an der Hand ein Lama. Mit seinen Anden-Kamelen ist Kanzian noch immer eine Attraktion in dem Dorf in den Karnischen Alpen. Eigentlich hatten er und seine Frau nur zwei Lamas gekauft, die ihnen das Gepäck bei Wanderungen durch die Gegend schleppen sollten. Doch inzwischen ist Kanzian hauptberuflich Chef einer achtköpfigen Herde, die gleichermaßen Kinder und Manager über die Wanderwege führen.

Peter und Caesar, Black Jack und Lincoln - wer mit den Lamas geht, muss sich auf die Tiere einlassen. „Sie sind Herden- und Fluchttiere“, betont Kanzian. Hektik ist also nicht angesagt, vielmehr die Beziehung zum Tier zu finden. Und: Angst vor dem Spucken braucht niemand haben - ein Lama muss schon sehr viel Angst haben, um einem Menschen seinen Mageninhalt entgegenzuschleudern.

Die Tiere, die Pflanzen, die Natur - vieles ist einzigartig in Österreichs südlichstem Bundesland. Wirklich unvergleichlich macht Kärnten der Wasserreichtum: 1270 stehende Gewässer gibt es, 200 Badeseen mit Trinkwasserqualität, 8000 Flusskilometer und zahlreiche Heilquellen. Da kommt kein anderes Bundesland mit.

Bekannt und mondän: Der Wörthersee zieht Promis und Touristen aus aller Welt an.

Der Wörthersee ist Kärntens größter See - und sicher auch der mondänste. Noch immer zieht er Prominenz und Touristen aus aller Welt an. Was Rang und Namen hat, kommt zur Sommerfrische - oder besitzt gleich ein Grundstück mit Blick aufs Wasser.

Auf dem See geht es mittlerweile wild zu. Etwas mehr als 300 Motorbootlizenzen kursieren, wer eine haben will, muss bis zu einer Viertelmillion Euro auf den Tisch legen - wenn er überhaupt jemanden findet, der ihm seine verkauft. Denn die Bundesforsten, die für die Seen zuständig sind, vergeben schon seit vielen Jahren keine neuen Lizenzen mehr. Wegen der Wasserqualität und des Umweltschutzes.

Auf den Spuren von Roy Black: das Restaurant "Seespitz" und das Schloss am Wörthersee.

Einen Top-Blick auf den See hat man aus dem Restaurant „Seespitz“ und dem angrenzenden Schloss am Wörthersee, das viele noch aus der gleichnamigen Fernsehserie mit Schlagersänger Roy Black kennen. Heute ist das Schloss, das einst zum Privatbesitz von Gunter Sachs gehörte, ein Luxushotel erster Güte. Und gehört noch immer zu den Markenzeichen des Wörthersees.

Der nordwestlich gelegene Millstätter See ist lange nicht so vornehm - und gilt dennoch als Juwel. Er ist der tiefste und wasserreichste der Kärntner Seen. Teile seines Ufers sind von herrschaftlichen Villen gesäumt.

Für die Großen ist eines der ungewöhnlichsten Angebote das sogenannte Dinner for two auf einer schwimmenden Insel im Millstätter See. Dabei platschen Wellen an die Holzinsel, die im See verankert ist, Platz bietet der Ponton nur für einen Tisch, zwei Palmen und zwei Menschen. Der Kellner kommt per Motorboot, serviert die Gänge und verlässt seine Gäste wieder, so dass ihnen alle Zeit der Welt bleibt, den Sonnenuntergang zu genießen, die Zukunft zu planen - oder den nächsten Urlaub.

Von Verena Wolff, dpa

DIE REISE-INFOS ZU KÄRNTEN

REISEZIEL: Kärnten liegt im Süden von Österreich. 1.270 stehende Gewässer, darunter 44 kontrollierte Badeseen.

ANREISE: Kärnten ist von Deutschland aus in gut einer Flugstunde zu erreichen, von vielen Flughäfen gibt es Verbindungen nach Klagenfurt. Mit dem Auto führt der Weg über die Tauernautobahn Richtung Villach.

REISEZEIT: Kärnten ist das ganze Jahr auf Touristen eingestellt - im Frühjahr, Sommer und Herbst auf Wanderer, Radfahrer und Wassersportler, im Winter auf Skifahrer und Snowboarder.

MEHR INFOS: Im Internet unter www.kaernten.at

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